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Aus vier mach eins, aus alt mach neu

Kreuzlingen – Nächste Woche entscheidet der Gemeinderat über das 47,5-Millionen-Franken-Projekt Stadthaus plus Tiefgarage und Festwiese zuhanden der Volksabstimmung am 5. Juni.

Diese Luftaufnahme zeigt se hr schön die Dimensionen des geplanten Stadthauses. (Bild: Gaccioli)

Diese Luftaufnahme zeigt se hr schön die Dimensionen des geplanten Stadthauses. (Bild: Gaccioli)

«Es handelt sich um eine historische Vorlage und Abstimmung», machte Stadtpräsident Andreas Netzle gleich zu Beginn der Pressekonferenz am Donnerstag klar. Man hoffe auf Annahme. Der Gemeinderat stimmte schon im Dezember 2011 dem Planungskredit und im November 2012 dem Standort Bärenplatz zu. «Mit einem Ja wäre die lange Planung nicht umsonst», erklärte er.

Der Standort, die «geografische Mitte Kreuzlingens», sei sorgfältig ausgewählt und mehrmals evaluiert worden. Netzle erwähnte die «verkehrstechnisch optimale Erschliessung», sprach von Identitätsstiftung und hob die Nähe zu Schulen, PHTG, Dreispitz und auch den Kreuzlinger Einkaufsstrassen hervor. «Auf der Festwiese dürfen nur öffentliche Bauten erstellt werden», erklärte er. Ein Neubau hier biete verschiedene Möglichkeiten, wie man mit den bestehenden vier Verwaltungsgebäuden weiter verfahren könne. «Das ist haushälterischer Umgang mit Bodenressourcen.»

Expertengruppe einstimmig
An der Auswahl des Siegerprojekts Anfang 2015 sei nicht nur die Fachjury beteiligt gewesen, sondern eine breit abgestützte Expertengruppe, erinnerte Stadtrat Ernst Zülle. Einstimmig habe sich die Jury für den langen, flachen, viel Rücksicht auf die Basilika nehmenden Baukörper des Projekts «Schlussstein» der Architekten Niggli und Zbinden entschieden. Nicht nur für die Mitarbeitenden, auch für die monatlich 6000 Kunden der Stadtverwaltung sei der flache Bau von Vorteil.

Das Raumprogramm sei im Anschluss an den Wettbewerb «ausgeklügelt» überarbeitet worden. «Es gibt viele verschiedene Raumbedürfnisse in einer Stadtverwaltung», erklärte der Bau-Stadtrat. Finanzfachleute, Bauplaner, Mitarbeiter vom Sozialamt – sie alle hätten verschiedene Ansprüche, denen damit Rechnung getragen wurde. Zülle wehrte sich auch gegen eine in einem Leserbrief erhobene Forderung nach Grossraumbüros. 16,3 Quadratmeter habe ein Büro im Schnitt. Da seien Reserveflächen miteingerechnet. «Wir planen das Stadthaus für die nächsten hundert Jahre», sagt er. «Sogar ein Erweiterungsbau auf dem Dach ist möglich, um mehr Raum zu gewinnen.»

Parkplätze sind wichtig
Ein grosses Thema bei der Bevölkerung seien die Parkplätze, weiss Stadtrat Thomas Beringer. Er rechnete vor, das mit dem neuen Parkhaus tagsüber insgesamt mehr Parkplätze zur Verfügung stehen als heute. Am Wochenende sind es insgesamt 251 freie Flächen. Insgesamt gebe es heute 900 öffentliche Parkplätze im Zentrum – Venenklinik, Klein-Venedig und P&R am Bahnhof nicht miteingerechnet. «Mit dem neuen Parkleitsystem sollte es immer möglich sein, sein Auto in der Nähe abzustellen», so Beringer. Stadtpräsident Netzle ergänzte: «Das Ziel ist auch nicht, immer mehr Parkplätze zu schaffen. Stattdessen gilt es, auch Öffentlichen Verkehr und Langsamverkehr zu fördern.»

Stadträtin Dorena Raggenbass stellte die Neugestaltung der Festwiese vor, eine «grüne Mitte», die einerseits freie Sicht auf die Kirche zulasse, andererseits viel Platz für Festivitäten und Begegnungen biete – wie bisher: Denn im östlichen Teil sei es weiterhin möglich, schwere Bauten wie das Riesenrad der Jahrmarkts-Chilbi aufzustellen.

Das Kostendach für das gesamte Projekt beträgt 47,5 Millionen. Stadtpräsident Netzle betonte, dass Betriebskosten für das Stadthaus dank Zentralisierung im Unterhalt um 20 Prozent und bei den Energiekosten um rund 50 Prozent kleiner sein werden als heute. Dank einer Spezialfinanzierung von 7,7 Millionen Franken seien es 1,39 Millionen, die es jedes Jahr kostet, um das Stadthaus abzubezahlen (innert 33 Jahren). Die Tiefgarage ist indes schon voll bezahlt. Die jährliche Abschreibung hierfür von 590000 Franken wird einer Spezialfinanzierung entnommen.

Nicht eingerechnet sind die Einnahmen, welche die Stadt erhält, indem sie die bestehenden vier Verwaltungsgebäude entweder verkauft, vermietet, oder im Baurecht abgibt. «Hier ist noch nichts entschieden, aber für die Bauverwaltung und das Haus Sallmann gibt es bereits Interessenten. Sicher ist aber schon, dass das Haus Sallmann in der Hand der Stadt bleiben soll», so Netzle.

Wenn die Volksabstimmung positiv ausfällt, will der Stadtrat ein Entwicklungs- und Nutzungskonzept für die Marktstrasse 4 und 6 und das derzeitige Stadthaus in Auftrag geben

Abstimmungskampf beginnt
Der Stadtrat hat jedenfalls schon mit dem weibeln begonnen (wir berichteten). Im ehemaligen Tiefenbacher am Boulevard ist am 19. März die erste von mehreren öffentlichen Infoveranstaltungen. Vereine und Parteien können hier eigene Termine bekommen. Am 18. Mai organisieren die Quartiervereine eine Podiumsdiskussion.

Stadtpräsident Andreas Netzle schloss die Versammlung mit einem energischen Aufruf an die Bevölkerung: «Wir brauchen das neue Stadthaus. Dies ist ein gutes Projekt und lange vorbereitet. Auch wer mit einigen Details nicht zufrieden ist, sollte Ja sagen. Hier ist ein Grundsatzentscheid nötig.»

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