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Tierschützer prangern Willkür an

Kreuzlingen – Im Hafenareal wurden am Dienstag Tierschützer von der Polizei vertrieben. Sie hatten vor der Kasse des Circus Royal entgegen der Bewilligung der Stadt Flyer verteilt, um gegen Wildtiere wie Löwen im Zirkus zu protestieren. In einer Medienmitteilung prangern die Aktivisten die in ihren Augen willkürliche Behandlung durch Polizei und Behörden an.

Der Circus Royal sieht es nicht gern, wenn Tierschützer neben der Kasse Flyer verteilen. (Bild: sb)

Der Circus Royal sieht es nicht gern, wenn Tierschützer neben der Kasse Flyer verteilen. (Bild: sb)

Die Bewilligung für die Flyeraktion wurde durch die Stadt Kreuzlingen erteilt, bestätigt Kommunikationsbeauftragte Caroline Leuch. Der Stadtrat genehmigte den Tierschützern der Organisation Schweizer Liga gegen Vivisektion (LSCV), auf dem Trottoir von der Unterführung her bis Restaurant Alti Badi und von der Grenze her bis Einfahrt Bodensee-Arena Flyer zu verteilen. Dies jeweils eine Stunde vor den Aufführungen.

Daniel Meili, Sprecher der Kantonspolizei, sagt, ein Protestierer habe gegen diese Auflagen verstossen. Dies wurde vonseiten des Circus Royal bestätigt. Der Mann habe sich unerlaubter Weise direkt neben dem Kassenhäuschen postiert. Mit einem grossen Banner habe er auf «Tierquälerei im Zirkus» aufmerksam gemacht.

«Ich finde das nicht in Ordnung, so etwas öffentlich zu sagen. Jeder Mensch weiss, dass wir keine Tiere quälen. Jeder sieht, dass es ihnen gut geht», sagte ein Mitarbeiter des Circus Royal.

Der Mitarbeiter habe die Polizei gerufen. Man habe sich nicht auf eine Diskussion mit dem Aktivisten einlassen wollen.

Die Polizei habe den Tierschützer aufgefordert, sich an die Auflagen zu halten. Dieser Aufforderung wollte er nicht nachkommen. Darum wurde er auf den Polizeiposten mitgenommen und es wurde eine formelle Wegweisung ausgesprochen, berichtet Daniel Meili. «Ihm wurde darin verboten, sich im Kreuzlinger Hafenareal aufzuhalten.»

Zur zweiten Vorstellung am Dienstag seien drei weitere Personen erschienen, die sich ebenfalls nicht an die Auflagen gehalten hätten und weggewiesen wurden, so Meili.

Medienmitteilung des SLCV
Der Circus Royal wird unter anderem kritisiert, weil er als einziger Schweizer Zirkus derzeit eine Nummer mit sieben Löwen im Programm hat. Die Tierschützer schreiben, in Weinfelden seien sie bedroht und beleidigt worden. Dort fand am 4. März die Premiere der aktuellen Tournee statt. «In Kreuzlingen, der Heimat des Circus Royal, konnte dann die Zirkusführung ganz auf die unrechtmässige Unterstützung der Behörden und Polizei zählen», so eine Medienmitteilung des SLCV. «Mit willkürlichen Verboten und Wegweisungen wurden friedliche und legale Flyeraktionen durch die Polizei, unter Beifall von Oliver Skreinig, verhindert. Jedoch konnte trotz wiederholten Drohungen durch die Polizei keine einzige Anzeige gegen die AktivistInnen erstattet werden, alles war total legal.»

Von der SLCV war bislang niemand persönlich zu erreichen.

Mehr dazu am Freitag in der Printausgabe der Kreuzlinger Zeitung.

 

Die gesamte Medienmitteilung der LSCV:

Der Zirkus Royal unter Druck – Polizei reagiert mit Willkür
Am vergangenen Freitag, 4. März 16 fand die Premiere des Circus Royal in Weinfelden statt, bei welcher zum ersten Mal die fragwürdige Löwenshow des Dompteurs Bruno Gaffo gezeigt wurde. Alle Vorstellungen wurden von Protestaktionen der LSCV begleitet, was bei der Zirkusleitung und deren Angestellten aggressive Reaktionen auslöste.
In Kreuzlingen wendet zudem die Polizei das willkürliche Intrument der Wegweisung an, um friedliche, nicht bewilligungspflichtige Flyeraktionen zu unterbinden.

Als der Circus Royal letzten Herbst ankündigte, dieses Jahr wieder Löwen für die Zirkusvorstellung mitzuführen, löste das heftige Reaktionen aus. Einige wenige traditionelle Zirkusfans freuten sich, die Mehrheit der Bevölkerung war schlicht schockiert ob der Respektlosigkeit gegenüber Tieren. Denn der Bundesrat wie auch die deutsche Bundestierärztekammer sagen schon lange: Eine artgerechte Haltung von sogenannten Wildtieren ist in Wanderzirkussen nicht möglich.

Zwar gibt es gesetzliche Mindestanforderungen für die Haltung von Tieren, welche die gesetzliche Grenze zur Tierquälerei definiert. Für Zirkusbetriebe wurde aber ein Ausnahmegesetz geschaffen und so können die gesetzlichen Mindesflächen der Gehege auf Tournee jederzeit unterschritten werden. Dies ist nichts anderes als legale Tierquälerei.

Des Weiteren zeigte sich in Weinfelden an einem weiteren Beispiel weshalb Löwen nicht in die Schweiz gehören: Aufgrund der kalten Temperaturen verbrachten die Löwendamen praktisch die komplette vorstellungsfreie Zeit unter den Wärmelampen in den Lastwagenanhängern – die viel zu kleinen Aussengehege wurden praktisch nicht benutzt. Die Folge: Ein Leben voller Langeweile, Bewegungslosigkeit, Konsternation, Depression. Von wissenschaftlichen Auswertungen wissen wir aus Deutschland, dass Tieren in Zoos ständig Antidepressiva und andere Drogen verabreicht werden. Dies wird auch im Circus Royal so sein. Leider weigert sich der Circus, wie auch der Zoo Zürich und Zoo Basel, die Bücher bezüglich verabreichter Arzneimittel zu öffnen – sie haben offensichtlich Angst vor der öffentlichen Empörung.

Diese Angst führte auch zu mehreren unangebrachten Reaktionen seitens des Circus Royal. So beschimpfte der Direktor Oliver Skreinig eine Aktivistin als Prostituierte und drohte einem Aktivisten mit Prügel (Videos dazu folgen). Auch andere Zirkusmitarbeiter und Verwantdte der Familie Gasser bedrängten AktivistInnen und auch PolizistInnen mehrmals massiv.

In Kreuzlingen, der Heimat des Circus Royal, konnte dann die Zirkusführung ganz auf die unrechtmässige Unterstützung der Behörden und Polizei zählen. Mit willkürlichen Verboten und Wegweisungen wurden friedliche und legale Flyeraktionen durch die Polizei, unter Beifall von Oliver Skreinig, verhindert. Jedoch konnte trotz wiederholten Drohungen durch die Polizei keine einzige Anzeige gegen die Aktivist_innen erstattet werden, alles war total legal.

Diese Reaktionen zeigen, dass der Circus Royal massiv unter Druck ist und genau weiss, dass die Öffentlichkeit weiterhin in der Märchenwelt des Zirkus gehalten werden muss, ansonsten würde er berechtigte Kritik nicht auf diese Art verhindern lassen.

Die Kampagne »Zirkus: JA – aber ohne Tiere!» wird auf jeden Fall weitergeführt und der Circus Royal von unseren AktivistInnen an alle Vorstellungsorte begleitet.

 

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2 thoughts on “Tierschützer prangern Willkür an

  1. Benjamin Frei, LSCV

    Hat die Stadt Kreuzlingen tatsächlich so Angst davor Kritik an ihrem „Kind“, dem Circus Royal, zuzulassen? Ein sehr zweifelhaftes Demokratieverständnis, welches die Behörden hier an den Tag legen.

    Wir lassen uns davon aber nicht abschrecken – wie sich das die Behörden vielleicht wünschen – sondern sind weiterhin an jedem Spielort an möglichst vielen Vorstellungen vor Ort!
    Bist Du dabei?
    http://www.bit.ly/Mitprotestieren

    Antworten
  2. Tanja B.

    Fortschrittliche Länder haben längst ein Wildtierverbot in Zirkussen. Ich hoffe, die Schweiz wacht endlich auf und zieht nach. (Wild)tiere haben im Zirkus nichts verloren. Zum Glück gibt es innovative, fortschrittliche Zirkusse, wie z.B. Cirque du Soleil, wo die ArtistInnen etwas auf dem Kasten haben und die ohne Tierquälerei grosse Erfolge haben. Circus Royal gehört nicht dazu.

    Antworten

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