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Radfahren als performativer Akt

Kreuzlingen – Der Künstler David Bonvin zeigte im Kunstraum mit «Sans Premier Titre» eine 45-minütige Performance zweier Radfahrer. Auch an diesem Wochenende dreht sich wieder alles um Performance Kunst, am Freitag ab 19 Uhr, am Samstag, ab 16.30 Uhr. Am Sonntag ist Finissage um 11 Uhr.

Velos im Kunstraum. (Bild: zvg)

Velos im Kunstraum. (Bild: zvg)

Der Künstler David Bonvin (Sion VS) interessiert sich für Gesten des Körpers, der Bewegung, der Begegnung. Bestimmend für seine Performance-Arbeit ist, dass er die Handlung, den Körperausdruck an verschiedene Akteure im Raum delegiert. An Sportler, an Schauspieler, an Menschen wie Du und ich. Die neue long duration-performance von David Bonvin  erlebte ihre Uraufführung am Samstag (23. April) im Kunstraum Kreuzlingen in der Ausstellung «Performance schreiben».  Zwei Radfahrer aus Frauenfeld, Yannik Herren und Vasco Scarabella, fuhren 45 Minuten lang auf Trainingsrollen an Ort und Stelle, einander gegenüber platziert, sozusagen Auge in Auge. Konzentriert, stetig, ungefähr immer im gleichen Rhythmus. Die Räder auf den Rollen erzeugten ein stetiges Brummen, das nur vom Schleifen entlang der Ränder unterbrochen wurde, wenn die Fahrer auf ihren Rädern dem Rand der Trainingsrolle zu nahe kamen. Radfahren als performative Kunst.

Für David Bonvin ist der konzeptuelle Moment der Performance immer auch mit dem existentiellen Moment der Ausführung verbunden. Ohne grosse Inszenierung, reduziert auf das Wesentliche muss die performative Handlung aufgrund der konzentrierten repetierten Bewegung funktionieren.

Herr Bonvin,Was interessiert Sie an dieser Aktion?
David Bonvin: Im Moment beschäftige ich mich sehr mit dem Akt der Performance. Also mit ihrer Zeit, Dauer, mit der Transformation durch Bewegung im Raum. Mit dem zentralen Element der Performance.

Wie setzen Sie dies um?
Ich will den Akt so möglichst einfach und konzentriert zeigen. Also eigentlich: was die beiden Radfahrer machen, nämlich pedalen. Wie oft in meiner Performance-Arbeit stelle ich einen stetigen kontinuierlichen Fluss von Bewegung ins Zentrum der Aktion. Das ist mit den beiden Radfahren ist ideal. Sie pedalen an Ort und Stelle. Ein absurder Akt: das Velo, das an Ort und Stelle dreht.

Also im Sinne von Samuel Beckett, der in seinen Stücken diese Art von szenischer Handlung eingeführt hat? Das Warten, das Sprechen um des Sprechens willen?
Für mich ist dieses Radfahren an Ort und Stelle eigentlich ein philosophischer Akt im existentiellen Sinn. Fahrer zeigen nichts anderes als Radfahren. Ich sehe in dieser auf sich selbst konzentrierten Handlung das Wesen eines künstlerischen Akts. Gerahmt durch die Ausstellungssituation im Kunstraum wird sofort klar, dass es sich dabei um Kunst handeln muss. Es ist nicht mehr Sport, also ein Radfahren im Sinne der Tour de France oder eine Hobby-Fahrt oder ein Training.

Es ist Radfahren, ohne dass man vorwärts kommt …
Genau. Dieses Bild steht im Zentrum meiner Performance. Es stellt sich die Frage, warum man eigentlich etwas macht. Deshalb wird diese Aktion isoliert im Raum gezeigt. Das kommt dem künstlerischen Tun sehr nahe.

Weitere Anlässe im Kuntsraum Kreuzlingen im Rahmen der Ausstellung «Performance schreiben» sind am Freitag, 29. April, 19 Uhr («Essen, schauen, reden»), am Samstag, 30. Aril, 16.30 Uhr (Performance mit Dorothea Rust) und am Sonntag, 1. Mai, 11 Uhr (Finissage mit Musik-Performance von T. Meier).

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