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Lehrplan Volksschule Thurgau geht in die Vernehmlassung

Frauenfeld – Der Regierungsrat gibt die Entwürfe des Lehrplans Volksschule Thurgau, der Stundentafeln und des Beurteilungsreglements in die kantonale Vernehmlassung. Bis Ende Juni sind die Bildungsverbände und -institutionen, Wirtschaft, Politik, Landeskirchen und weitere zur Stellungnahme eingeladen. Die Lehrplangrundlagen beinhalten das bisher Bewährte und werden mit punktuellen Ergänzungen auf heutige Bedürfnisse aktualisiert.

Für den Entwurf des Lehrplans Volksschule Thurgau, der unter http://vernehmlassungtg.lehrplan.ch öffentlich einsehbar ist, wurde die interkantonale Lehrplanvorlage 21 spezifisch auf die  thurgauischen Bedürfnisse hin überprüft und dort angepasst, wo es aus Sicht der Thurgauer Volksschule nötig und wichtig war. Die Kompetenzaufbauten aller Fachbereiche und Module wurden unverändert übernommen. Einzig der Lehrplan Französisch 2. Fremdsprache und drei Kompetenzbeschreibungen mussten wegen der Verschiebung des Faches auf die Sekundarstufe I und wegen des Einfügens von Orientierungspunkten im 1. Zyklus angepasst werden. Mit diesen Orientierungspunkten wird festgehalten, dass im Kindergarten wie bisher spielerisch an Themen herangegangen wird und die konkreteren Lernziele erst ab der Primarstufe zu erreichen sind.

Regierungsrätin Monika Knill, Chefin des Departements für Erziehung und Kultur, präsentierte an der Medienkonferenz den Entwurf des Lehrplans Volksschule Thurgau gemeinsam mit Beat Brüllmann, Chef Amt für Volksschule, und der Gesamtprojektleiterin Sandra Bachmann. (Bild: zvg)

Regierungsrätin Monika Knill, Chefin des Departements für Erziehung und Kultur, präsentierte an der Medienkonferenz den Entwurf des Lehrplans Volksschule Thurgau gemeinsam mit Beat Brüllmann, Chef Amt für Volksschule, und der Gesamtprojektleiterin Sandra Bachmann. (Bild: zvg)

Das einleitende Kapitel Sprachen legt fest, dass die Schülerinnen und Schüler ab August 2017 die Deutschschweizer Basisschrift als Ausgangsschrift erlernen. Eine Besonderheit enthält der Lehrplan Volksschule Thurgau im Fachbereich Natur, Mensch, Gesellschaft. Sieben Kompetenzbeschreibungen sind exemplarisch mit dem Thurgauer Wappen versehen, das auf eine Liste mit thurgauspezifischen Lerninhalten verlinkt. Sie dienen der Lehrperson als Anregung, den Schulstoff mit dem eigenen Lebensraum zu verbinden. Der weitere Ausbau dieser Liste ist vorgesehen.

Im Kanton Thurgau geniesst die musikalische Förderung eine grosse Bedeutung. So ist im neuen Lehrplan das Thurgauerlied als zusätzlicher, verbindlicher Inhalt definiert. Das bedeutet, dass künftig jeder Sechstklässler dieses traditionelle Liedgut in der Schule singen wird. Im Schwimmen sind für alle Schülerinnen und Schüler verpflichtende Basisanforderungen am Ende des 2. und 3. Zyklus definiert. Die Erarbeitung dieser Basisanforderungen ist auch den Schulen gut möglich, die nicht regelmässig ein Hallen- oder Freibad nutzen können.

Stundentafeln
Neben den bisherigen Schwerpunkten in den Fachbereichen Sprachen und Mathematik setzt der Lehrplan Volksschule Thurgau in einigen Fachbereichen neue. Für eine gute Umsetzung im Unterricht ist es daher wichtig, dass die Ziele des Lehrplans mit den zur Verfügung stehenden Zeitgefässen übereinstimmen. Mit den neuen Stundentafeln soll weitergeführt werden, was sich bewährt hat. So hält der Kanton Thurgau bewusst am bisherigen hohen Anteil der gestalterischen Fächer in allen Zyklen fest. Gegenüber heute werden die naturwissenschaftlich-technischen Fächer (Natur, Mensch, Gesellschaft) in der ganzen Volksschulzeit gestärkt. Neu erhalten Medien und Informatik ab der 4. Klasse und Berufliche Orientierung in der 8. Klasse ein eigenes Zeitgefäss in der Stundentafel.

Während von der 3. bis zur 6. Klasse die Pflichtlektionenzahl der Schülerinnen und Schüler gleich bleibt, wird sie im 1. Zyklus um zwei und im 3. Zyklus um acht Lektionen erhöht. Letzteres hängt mit dem Umstand zusammen, dass ab dem Schuljahr 2018/19 in der 5. und 6. Klasse kein Französisch mehr unterrichtet wird. Um dieselben Sprachkompetenzen wie bis anhin zu erreichen, müssen die vier Lektionen aus der Primarstufe der Sekundarstufe I zur Verfügung gestellt werden. Dies führt zu einer Erhöhung der Lektionen in Französisch 2. Fremdsprache auf der Sekundarstufe von heute 10 auf künftig 14 Lektionen.

Zudem wird auf der Sekundarstufe I den Fächern Deutsch, Natur, Mensch, Gesellschaft, Berufliche Orientierung und Medien und Informatik ein höherer Stellenwert eingeräumt. Im Fachbereich Wirtschaft, Arbeit, Haushalt stehen neu fünf Lektionen, verteilt auf die drei Sekundarschuljahre, zur Verfügung. Neben ökonomischen Themen erwerben die Schülerinnen und Schüler damit weiterhin Kompetenzen in der Hauswirtschaft und der Nahrungsmittelzubereitung (Kochen). Die Stundentafel der Sekundarschule enthält wie bis anhin ein grosszügiges Wahlpflichtangebot in der 3. Sekundarklasse, das auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Jugendlichen Rücksicht nimmt. Im Weiteren gibt sie Richtwerte an für die Aufteilung der Sammelfächer Natur und Technik in Physik, Chemie und Biologie sowie Räume, Zeiten, Gesellschaften in Geschichte und Geografie.

Die Umsetzung der Stundentafeln der Volksschule erfolgt weitgehend kostenneutral. In allen Zyklen wird der konfessionelle Religionsunterricht von den Landeskirchen erteilt und zusammen mit den Schulträgern organisiert.

Beurteilung
Im Entwurf des neuen Beurteilungsreglements werden die Rahmenbedingungen zur schulischen Beurteilung in der Volksschule des Kantons Thurgau verbindlich festgelegt. Dabei gilt es, an Bewährtem festzuhalten und nur dort Neuerungen einzuführen, wo es in Bezug auf die Kompetenzorientierung angezeigt ist. So werden weiterhin Jahreszeugnisse auf der Primarstufe und Semesterzeugnisse auf der Sekundarstufe I ausgestellt, wird jährlich mindestens ein Standortgespräch mit allen Beteiligten durchgeführt und basiert die Beurteilung auf einer Gesamtbetrachtung bezüglich Individuum, Gruppe und Lernziele. Neu wird geregelt, dass die Ergebnisse standardisierter Tests nicht in die Zeugnisnoten einfliessen dürfen. Sie dienen als Standortbestimmung für Lehrpersonen, Klassen und einzelne Schülerinnen und Schüler.

Seit dem Jahr 2008 ist im Kanton Thurgau ein einheitliches Zeugnis im Einsatz. Es hat sich bei den Schulen, Eltern und anschliessenden Bildungsstufen bewährt, so dass daran nur minime Anpassungen vorgenommen werden. Im 1. Zyklus beurteilt die Lehrperson weiterhin mit einem einfachen Einschätzungsraster und ohne Noten. Ab der 3. Klasse erfolgt die Beurteilung der Lernleistungen wie bisher mit Noten und dem Bogen Lern-, Arbeits- und Sozialverhalten. Die Lehrperson wird auch künftig beispielsweise einschätzen, wie ausdauernd, sorgfältig und selbständig die Schülerinnen und Schüler arbeiten, ob sie sinnvolle Lösungswege entwickeln und den Mitmenschen respektvoll begegnen. Das bisherige digitale Zeugnistool soll so erweitert werden, dass die Lehrpersonen die Möglichkeit erhalten, zusätzlich zu den Noten in Deutsch und Mathematik ein Kompetenzprofil zu erzeugen, das differenziertere Aussagen zu den Lernleistungen  ermöglicht.

Grundlagen sind bereit für Schuljahr 2017/18
Nach der Auswertung der Vernehmlassung und der Überarbeitung der Vernehmlassungsentwürfe wird der Regierungsrat den Lehrplan Volksschule Thurgau und die Stundentafeln voraussichtlich im Herbst 2016 erlassen. Alle Grundlagen – der Lehrplan Volksschule Thurgau, die Stundentafeln und das Beurteilungsreglement – stehen somit rechtzeitig zu Beginn der Umsetzung in den Schulen im Sommer 2017 bereit.

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