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Französisch-Aus mit Folgen

Kreuzlingen – Der Regierungsrat hat die Entwürfe des Lehrplans Volksschule Thurgau in die kantonale Vernehmlassung gegeben. Bis Ende Juni sind die Bildungsverbände und -institutionen, Wirtschaft, Politik, Landeskirchen und weitere zur Stellungnahme eingeladen. Für einen Aufschrei hat bereits gesorgt, dass in der 5. und 6. Klasse kein Französisch mehr unterrichtet werden soll.

Das Thurgauer Kantonsparlament hatte aufgrund einer breit abgestützten Motion 2014 beschlossen, ab dem Schuljahr 2018/19 Französisch in der Primarstufe – das sogenannte «Frühfranzösisch» – abzuschaffen. Daraufhin musste der Regierungsrat, gegen seinen Willen, den neuen Lehrplan entsprechend anpassen.

Thurgauer Primarschüler sollen kein Französisch mehr lernen müssen. (Bild: Archiv)

Thurgauer Primarschüler sollen kein Französisch mehr lernen müssen. (Bild: Archiv)

Änderungen gibt es vor allem beim Stundenplan. Während von der 3. bis zur 6. Klasse die Pflichtlektionenzahl der Schüler gleich bleibt, wird sie im ersten Zyklus um zwei und im dritten Zyklus um acht Lektionen erhöht. Um dieselben Sprachkompetenzen wie bis anhin zu erreichen, müssen die vier Lektionen aus der Primarstufe der Sekundarstufe I zur Verfügung gestellt werden. Dies führt zu einer Erhöhung der Lektionen in Französisch als zweite Fremdsprache auf der Sekundarstufe von heute zehn auf künftig 14 Lektionen.

Die Motionäre von 2014, allen voran Nationalrätin Verena Herzog (SVP), argumentierten mit überforderten Schülern auf der Primarstufe und damit, dass Englisch die weit wichtigere, weil international verbreitetere, Fremdsprache sei. Kritiker beispielsweise von der SP, sprachen von einem «Affront gegen die Romandie» und einem Zerfall des nationalen Zusammenhaltes. Gegen den Lehrplan insgesamt wurde eine Volksinitiative lanciert. Der Abstimmungstermin steht noch nicht fest.

Gewohnter Gang an den Schulen
Derweil geht an den Schulen alles seinen gewohnten Gang. Der Kreuzlinger Schulpräsident René Zweifel will erst einmal abwarten, was die bevorstehenden Voten und Abstimmungen bringen. Klar ist, dass die Einführung des neuen Lehrplans organisatorische und personelle Konsequenzen mit sich bringt: «Wir hätten deutlich mehr Lektionen Französisch in der Oberstufe, zulasten welcher Fächer?» Da einige Lehrpersonen in der Primarstufe für Französisch ausgebildet sind sei zudem fraglich, welche anderen Fächer sie allenfalls übernehmen könnten.

Die Lehrerausbildung sei davon nicht tangiert, teilt Hans Amrhein,  Leiter Studiengang Primarstufe an der PH Thurgau, auf Anfrage mit: «Für uns ändert sich nichts, da wir ein schweizweit gültiges Diplom ausstellen.» Absolventen könnten in der ganzen Schweiz als Lehrer arbeiten. Ob sich die geplanten Änderungen im Lehrplan auf die Wahl der Fremdsprachen auswirke, werde sich zeigen. Bisher wählen 70 Prozent Englisch, 20 Prozent Französisch und 15 Prozent beides und machen ein Zusatzdiplom für die zweite Fremdsprache.

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One thought on “Französisch-Aus mit Folgen

  1. Bruno Neidhart

    Frau Herzog (SVP) vergrössert den Röstigraben. Es tut jedem Schüler gut – auch den Schwächeren – , mal über den Kantönligeist hinaus einer anderen Kultur und Sprache der Schweiz zu begegnen. Es kommt auf die Form an, wie Französisch und die entsprechende Kultur vermittelt wird. Dann entsteht auch keine Überforderung. Hingegen ist Frau Herzog, wie es scheint, in ihrem gesamteidgenössischen Denken überfordert!

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