/// Rubrik: Artikel | Stadtleben | Topaktuell

Attraktion oder Tierquälerei?

Kreuzlingen – Am kommenden Dienstag und Mittwoch gastiert der Circus Royal in Kreuzlingen. Viel Zuschauer anlocken wird die Löwennummer. Um mit ihr zu touren, betreibt das Unternehmen grossen Aufwand. 480'000 Franken kostete die Löwenanlage. Tierschützer kritisieren es dennoch und lehnen Grosskatzen in der Manege grundsätzlich ab.

Löwe im Circus Royal in Weinfelden. (Bild: zvg)

Löwe im Circus Royal in Weinfelden. (Bild: zvg)

«Unsere Löwengehege sind auf allen Stationen der Tournee viel grösser, als es das Gesetz gebietet», erklärt Zirkusdirektor Oliver Skreinig. «Da kann ich zu 100 Prozent dahinter stehen, als Unternehmer wie als Mensch.» Gemäss Tierschutzverodnung müssen die in zwei Gruppen untergebrachten sieben Löwen mindestens 100 und 120 Quadratmeter Freigehege zur Verfügung haben, im Innengehege 15 Quadratmeter pro Tier. Hinzu kommen Versteckmöglichkeiten, höher gelegene Liegeplätze und einiges mehr.

«Mir ist Tierschutz sehr wichtig», macht Skreinig klar, der mit der kommende Premiere seine 20. erlebt und sein gesamtes Erwachsenenleben beim Zirkus verbracht hat. Er sieht die wertvollen Tiere als Teil der Zirkusfamilie. Drei Personen seien ausschliesslich für sie zuständig, viel Aufwand werde für ihre Gesundheit betrieben. «Morgens haben sie Auslauf. Sie werden beschäftigt, nicht nur mit Vorstellungen und Proben. Im Innengehege hat es Wärmelampen, unter denen sie gerne liegen», erklärt Skreinig. 480000 Franken seien in die neue Löwenanlage investiert worden.

Er hält das Schweizer Tierschutzgesetz für das strengste der Welt und lädt jeden dazu ein, sich selbst ein Bild zu machen, eine selbst auferlegte «24 Stunden Kontrolle durchs Publikum» quasi. «Es ist wissenschaftlich belegt, dass die Tiere im Zirkus ebenso zufrieden sind wie im Zoo oder in freier Wildbahn und sogar länger leben – weil sie beschäftigt, medizinisch versorgt und kontrolliert gefüttert werden», erklärt der Zirkusdirektor.

Auf der ganzen Tournee, die in über 50 Orte führt, gebe es nur zwei Stationen, bei denen er eine Ausnahmegenehmigung beantragte – aber nicht für die Löwen, sondern allein fürs Aussengehe der Kamele. Per Ausnahmegenehmigung können die Quadratmeterzahlen für das Halten von Wildtieren unterschritten werden, bis zu 30 Prozent, in Einzelfällen auch mehr. Tierschützer kritisieren diese Sonderregelung sehr.

Machen Sie sich selbst ein Bild: Am Dienstag und Mittwoch, 8. und 9. März, sind um 15 und dienstags auch 20 Uhr Vorstellungen. Tierschau: Von 10 bis 18 Uhr und mittwochs bis 15 Uhr. Infos unter www.circusroyal.ch.

Kantonstierarzt Paul Witzig bestätigt die Angaben von Zirkusdirektor Skreinig. «Als Heimatkanton des Circus Royal haben wir die Tourneebewilligung ausgestellt und die Einhaltung aller Vorgaben in Weinfelden sorgfältig überprüft.» Zu kontrollieren, ob die Bestimmungen auf Tournee eingehalten werden, sei im Anschluss Sache der jeweiligen kantonalen Veterinärämter der Gastspielorte.

Artgerechte Haltung unmöglich
Der Schweizer Tierschutz (STS) nehme das befriedigt zur Kenntnis, sagt Sara Wehrli, Beauftragte für Wildtiere. «Es ist gut, dass von der Ausnahmebewilligung kein Gebrauch gemacht wird.» Das ändere aber nichts an der grundsätzlichen Einstellung der Tierschützer, dass Grosskatzen nicht für das Leben auf Tournee geeignet seien.

Auch habe man schlechte Erfahrungen mit Anspruch und Wirklichkeit gemacht. «Im Winter besuchten wir einen Zirkus in Basel Land. Dort wurden die Mindestanforderungen entgegen der Abmachung nicht eingehalten.» Wildtiere als Spektakel in der Manege zu zeigen, empfindet sie grundsätzlich als nicht mehr zeitgemäss. In Zoos bestehe wenigstens ein Bildungsauftrag. Die Tiere werden in naturnahen Gehegen, in ihrem Lebensraum gezeigt.

Weil Zirkusse die Möglichkeit haben, die Mindestanforderungen zu unterschreiten, will der STS erreichen, dass Grosskatzen in der Schweiz im Zirkus verboten werden. 30 Staaten, davon 16 EU-Staaten, kennen heute ein ganzes oder teilweises Verbot, Wildtiere im Zirkus zu halten.  Der Bottighofer Heinz Lienhard, Präsident des STS, bringt es auf den Punkt: «Die Lebensbedingungen für Grosskatzen auf Tournee sind an der Grenze zur akuten Tierquälerei. Das ist nicht akzeptabel. Ich hoffe, dass Zirkusse in Zukunft darauf verzichten.»

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.