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Kultursee und Salenstein liegen im Clinch

Kreuzlingen – Einzelne Mitglieder des Salensteiner Gemeinderats treten «ein unter Gemeindevertretern übliches Anstandsverhalten mit Füssen» – harsche Worte von Kultursee-Präsident Markus Thalmann an der Jahresversammlung des Vereins.

Skulpturen von Widmer. (Bild: zvg)

Skulpturen von Widmer. (Bild: zvg)

Streitpunkt sind die Kosten für den Rücktransport der Skulpturen des Luzerner Künstlers Fritz Widmer. Während die Salensteiner Gemeindeversammlug im Juni 2015 einen Skulpturenweg ablehnte, wollte Kultursee das Projekt andernorts realisieren. Über die Lagerung der Werke wurden sich beide Seiten nicht einig. Schliesslich bezahlte Kultursee die Überführung nach Lenzburg, die der Künstler organisiert hatte.

«Im Sommer hatte Salenstein versprochen, die Transportkosten zu übernehmen», erklärte Markus Thalmann, Präsident des Kulturförderungsvereins. «Wir wollten dem Mann weitere Schmach ersparen und haben 2664 Franken vorgestreckt.» Bis heute sei die Rechnung von der streiterprobten Gemeinde nicht beglichen worden. «Die Verantwortlichen investieren das Geld lieber in einen Anwalt», so Thalmann. Das sei «bitter».

Der Vorstand der Regionalplanungsgruppe Kreuzlingen soll nun ein «klärendes Gespräch» mit Salenstein führen. «Da mangelt es an Umgangsformen», urteilt Markus Thalmamann.
Lorenz Stopper, für Kultur zuständig, und der Salensteiner Gemeindepräsident Roland Nothhelfer waren vor Redaktionsschluss nicht mehr für Rückfragen erreichbar.

68 Projekte unterstützt
Ansonsten verlief die Versammlung ohne Überraschungen. In zehn Sitzungen hat der Verein im vergangenen sechsten Betriebsjahr 72 Gesuche bearbeitet, zwölf weniger als im Rekordjahr 2015. Nur vier erhielten keine Unterstützung. Gesamthaft 87000 Franken investierte der Vorstand auf diese Weise in die Kultur im Bezirk. Im laufenden Jahr sind 38 Gesuche eingegangen.

Kemmental unzufrieden
Unter Verschiedenes äusserte der Kemmentaler Gemeinderat Erwin Odermatt Unzufriedenheit mit den Kriterien, nach denen Kultursee Unterstützungsbeiträge spricht. Die Abendunterhaltung des TV Neuwilen sei bisher leer ausgegangen, obwohl sie das Nachtleben im Kemmental ungemein bereichere.

Eher Avantgarde als AC/DC
Markus Thalmann und Vorstand Martin Stuber verwiesen auf die Statuten. «Landkultur gehört zum wichtigsten, was es gibt», so Stuber. Allerdings würden die Vereine gemeinhin mit ihren Abendunterhaltungen Geld verdienen und benötigten darum Unterstützung nicht. «Die Gemeinden unterstützen ihre Vereine ausserdem direkt», erklärte Stuber.
Kultursee verstehe sich als Institution, die auch weniger publikumsintensive Veranstaltungen fördere, um ein breites Kulturangebot zu bieten. «Ein Grümpi oder die Dorfabendunterhaltung unterstützen wir grundsätzlich nicht», so Thalmann. Allenfalls könne man da eine Defizitgarantie sprechen.     Stefan Böker

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