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Rätselhafte Steine im See

Kreuzlingen – Der Bodensee birgt noch so manche Geheimnisse, die erst nach und nach mit Hilfe moderner Technik gelüftet werden. Aktuell sind mysteriöse Steinhaufen in der südlichen Flachwasserzone ins Visier der Forscher geraten.

Im September 2015 lancierten die Anrainerstaaten das Projekt «Tiefenschärfe» zur hochauflösenden Vermessung des Bodensees. Im Zuge dessen wurden zwischen Bottighofen und Romanshorn rund 100 Steinhaufen wie an einer Perlenschnur aneinandergereiht entdeckt. Wie am Mittwoch anlässlich einer ersten Präsentation im Seemuseum mitgeteilt wurde, werfen die Formationen zahlreiche Fragen auf.

Forschungstaucher untersuchen einen der Steinhaufen. (Bild: zvg)

Forschungstaucher untersuchen einen der Steinhaufen. (Bild: zvg)

Kantonsarchäologe Hansjörg Brem steht vor einem Rätsel: Woher stammen die Aufschüttungen? Sind sie menschlichen oder natürlichen Ursprungs? Wann sind sie entstanden? Zu welchem Zweck? «Viele Indizien sprechen dafür, dass sie von Menschen errichtet wurden», so Brem und sein deutscher Kollege Martin Wessels, Geologe vom Institut für Seenforsschung Langenargen. Etwa die regelmässige Struktur von ein bis zwei Meter Höhe und die Verwendung von etwa gleichgrossen Geröllsteinen (zehn bis 40 Zentimeter), wie sie am Bodensee reichlich vorkommen.

Die Steinhaufen liegen etwa 200 bis 300 Meter vom Ufer entfernt etwa fünf Meter unter dem Wasserspiegel. Ausser Steinmaterial wurden von Mitgliedern einer privaten Gruppe von Forschungstauchern nur kleine Holzfragmente geborgen, die noch nicht in einen sicheren Zusammenhang mit den Hügeln gesetzt werden konnten und noch nicht datiert sind. Ebenfalls noch nicht geklärt sei das Verhältnis der Steinschüttung zum sicher unveränderten Untergrund, so Brem: «Liegt Seesediment dazwischen oder wachsen die Hügel aus dem vom Gletscher geprägten Untergrund auf?». Radarbilder lassen vermuten, dass die Schüttungen auf  Seesediment aufliegen. Diese Frage ist für Brem wichtig: «Wenn nämlich die Hügel bereits auf Seekreide – die erst im Wasser entsteht – liegen, dann sind die Steine nicht vom Gletscher hierher transportiert worden. Aber von wem dann?»

Um mehr zu erfahren, werden weitere Abklärungen getroffen. Die Flachwasserzone ist jedoch eine ökologisch sensible Region und bald beginnt wieder die Bootssaison – grössere Aktionen seien in den Sommermonaten deshalb nicht sinnvoll. Es eilt aber auch nicht: «Die Hügel sind derzeit in ihrem Bestand nicht gefährdet», so Brem.

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