/// Rubrik: Artikel | Region | Topaktuell

Meilenstein für BTS erreicht

Frauenfeld – 2012 haben die Thurgauer Stimmberechtigten den Grundsatzentscheid für die Realisierung der Bodensee-Thurtalstrasse BTS und der Oberlandstrasse OLS gefällt. Nun liegt das Generelle Projekt für die erste Etappe der BTS (N23) vor. Damit ist ein wichtiger Meilenstein erreicht. Das BTS-Projekt kann dem Bund übergeben werden, sobald der nationale Netzbeschluss in Kraft tritt. Neu sind jetzt auch genauere Kostenschätzungen möglich als mit den Vorstudien von 2012.

Am 23. September 2012 stimmten die Thurgauer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger der Erweiterung des kantonalen Strassennetzes um die BTS von Bonau bis Arbon und die OLS von Oberaach (Amriswil West) bis Bätershausen (Kreuzlingen) zu. Di e BTS als künftige Nationalstrasse N23 soll vom Bund finanziert werden, die OLS als Hauptstrasse liegt in der Verantwortung des Kantons.

Um möglichst gute Voraussetzungen für die Übernahme der BTS durch den Bund zu schaffen, wurde das Projekt nach dem Volks-Ja weiter vorangetrieben. Gestartet wurde die Planung mit einer ersten Etappe der BTS von Arbon West bis Amriswil West/Oberaach, begleitet von den Teilprojekten OLS, Raumentwicklung BTS/OLS und Rückbau Staats- und Gemeindestrassen.

 Regierungsrätin Carmen Haag berichtete als zuständige Chefin des Departements für Bau und Umwelt über den Stand des Generellen Projekts. (Bild: zvg)

Regierungsrätin Carmen Haag berichtete als zuständige Chefin des Departements für Bau und Umwelt über den Stand des Generellen Projekts. (Bild: zvg)

Neue Kostenschätzungen
Nun liegt das sogenannte «Generelle Projekt» für die erste BTS-Etappe vor. Damit ist ein wichtiger Meilenstein erreicht. Um den Anforderungen des Bundes für Nationalstrassen-Projekte zu genügen, waren in den vergangenen drei Jahren zahlreiche Untersuchungen und Vertiefungen notwendig (siehe Kasten). Auf dieser Basis sind mit dem Generellen Projekt auch genauere Kostenschätzungen möglich, als 2012 basierend auf den Vorstudien. Die aktuellen Projektunterlagen weisen für die erste Etappe der BTS Kosten von 800 Millionen Franken aus (Stand Vorstudien 2012: 310 Mio. Fr.). Die baulichen Mehrkosten setzen sich aus verschiedenen Positionen zusammen. Am stärksten ins Gewicht fällt nebst den Nationalstrassen-Standards der sehr anspruchsvolle und komplexe Baugrund im Raum Amriswil Nord bis Oberaach, welcher aufwändige Konstruktionen notwendig macht und in diesem Ausmass nicht bekannt war.

Aufgrund der geotechnischen Schwierigkeiten im Raum Amriswil Nord musste auch die Linienführung lokal optimiert werden. Dazu wurde ein umfangreiches Variantenstudium durchgeführt, u.a. basierend auf Baugrundsondierungen. Dieses zeigte, dass die bisherige Variante durch die geologisch ungünstigste Stelle führt (tiefe Lage der Felskote) und damit im Vergleich zu den anderen Varianten noch aufwändigere Konstruktionen nötig gewesen wären. Um die damit einhergehenden zusätzlichen Risiken beim Bau zu vermeiden und da sich die Auswirkungen der Varianten bzgl. Gesellschaft und Umwelt kaum unterscheiden, wurde eine neue Linienführung als Bestandteil des Generellen Projekts gewählt. Die optimierte Linienführung kostet 115 Millionen Franken weniger, als die ursprüngliche Linienführung gekostet hätte.

Die Erkenntnisse aus dem Generellen Projekt für die erste BTS-Etappe wurden zugleich zum Anlass genommen, bisherige Annahmen zu plausibilisieren und eine Hochrechnung für die gesamte Strecke zu machen. Dies hat ergeben, dass die gesamte BTS Investitionen von rund 1,55 Milliarden Franken auslösen dürfte (Stand Vorstudien 2012: 800 Mio. Fr.).

Weil die BTS mit Inkrafttreten des nationalen Netzbeschlusses dem Bund übergeben wird, wurde die Kostenentwicklung mit dem Bundesamt für Strassen (ASTRA) vorbesprochen. Das ASTRA hat die neuen Zahlen zur Kenntnis genommen. «Das neue Preisschild liegt im Bereich unserer Erfahrungswerte für zweispurige Nationalstrassen», sagt ASTRA-Direktor Jürg Röthlisberger.

Übergabe an Bund nach Inkrafttreten Netzbeschluss
Nach dem jüngsten Entscheid des Ständerats vom 15. März 2016 zum Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrsfonds (NAF) ist davon auszugehen, dass der Netzbeschluss per Anfang 2020 in Kraft treten wird – erst dann kann das Generelle Projekt dem Bund übergeben werden.

Basierend auf dieser neuen Ausgangslage und auf Empfehlung des ASTRA hat der Regierungsrat das DBU beauftragt, bis 2018 ein Generelles Projekt für die ganze BTS auszuarbeiten, also zusätzlich für den Abschnitt Amriswil West bis Bonau. So können die Chancen auf eine rasche Realisierung der BTS durch den Bund weiter erhöht werden. Bis Mitte 2018 ist zudem das Vorprojekt für die OLS samt Finanzierungskonzept vorzulegen. Für die OLS liegt bislang erst die Vorstudie aus dem Jahr 2012 vor, mit der Projektierung wurde noch nicht gestartet.

Information über den Stand der Arbeiten
Die Raumplanungskommission, alle von BTS und OLS tangierten Gemeinden sowie alle interessierten Verbände wurden gestern über den Stand der Arbeiten und das weitere Vorgehen informiert. Zur optimierten Linienführung in Amriswil Nord findet am Dienstag, 3. Mai, um 20 Uhr eine Informationsveranstaltung im Kulturforum in Amriswil statt. Mehr Infos zum Generellen Projekt für die erste BTS-Etappe sowie zum Stand der übrigen Arbeiten gibt es im Werkstattbericht des Tiefbauamts unter www.bts-ols.tg.ch in der Kategorie «Werkstattberichte und Studien».

Das Generelle Projekt
Wird eine Nationalstrasse geplant, so muss sie laut Nationalstrassengesetz in einem «Generellen Projekt» dargestellt werden. Aus den Plänen müssen insbesondere die Linienführung der Strasse, die Anschlussstellen und die Kreuzungsbauwerke ersichtlich sein. Das Generelle Projekt für die erste Etappe der BTS von Arbon West bis Amriswil West/Oberaach liegt nun vor. Wie erforderlich, beinhaltet es ergänzend zu den Plänen einen technischen Bericht, eine Kosten-Nutzen-Analyse, eine Kostenschätzung sowie Untersuchungen zur Umweltverträglichkeit. Ebenfalls Bestandteil des Dossiers sind Angaben zur Geologie, zu den Betriebs- und Sicherheitsausrüstungen und den Tunnellüftungen. Im Sinne eines Zukunftsprojektes hat der Kanton von sich aus zusätzlich ein Raumentwicklungskonzept, ein Gestaltungskonzept und ein Landwirtschaftskonzept erarbeitet. Die BTS und die OLS sind seit Beginn der Arbeiten umfassende Mobilitätsprojekte. Ihre Auswirkungen auf den Raum, die Umwelt und die Bevölkerung werden immer mitberücksichtigt.

Share Button

One thought on “Meilenstein für BTS erreicht

  1. Frischknecht Ernst

    Ein sehr beschönigender Text, der bewusst die horrenden Kosten kleinreden will und tausend Gründe für eine solch skandalöse Verteuerung findet. Fakt ist, dass seit langem bekannt ist, wie problematisch der Baugrund und vor allem die Hochwassergefahr an der Aach ist. Für den ehemaligen Chef DBU Ruprecht wäre die T14 für ( auch illusorische) 60 Mio zu haben gewesen; dann waren es 160 Mio, dann 300 Mio und heute sage und schreibe1550 Mio und im Jahre 2020 ?? Auch der Kanton kommt nicht ungeschoren davon – dazu will das Departement offensichtlich nicht Klartext sprechen.
    Zu einem solchen Projekt hat das Stimmvolk kein Ja gegeben; eine neue Abstimmung ist bei dieser Kostenexplosion ein Muss!
    Alle jene, die behaupten, der Autofahrer werde noch und noch gemolken (Milchkuh-Initiative) lernt bei diesem BTS -Wahnsinn, dass die Milchkuh wacker zulegen muss, um noch auf den Beinen zu stehen – es sei denn, der Staat springe ihr einmal mehr bei und verordne aus allgemeinen Steuermitteln das erforderliche Kraftfutter.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.