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Multitalent auf dem Rasen und auf der Schulbank

Scherzingen – «Ich sehe mich nicht als aussergewöhnliches Talent», gibt sich die fussballbegeisterte Livia Schneider bescheiden. «Ich habe nur durch viel Arbeit meine Fähigkeiten kontinuierlich verbessert.» So sieht sie Erfolg auch nicht «als Tür, sondern als Treppe». Diese dribbelt sie Schritt für Schritt hinauf. Auf dem Rasen und auf der Schulbank. (Oliver Fried)

Fussball-Ausnahmetalent aus Scherzingen: Livia Schneider. (Bild: zvg)

Fussball-Ausnahmetalent aus Scherzingen: Livia Schneider. (Bild: zvg)

«Mädchen trainieren noch bewusster und konzentrierter als Buben», sagt der Technische Leiter des Thurgauer Fussballverbandes, David Fall. «Und Livia ist eine besonders ambitionierte Spielerin. Sie bringt alles mit, was es braucht, um ganz vorne mit dabei zu sein.» Ihr Ziel? «In der ersten Frauen-Mannschaft eines erfolgreichen Schweizer Vereins spielen», sagt Livia, und David Fall ergänzt: «Im Schweizer Frauenfussball gibt es heute viele Ziele, für die es sich zu arbeiten lohnt. Zum Beispiel mit den FCZ-Frauen in der Champions League zu spielen. Livia arbeitet sehr diszipliniert und kann viel erreichen.»

Spannendes Frauenfussball-Jahr
Der Schweizer Frauenfussball ist im Aufwind. Gerade hat die Frauen-Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg ihren Vertrag bis 2018 verlängert. Unter ihrer Leitung qualifizierte sich das Schweizer Fussball-Nationalteam für die WM-Endrunde 2015 in Kanada – und schaffte es auf der Fifa-Weltrangliste auf Platz 20. Die Ziele für 2016: Die Qualifikationen für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro und für die EM-Endrunde, die 2017 in den Niederlanden ausgetragen wird. «Diese Erfolge und ein immer grösseres Echo in den Medien zeigen Wirkung», weiss David Fall. «Fragte man noch vor einigen Jahren die Schweizer Nachwuchskickerinnen nach ihren Vorbildern, hörte man vor allem amerikanische Namen. Heute werden immer öfter Schweizer Spielerinnen genannt.» Livia Schneider überlegt nicht lange: Eines ihrer grossen Vorbilder ist die international erfolgreiche Schweizerin Lara Dickenmann.

Schritt für Schritt zum Ziel
Wie Lara Dickenmann, entdeckte Livia ihre Leidenschaft früh. Erste Cluberfahrung sammelte sie bei den Piccolos des FC Münsterlingen. 2012 fiel sie den Scouts des Ostschweizer Fussballverbandes (OFV) auf und wechselte im Folgejahr zu den OFV-U13-Mädchen. Der nächste grosse Schritt folgte im Sommer 2015: Livia wurde ins Kader der U13-Knaben des Teams Thurgau aufgenommen und wechselte gleichzeitig von der NET- Sportschule in Kreuzlingen an die Thurgauer Sport-Tagesschule (TST) in Bürglen. Noch im selben Sommer wechselte die junge Kickerin von ihrem Stammverein FC Münsterlingen zu den FC-St.Gallen-Frauen und zur Mädchen-Auswahl des OFV, mit der sie ebenfalls Turniere spielt. Wo sie die Energie dazu hernimmt? «Livia liebt den Fussball genauso wie die Jungs ihn lieben», sagt David Fall. «Mindestens!», fügt er anerkennend an.

Gar nicht scheu: Livia Schneider kämpft um den Ball. (Bild: zvg)

Gar nicht scheu: Livia Schneider kämpft um den Ball. (Bild: zvg)

Gegenseitiges Profitieren
An der Thurgauer Sport-Tagesschule trainieren die Kickerinnen zusammen mit den Jungs. «Das ist ein gegenseitiges Profitieren», erklärt David Fall. «Die Mädchen profitieren vom hohen Tempo, auf dem die Jungs spielen, und die Jungs profitieren von den Qualitäten, die die Mädchen mitbringen.» Was für Qualitäten das sind? «In den gemischten Teams ist der gegenseitige Respekt besonders gross», erklärt David Fall. «Und gerade Mädchen sind oft bemerkenswerte Meisterinnen der Selbstmotivation. Sie definieren ihre Ziele immer wieder neu. Setzen die Latte immer wieder ein Stück höher.» «Erfolg ist eine Treppe, keine Tür!», wirft Livia ein. «Und das nicht nur auf dem Spielfeld.»

Optimal gefördert an der TST
Livia steht kurz vor den Kantiprüfungen. «Auch hier habe ich klare Ziele», sagt sie.
Die junge Kickerin setzt nicht alles auf die Karte Fussball. Sie sagt: «Beim Fussball schaue ich, wie weit ich komme. Für die weitere Zukunft sehe ich mich mehr in Richtung Medizin.» Dazu David Fall: «Livia kann es auf beiden Wegen zu etwas bringen. Sie hat viele Talente.» Das Konzept der Thurgauer Sport-Tagesschule fördert beides und ist flexibel genug, sich den individuellen Bedürfnissen der jungen Talente laufend anzupassen. So ist Livia während der Prüfungs-Vorbereitungszeit zum Beispiel von den Morgentrainings befreit und erhält stattdessen Einzeltrainings zu Zeiten, die besser in ihren Schulplan passen. «So komme ich schulisch und sportlich voran!», schwärmt Livia. Und was sind die Kosten? «Für Schule und Training entstehen den Eltern Kosten von zwischen 1400 und 1800 Franken im Jahr», erklärt Rolf Gmünder, Schulpräsident der Schule Bürglen. Dazu kommen die Kosten für den Mittagstisch und Zugbillette.

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