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«Bei Grundwerten hört der Spass auf»

Gottlieben – Der niedrige Auftragsbestand bleibt das Sorgenkind der Thurgauer Industrie und auch die heimische Exportwirtschaft musste empfindliche Einbussen hinnehmen. Das wurde an der Mitgliederversammlung des Arbeitgeberverbandes deutlich. (Kurt Peter)

Fabian Kapfhamer, Konrad Hummler und Jürg Kocherhans. (Bild: kp)

Fabian Kapfhamer, Konrad Hummler und Jürg Kocherhans. (Bild: kp)

Mit einer für die regionale Wirtschaft positiven Meldung begann Jürg Kocherhans, Präsident des Arbeitgeberverbandes Kreuzlingen und Umgebung (AGV), die Generalversammlung im Waaghaus. « Auch der Ständerat hat dem Auftrag zur Sanierung der Duro-Fahrzeuge durch die Mowag zugestimmt», erklärte er. Damit sei das Geschäft eigentlich unter Dach und Fach, wenn da nicht noch das Damoklesschwert einer Volksinitiative über dem definitiven Auftrag schwebe, sagte Kocherhans am Freitagabend. Sekretär Fabian Kapfhamer zeigte sich anschliessend in seinem Jahresbericht erfreut über die Ablehnung der Durchsetzungsinitiative.

Gedrückte Stimmung
Bekanntlich herrsche ja in der Schweiz eine nahezu uneingeschränkte Meinungsfreiheit, führte er weiter aus. Dieses Recht müsse somit auch gezwungenermassen den Denkvätern dieser Initiative gewährt werden. «Wenn aber diese Denkfreiheit so weit geht, dass man die Grundwerte des modernen Europas in Frage zu stellen versucht, hört der Spass auf», meinte Kapfhamer weiter. Mit diesem Europa meine er nicht die EU, «sondern die 47 Staaten, welche am 4. November 1950 in Rom die europäische Menschenrechtskonvention unterschrieben haben».

Die Stimmung in der Thurgauer Industrie bleibe auch anfangs 2016 gedrückt, scheine aber den Tiefpunkt überschritten zu haben. Sowohl die Produktion als auch der Bestellungseingang hätten in den letzten Monaten erneut nachgelassen. «Der niedrige Auftragsbestand bleibt das Sorgenkind der Thurgauer Industrie», meinte Kapfhamer. Die Exportwirtschaft habe empfindliche Einbussen hinzunehmen, 2015 sei der Wert der aus dem Thurgau exportierten Waren um 12 Prozent eingebrochen.

Schluss mit Raubkopien
Auch der Detailhandel habe sich gegen Ende 2015 nicht wesentlich verbessert. «Nach wie vor wird häufiger eine schlechte als eine gute Geschäftslage gemeldet». Diese Entwicklung habe zu einem steigenden Druck auf den Arbeitsmarkt geführt. Mit 2,7 Prozent liege die Arbeitslosigkeit aber immer noch unter dem Schweizer Schnitt. Nach dem Jahresbericht erläuterte Fabian Kapfhamer auch die Jahresrechnung. Diese schloss mit einem Verlust von 6000 Franken und weise ein Eigenkapital on 283 000 Franken aus.

Im Anschluss an die Generalversammlung referierte Dr. Konrad Hummler zum Thema «Déjà-vu oder neuartige Megatrends?» Das Schlagwort in seinem Referat heisse «Blockchains». Das sei die nächste oder übernächste Entwicklung im Internet. Blockchains sei eine virtuelle Verschlüsselungstechnik, die eine eindeutige Eigentumsbestimmung möglich mache. Die grenzenlose Einsatzfähigkeit machte Hummler an Patenten und an geistigem Eigentum fest. «Damit kann dem Raubkopieren endlich ein Ende bereitet werden», erklärte der Referent an diesen Beispielen.

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