/// Rubrik: Stadtleben | Topaktuell

Späte Distanzierung

Kreuzlingen – Am Freitagabend sprach der umstrittene Publizist Martin Lohmann im Ulrichshaus. Relativ unverfänglich machte er Werbung für die Ehe und das traditionelle Familienmodell. Eine Distanzierungserklärung der Veranstalter gab’s trotzdem. Sie gilt rückwirkend auch für die Veranstaltung mit Gabriele Kuby.

Abermals durfte Medienschelte nicht fehlen. In einer 15-minütigen Angriffsrede liess sich der Referent zunächst über «sogenannte Journalisten» aus, die ihn «diffamieren», «verleumden» und «diskreditieren» wollten. So weit, so bekannt. Einen Unterschied zwischen den Auftritten der beiden gottesfürchtigen Streithähne gab es dennoch: Veranstalter Martin Beck von «Ring 2000» sah sich nach fortgesetzter Kritik, unter anderem von der evangelischen Kirchenpräsidentin, genötigt, im Vorfeld eine Erklärung abzugeben.

Beide Referenten würden weder die Meinung der Katholischen Kirche, noch die der beiden Kreuzlinger Pfarreien oder der Kirchgemeinde vertreten. Beck gewann dem Medienrummel um Gabriele Kuby auch Positives ab: «Dank ihrem Referat hat es ernsthafte und heftige Diskussionen über Fragen gegeben, die uns alle beschäftigen.» Dass es darauf «unterschiedliche Antworten» gegeben habe, sei verständlich. Solche gebe auch Referent Martin Lohmann, der eine «dezidierte Meinung, die man nicht teilen muss», vertrete, so Beck weiter.

Logo der Bildungsreihe "Ring 2000". (Bild: zvg)

Logo der Bildungsreihe «Ring 2000». (Bild: zvg)

Harmlose Allgemeinplätze
Für das, was einer der mächtigsten deutschen Abtreibungsgegner dann am Vortragsabend kundtat, wäre eine Distanzierung allerdings nicht nötig gewesen. Martin Lohmanns Plädoyer für die heterosexuelle Familie mit traditioneller Rollenverteilung kam ohne direkte herabsetzende Äusserungen gegenüber Andersdenkenden und -lebenden aus – die oben genannte Schmähung eines Medienvertreters ausgenommen. Es gibt natürlich eine Menge Menschen, die eine weniger enge Definition von dem haben, was «natürlich» und «normal» ist, als der fröhliche Rheinländer. Aber auch sie werden wissen, was gemeint ist, wenn von Elternglück die Rede ist und höchstwahrscheinlich unterschreiben, dass Familienrituale wichtig sind.

Familiengründer, das sieht Lohmann durch Umfragen bestätigt, leben «glücklicher» und sind «stabiler». «Treue», «Nachhaltigkeit», «Mut», «Wahrheit», «Freiheit», «Berufung» – seine Lobesrede auf Altbewährtes strotzte nur so vor positiven Formulierungen. Sie gipfelte im von 40 Anwesenden beklatschten Ausruf «Mütter als Mütter! Väter als Väter!», enthielt aber neben banalen Weisheiten auch Irritierendes.

Lohmann bekannte etwa, dass er sich verfolgt fühle, weil er «für Familie ist». «Wer heute über die Mutter etwas Gutes sagt», werde in eine Ecke gestellt. Die Gesellschaft sei «schizophren», die «Familie in der Krise», obwohl die «Mutter-Kind-Bindung» nach wie vor das Beste auf der Welt sei. Leider, so Lohmann, stelle die Politik heute immer weniger das Kindswohl in den Mittelpunkt ihrer Bemühungen. Familie sei «nicht mehr gewollt» und werde gar von einer «Elite» regelrecht bekämpft.

Diese Einschätzung werden dann doch eher wenige Menschen teilen. Aber auch sie können in der Gewissheit ruhig schlafen, dass es «waschechte Demokraten» gibt, die gar nicht anders können, als diese Zustände aufzudecken. So wie Medienprofi Martin Lohmann, der über sich selbst sagt: «Ich kann da nicht aus meiner Haut.»

Das Wort «Abtreibung» wurde übrigens, zumindest im offiziellen Teil, nicht ein einziges Mal erwähnt.

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.