/// Rubrik: Leserbriefe

Mit zu grosser Kelle angerichtet

Leserbrief – Das geplante Stadthaus präsentiert sich eindrücklich, ist jedoch zu gross, zu lang und weist meines Erachtens planerische Mängel auf. (Paul Stähli, Dipl. Architekt ETH, Kreuzlingen)

Es ist unbestritten, dass die Stadtverwaltung unnötig verstreut ist und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in z.T. unwürdigen Verhältnissen arbeiten müssen. So ist es heute erfreulich, wie gut die Stadtverwaltung überhaupt funktioniert.

Anlässlich der Ausstellung des Wettbewerbes war ich begeistert vom Resultat. Das Siegerprojekt war jedoch das einzige, das städtebaulich überzeugte. 15 der 20 eingereichten Arbeiten waren unbrauchbar oder bei der Bevölkerung nicht mehrheitsfähig. Das Siegerprojekt wies die üblichen Mängel auf, die einem Wettbewerb anhaften. Bei der grossen Präsentation im Dreispitz wurde dann von planerischem Fortschritt und den besten Lösungen gesprochen. Die interessante Lichterpräsentation auf der Festwiese, die die Gebäudeumrisse anzeigte, erschreckte mich aber sehr. Beim Planstudium stellte ich dann fest, dass gegenüber dem Wettbewerb meines Erachtens eher ein planerischer und gestalterischer Rückschritt erzielt wurde.

(Bild: pixelio)

(Bild: pixelio)

Ich stellte mir einige Fragen: Warum sind die Raumreserven über das ganze Gebäude mit «Leerflächen» verteilt und in den geplanten Büros z.T. doch schon enthalten? Warum wird ein Verkauf der Hauptstrasse 88 angedacht, wo doch genau diese Liegenschaft, zusammen mit dem Sallmann’schen Hause, eine Raumreserve bilden könnte? Warum gibt es so viele Einzelbüros, wo doch heute eine ganz andere – und nicht unbedingt schlechtere – Bürokultur herrscht? Sind in so vielen Büros Besprechungstische nötig, wo für mehrere Büros Besprechungsboxen möglich oder sinnvoll sind, welche gemeinsam kurzzeitig belegt werden können? Warum ist der nördliche Bau teilweise nur eingeschossig, mit einem teuren Rücksprung des einzigen Obergeschosses? Warum stört eine Stützenreihe im Erdgeschoss die Übersicht im breiten, vom Publikum begangenen Korridor? Fazit: Das geplante Stadthaus ist 20 Meter zu lang, Grundrisse und Fassaden überzeugen nicht. Der Gemeinderat wird die Botschaft annehmen, davon kann ausgegangen werden. Jedoch werden zahlreiche Gemeinderäte die Faust im Sack machen und dann im Herbst dagegen stimmen. So war es bei der Schwimmhalle auch.

Der neue Schulpräsident macht es mit dem Egelseebad vor: Nach der verlorenen Abstimmung packt er nun die Planung neu an. Wenn dabei eine vernünftige Lösung gefunden wird, so kann das Bad mit einer Verzögerung von lediglich drei Jahren gebaut werden.

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3 thoughts on “Mit zu grosser Kelle angerichtet

  1. Spada Mirko

    Das sind sehr gute Fragen und ich kann alles nachvollziehen.
    Zusätzlich zu diesen Fragen bin ich der Meinung, dass das Stadthaus im Zentrum gehört.
    Wir brauchen keine Denkmäler, wie früher in der Antike. Beim Schwimmbad mussten wir dies auch erfahren. Das Volk will Bescheidenheit. Ich freue mich auf das neue Projekt Schwimmhalle!

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    1. Bruno Neidhart

      Dieser solitäre, 100 Meter lange Komplex im jetzt noch freien Kreuzlinger Innenstadtraum, zumal vor dem Wahrzeichen der Stadt, ist nun mal ein irreparabler Fehlschuss. Man kann es drehen und wenden wie man möchte. Dieses Vorhaben ist nicht nur „Mit zu grosser Kelle angerichtet“ (Paul Stähli), sondern diese atmende Freiflache der Stadt gehört anders geplant: zum Beispiel als attraktiver, lebendiger Park für die Bevölkerung und Gäste, für Erwachsene und Kinder und Schüler und Studentinnen und Studenten! Und es ist noch Raum genug für einen „integrierten, befestigten Festplatz“.

      Grundsätzlich ist es keineswegs so – wir leben im elektronischen Zeitalter, dass alle Aktivitäten einer Stadtadministration „in einem Haus“ stattzufinden hätten. Ein Trugschluss auch, man könnte mit „Reserveräumen“ für alle Zeiten vorgesorgt haben. Ein treffendes Beispiel ist nur 100 Meter weiter nördlich zu besichtigen, wo bereits heute die junge PHTG (Pädagogische Hochschule Thurgau) einen Erweiterungspavillon hinstellen musste!

      Und was auch die PHTG betrifft, so hatte der Kanton damals bei Bauen vergessen, für eine entsprechende Autoabstellfläche für ihre Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter und Studentinnen/Studenten zu sorgen. Der kleine Parkplatz bei den Gujerbauten der PMS reicht für zwei Institutionen nicht aus. So wartet denn der Kanton wohl darauf, dass Kreuzlingen nahe des PHTG-Bereichs ein Parkhaus erstellt. Dabei ist östlich des Hafenbahnhofs, also ebenso in unmittelbarer Nähe zur PHTG, Raum für eine solche Einrichtung. Wobei hier ein bahnhofsnahes Parkhaus noch anderen Bedürfnissen gerecht werden kann.

      Nochmals Stadthaus: Es wird nun Zeit einen Plan vorzulegen der hinweist, dass dort wo heute das Stadthaus steht, also an der Hauptstrasse, entlang der Marktstrasse hinunter zur Sonnenstrasse sinnvoll ein neues Stadthaus – oder auch nur eine Erweiterung des Bestehenden – erstellt werden kann. Der Bau eines „Parkhauses Stadthaus“ (in einer Stadt stets der Begriff für „Mitte“) ist ebenso möglich. Wichtig ist, dass sich das Stadthaus neu definiert und aktiv und attraktiv zur überaus notwendigen Belebung der Stadtmitte beiträgt. Es ist dies eine urbane Aufgabe im besten Sinn.

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  2. Ruedi Anderegg

    Für einmal bin ich mit Bruno Neidhart einverstanden. An die Marktstrasse gehört das Verwaltungsgebäude. Wozu haben wir sonst den Boulevard ?

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