/// Rubrik: Kultur | Topaktuell

Bunte Schwarz-Weiss-Vorführung

Kreuzlingen – Das Wanderkino war zu Gast im Theater an der Grenze. Mit dabei im Gepäck: eine Zelluloidrolle mit dem Stummfilmklassiker «Nosferatu», Akkordeon und Perkussionsinstrumente und eine schaurige Portion Grusel.

Der Projektor rattert, das Klavier klimpert und das schaurige Schauspiel nimmt seinen Lauf. (Bild: ek)

Der Projektor rattert, das Klavier klimpert und das schaurige Schauspiel nimmt seinen Lauf. (Bild: ek)

Steif dreht sich Graf Orlok zu seinem Gast Jonathan Harker aus Bremen um. Ein Knarzen ertönt. Der Jüngling ist zu Gast auf der Burg des Adligen in Transsylvanien, um einen Kaufvertrag für ein Haus zu unterschreiben. Ein Kritzeln ertönt. Doch als Harker sich am Brotmesser schneidet, kommt die wahre Natur des Grafen zum Vorschein und mit ihr zwei Bisswunden am Halse Harkers. Theatralischer Schlussakkord.

Kino ohne Ton, das ist so spannend wie ein Grab ohne Leiche. Gerade bei Horrorstreifen wird dieses filmische Gestaltungsmittel nur zu gerne eingesetzt. Bei Hitchcocks «Psycho» werden die Messerstiche mit beissenden Geigen symbolisiert. Und obwohl der Betrachter weiss, dass unter dem Bett ein Monster lauert, gibt ein plötzlicher Toneffekt dennoch die Initialzündung, sich zu erschrecken.

So auch bei der Vorstellung des Wanderkinos. Klar ist der Nosferatu mit seinem stieren Blick und langen Fingernägeln beängstigend. Richtig gruselig wird es jedoch erst, wenn sein Schatten von einem Klangbild begleitet wird. Für dieses sorgte Claudia Lindt mit ihrem gespenstischen Gesang und Percussioninstrumenten. Caspar Fries umrahmte das Geschehen mit Klavier und Akkordeon.

Als Zuschauer vergisst man zeitweise, dass die Effekte und Musik nicht aus einem Lautsprecher kommen. Ein Qualitätszeichen für die beiden Musiker, welche das Geschehen auf der Leinwand ständig im Blick haben müssen. Jede Stufe wird im Gleichschritt von Lindt begleitet. Betritt der Protagonist eine Gaststätte in den Karpaten, ertönt osteuropäische Musik. Ein wenig enttäuschend war, dass das Pferdegetrappel mit Klanghölzern und nicht mit Kokosnussschalen erzeugt wird.

Das schaurige Schauspiel nimmt währenddessen seinen Lauf, mit dem Vampir kommt auch die Pest nach Bremen. Harkers Ehefrau opfert sich schlussendlich, verbringt eine Nacht mit dem Nosferatu und hält in bis zum Morgengrauen ausser Haus. Im Sonnenlicht verpufft der einst mächtige Graf und auch das Theater an der Grenze füllte sich zum Abspann mit Rauch.

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