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Grossaufmarsch, aber keine Diskussion

Kreuzlingen – Beim Gewerbelunch am Donnerstag stellten Stadtpräsident Andreas Netzle und Bau-Stadtrat Ernst Zülle das Gesamtprojekt Stadthaus vor.

Mehr als 80 Mitglieder konnte Gewerbevereinspräsident Andreas Haueter im Fischerhaus begrüssen – neuer Rekord. Sie alle erhielten Informationen zum Gesamtprojekt Stadthaus mit Tiefgarage und Gestaltung Festwiese, das am 17. März im Gemeinderat behandelt wird und am 5. Juni zur Volksabstimmung kommt.

Auf Einladung von Gewerbe-Präsident Andreas Haueter referierten Andreas Netzle und Ernst Zülle (v.r.) zum Gesamtprojekt Stadthaus. (Bild: tm)

Auf Einladung von Gewerbe-Präsident Andreas Haueter referierten Andreas Netzle und Ernst Zülle (v.r.) zum Gesamtprojekt Stadthaus. (Bild: tm)

Netzle und Zülle zählten sämtliche Argumente auf, die aus Sicht des Stadtrats für das Stadthaus sprechen. Ob Barrierefreiheit, Zentralisierung der Verwaltung, Verkehrserschliessung oder Einsparungen bei Energie und Betriebsunterhalt – die 32,4 Millionen Franken seien langfristig gut angelegt, «ein effizienter Bau in einfacher Bauweise», so Netzle.

Die Tiefgarage für 11,8 Millionen Franken sei durch die Spezialfinanzierung durch Parkentgelte bereits «so gut wie» finanziert und für weitere 3,3 Millionen Franken gibt’s eine Festwiese dazu, die nach besonderer Präparation auch stärksten Belastungen Stand halten soll, etwa beim Jahrmarkt.

Das Kostendach von insgesamt 47,4 Millionen Franken werde Netzle zufolge «auf jeden Fall eingehalten». Interessant war, dass die Möglichkeit zur Diskussion von den Gewerblern nicht genutzt wurde. So gab es weder Voten für, noch gegen das Projekt. Die Stadthaus-Werbetour geht am Montag, 21. März, weiter. Dann stellt Netzle das Gesamtprojekt um 19 Uhr im ehemaligen Schuhhaus Tiefenbacher erneut der Öffentlichkeit vor.

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3 thoughts on “Grossaufmarsch, aber keine Diskussion

  1. Bruno Neidhart

    Der Name „Kreuzlingen“ geht bekanntlich bis auf die Jahre um 940 zurück. Der Konstanze Bischof Konrad gründete um diese Zeit am Konstanzer Domberg das Kanonikerstift St. Mauritius. Es bekam den Namen „cruzelin“, was auf eine Reliquie zurück zu führen ist („Stückchen Holz vom Kreuz Christi“, bei Arno Borst), die Konrad aus Jerusalem mitbrachte und dem Stift schenkte.

    Um 1100 (ebenso Arno Borst) baute Bischof Gerhard III. ausserhalb der Konstanzer Vorstadt Stadelhofen eine „St. Ulrich und Afra“-Kirche (Sie lag zwischen Bellevue und See). Dort, in einer „Cella“, liess sich alsbald eine Priestergemeinschaft nieder. Ihr wurde schliesslich die Reliquie „cruzelin“ – volkssprachlich „Kreuzlein“ – geschenkt. Der Name „Kreuzlingen“ wird darauf zurück geführt.

    Überspringen wir viele Jahrhunderte die Kreuzlinger Klostergeschichte, das Auf und das Ab, so sind die Bauten des ehemaligen Kreuzlinger Augustinerklosters mit seiner Basilika St. Ulrich geschichtlich noch immer das veritable Zeichen der Stadt, sowohl durch die äussere bauliche Präsenz, als auch durch die innere Wertigkeit über die Jahrhunderte hinweg. Es gibt für Kreuzlingen nichts Vergleichbares, das elementarer noch heute auf die lange geschichtliche Entwicklung der Besiedelung „cruzelin“ hinweist. Es ist dies der „Kreuzlinger Code“ schlechthin!

    Entsprechend folgerichtig schreibt die Stadt in ihrem Internetauftritt: „Das Kloster………..ist mit der Basilika St. Ulrich die bedeutenste Sehenswürdigkeit der Stadt“. Wenn nun vor diese „bedeutensten Sehenswürdigkeit“ der Stadt ein riesiger Baukörper gesetzt wird, ist die Wertigkeit dieser „bedeutensten Sehenswürdigkeit“ markant beeinträchtigt.

    Über diesen Fakt hinaus ist die Feststellung sicher nicht falsch, dass ein „Stadthaus“ dort hin gehört, wo sich Menschen aufhalten und sich begegnen. Sie halten sich auf und begegnen sich im Zentrum! Somit hat ein Stadthaus – wie vergleichsweise schon im Mittelalter – , eine herausragende Bedeutung, die gerade heute wieder (in unserer „wirren“ Zeit) ein „Kristallisationsort der Bürgerlichkeit“ abbilden soll – und es auch kann.

    Dieser „Kristallisationsort Stadthaus“ ist in Kreuzlingen besonders wichtig, da sich heute die Mitte geschäftlich-gewerblich-gesellschaftlich-kulturell mit enormen Schwierigkeiten zu befassen hat. Die „Stadt in Konkurrenz“ sucht sich zu beleben. Mit dem Auszug des Stadthauses aus dieser Mitte wird das Gegenteil eingeläutet. Hier im Zentrum ist geschickt und bürgerattraktiv zu planen!

    Die heute noch freie Fläche vor der „bedeutensten Sehenswürdigkeit“ ist folglich nicht der richtige Ort für einen solitären Stadthausbau. Überdies ist der letzte freie Raum der inneren Stadt besonders zum Aufatmen da. Dieser seit Generationen erstaunlich weitsichtig freigelassene Raum muss – wenn schon – anders überplant werden. Aus einer neu dargestellten Weitsichtigkeit heraus wird dieser schöne, offene Stadtraum ebenso in die Geschichte der Stadt eingehen – für viele Bewohner hat er schon diese Bedeutung! – , wie der benachbarte Klosterkomplex. Wir werden dafür beneidet!

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  2. Spada Mirko

    Sehe ich auch so! Sehr gut geschrieben, Herr Neidhart.
    Das Stadthaus gehört im
    Zentrum und es hat zur Marktstrasse 4 hin noch viel Platz. Das neue Wohngebäude nebenan zeigt, was möglich wäre.
    Kommt hinzu, dass nicht zwingend alle Abteilungen unter einem Dach zusammen gelegt werden müssen. Und welcher Investor würde ca. 2 bis 3 Mio in das jetzige Stadthaus investieren (so schätze ich Plus/Minus die Kauf- und Umnutzungskosten ein)?
    Ein neues Stadthaus ist zwingend nötig. Das streite ich nicht ab. Aber die Lage ist für mich das Killerkriterium geworden.
    6000 Menschen (so viele Personen würden laut Angaben der Stadt den Dienst der Stadt benötigen) pro Monat würden dann weiterhin durch den Boulevard laufen können und müssen! Was am geplanten Ort sicher nicht mehr der Fall wäre (in die Tiefgarage, direkt ins Stadthaus und dann wieder in die Tiefgarage und wieder weg…).

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  3. Adrian Lang

    Eine sehr gelungene, geschichtlich angereicherte Lesermeinung. Ich stimme Herrn Neidhart zu 100% zu und freue mich, dass jemand diese meine Meinung hat und sie argumentativ so ausgewogen kundtut.
    Vielen Dank!

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