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Thurgauer Wald produziert Trinkwasser

Frauenfeld – Heute ist der internationale Tag des Waldes, am 22. März der internationale Tag des Wassers. Dies mag ein Zufall sein, Wald und Wasser sind aber tatsächlich eng miteinander verknüpft. Dass der Wald für sein Gedeihen auf ausreichend Wasser in Form von Niederschlag angewiesen ist, dürfte jedem klar sein. Gleichzeitig hängt die Menge und die Qualität unseres Grund- resp. Trinkwassers massgeblich von unseren Wäldern ab, denn durch die optimale Speicher- und Filterfunktion produzieren die Schweizer Waldböden gratis Trinkwasser in bester Qualität. (Forstamt Thurgau)

Durch die optimale Speicher- und Filterfunktion produzieren die Schweizer Waldböden Trinkwasser in bester Qualität und ersparen uns so hohe Wasseraufbereitungskosten. (Bild: zvg)

Durch die optimale Speicher- und Filterfunktion produzieren die Schweizer Waldböden Trinkwasser in bester Qualität und ersparen uns so hohe Wasseraufbereitungskosten. (Bild: zvg)

Pro Tag und Einwohner werden im Thurgau durchschnittlich rund 300 Liter Wasser verbraucht. Jährlich werden dafür rund 33 Millionen Kubikmeter Wasser gefördert. Rund 60 Prozent des Thurgauer Trinkwassers sind Quell- oder Grundwasser, 40 Prozent sind Seewasser. Schweizweit stammen von den geförderten über 1000 Millionen Kubikmetern Wasser sogar rund 83 Prozent aus dem Grundwasser, nur 17 Prozent stammen aus Seen. Seewasser muss eine mehrstufige, kostenintensive Aufbereitung durchlaufen, damit es in die Trinkwasserversorgung eingeleitet werden kann. Ein Grossteil des gefassten Quell- und Grundwassers in der Schweiz hingegen ist qualitativ einwandfrei und muss nicht aufbereitet werden. Damit bleiben uns schweizweit jährliche Aufbereitungskoste im Umfang von ca. 80 Millionen Franken erspart. Zu verdanken haben wir dies in erster Linie unseren Wäldern und der schweizweit praktizierten, naturnahen Waldbewirtschaftung.

Aufgrund der hervorragenden Wasserqualität aus dem Waldgebiet und aufgrund des optimalen Schutzes der Wasserfassung vor Schadeinflüssen, haben viele Gemeinden ihre Wasserfassungen im Wald erstellt. (Bild: zvg)

Aufgrund der hervorragenden Wasserqualität aus dem Waldgebiet und aufgrund des optimalen Schutzes der Wasserfassung vor Schadeinflüssen, haben viele Gemeinden ihre Wasserfassungen im Wald erstellt. (Bild: zvg)

Unsere Waldböden generieren bzw. garantierten sauberes Grundwasser
Grundwasser aus Schweizer Wäldern enthält im Vergleich zu Seewasser und auch im Vergleich zu Grundwasser aus landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebieten deutlich weniger Nitrat, Chlorid, Pestizide und andere Schadstoffe. Dies liegt zum einen daran, dass es in Waldgebieten praktisch keinen direkten Eintrag von umweltgefährdenden Stoffen in den Boden gibt. So ist die Bewirtschaftungsintensität im Wald vergleichsweise gering, zudem dürfen in der Schweizer Forstwirtschaft keine Düngemittel eingesetzt werden und Pestizide kommen nur punktuell und örtlich begrenzt für den Holzschutz zum Einsatz. Ausserdem gibt es nur wenige intensiv genutzte Verkehrsachsen und keine Abwasserkanalisationen im Wald. So können kaum schädliche Substanzen in den Wasserkreislauf gelangen. Die Wasserqualität unseres Quell- und Grundwassers aus Waldgebieten ist aber auch deshalb so hervorragend, weil das Wasser dank dem hohen Humusgehalt im Waldboden, der damit verbundenen Vielzahl an Bodenorganismen sowie der intensiven Wurzeltätigkeit der Waldbäume optimal zurückgehalten, gefiltert und gereinigt wird. So machen im belebten Oberboden eines naturnahen Waldes die wasser- und luftgefüllten Poren mehr als 50 Prozent des Volumens aus. Vergleichbar mit einem saugkräftigen Schwamm kann der Waldboden daher pro Quadratmeter bis zu 200 Liter Wasser aufnehmen. Im Waldboden wird das Wasser dadurch deutlich besser zurückgehalten als im Offenland, wo ein Grossteil des Niederschlages schnell abfliesst und die Bäche und Flüsse rasch ansteigen lässt. Durch das dichte Wurzelwerk im Waldboden entsteht ein fein verzweigtes Drainagesystem, über das versickernde Niederschläge langsam in die Tiefe geleitet werden. Der von den Bäumen nicht benötigte Überschuss an Wasser verlagert sich so langsam und stetig ins Grundwasser. Die Waldböden haben damit eine sehr wichtige Wasserspeicherfunktion und tragen massgeblich zur Speisung unserer Grundwasservorkommen bei.

Wasserfassungen im Wald sind optimal geschützt
Aufgrund der natürlichen Vorteile, die der Schweizer Wald als Lieferant von sauberem Trinkwasser bietet, haben viele Gemeinden ihre Wasserfassungen im Wald erstellt, so auch im Thurgau. Abgesehen von einer hervorragenden Grundwasserqualität ist aber auch der bessere Schutz der Wasserfassungen selbst vor Schadeinflüssen ein Grund dafür. Zum Schutz der Trinkwasserfassungen vor Fremdstoffen muss das engere Einzugsgebiet um Quellen und Pumpwerke immer mit Schutzzonen abgesichert werden. Je näher die Fassung, desto strenger sind die Bestimmungen in diesen abgestuften Schutzzonen. Aufgrund der eingeschränkten wirtschaftlichen Aktivitäten ist die Gefahr einer diffusen Belastung bei Quellen und Pumpwerken im Wald deutlich geringer als bei Fassungen im Siedlungsgebiet oder in der Landwirtschaftszone. Insbesondere in den dichtbesiedelten Mittellandkantonen übertrifft die Prozentquote der bewaldeten Schutzzonen den Waldanteil im jeweiligen Gebiet zum Teil markant. Auch dies belegt den hohen Stellenwert unseres Waldes für die Versorgung mit qualitativ einwandfreiem Trinkwasser.

Bild 2 und Bild 3: Aufgrund der hervorragenden Wasserqualität aus dem Waldgebiet und aufgrund des optimalen Schutzes der Wasserfassung vor Schadeinflüssen, haben viele Gemeinden ihre Wasserfassungen im Wald erstellt.

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