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See-Burgtheater mischt sich ein

Kreuzlingen – Regisseur Leopold Huber versteht die diesjährige Inszenierung des See-Burgtheaters als Aufruf zur Toleranz und Kommentar zum aktuellen Geschehen. Der Travestie-Klassiker «Ein Käfig voller Narren» geniesst in der Schwulenbewegung Kult-Status und wird im schillernden Spiegelzelt aufgeführt.

Das Seeburgtheater reagiert damit auf Äusserungen des Churer Bischofs Vitus Huonder. Dieser hatte im Sommer des vergangenen Jahres eine Stelle aus dem Alten Testament zitiert, wonach Beischlaf unter Männern mit dem Tode bestraft gehöre. «Da wurde mir klar: Freie Sexualität ist nicht selbstverständlich», erklärt Regisseur Leopold Huber. Huonders Aussage, aber auch das, was Putin von sich gebe, grenze für ihn an Volksverhetzung. «Was passiert, wenn solche Gedanken wieder salonfähig werden, haben wir in Deutschland vor 75 Jahren gesehen», erinnert der kritische Theatermann.

Bühnenbildner Klaus Hellenstein, Schauspielerin Astrid Keller und Regisseur Leopold Huber mit einem Modell des Spiegelzelts. (Bild: sb)

Bühnenbildner Klaus Hellenstein, Schauspielerin Astrid Keller und Regisseur Leopold Huber mit einem Modell des Spiegelzelts. (Bild: sb)

Lachtränen statt rote Ohren
Die queere Komödie, ein Spiel mit Geschlechterrollen, inszeniert er  deswegen als farbenfrohes Spektakel inklusive aufgestrapsten Männerbeinen. Inhaltlich geht es um zwei schwule Nachtclubbetreiber, die sich ihrem Sohn und seinen konservativ-prüden Schwiegereltern zuliebe verstellen. Allerlei Pannen und komische Situationen sind garantiert …
Regisseur Huber will zeigen: «Es gibt keinen Unterschied im Zusammenleben eines homosexuellen oder heterosexuellen Paares. Auch hat sich die Gesellschaft gegenüber den verschiedenen Varianten des Zusammenlebens geöffnet. Homosexualität ist in unseren Breitengraden kein Stein des Anstosses mehr.»

Mit an Bord ist auch Hubers Ehefrau, die Schauspielerin Astrid Keller, sowie deren gemeinsame Tochter Maria Lisa Huber.

Gespielt wird in einem belgischen Spiegelzelt. Es sollte den Kreuzlingerinnen und Kreuzlingern noch vom Zeltfestival in guter Erinnerung sein und kostet das See-Burgtheater gemäss Huber 40’000 Franken. Im Anschluss kann es von Hubers Sohn Valentin und den Initianten des Festivals «kultling» am Fantastical genutzt werden.

Bühnenbildner Klaus Hellenstein ist in die Ausstattung im Jugendstil und die Glitzer-Möglichkeiten ganz verliebt: «Wir schaffen eine dem Stück gerechte intime Atmosphäre. Für Shownummern bauen wir einen Steg, der in die Tribüne ragt.» Hellenstein lebt selbst mit einem Mann zusammen und gibt zu bedenken, dass die «überkandidelte» Vorlage schwule Lebenswirklichkeit nicht authentisch abbildet. «Das sind Klischees. Wir laufen zuhause nicht in  Federboas und Pailletten, Netzstrümpfen und Korsagen herum.» Deswegen sei er dem Projekt zunächst kritisch gegenüber gestanden, habe sich aber von Huber überzeugen lassen. Der Opulenz setzt er im Bühnebild klare Linien, Lichtkästen und eine raffinierte Lichtshow entgegen.

Die musikalische Leitung übernimmt Volker Zöbelin. Seine sechsköpfige Band begleitet die Schauspieler live und schmettert den ein oder anderen Hit, etwa den in der Szene zum Standard gehörenden Gassenhauer von Gloria Gaynor «I Am What I Am».

Premiere ist am 14. Juli um 20 Uhr. Bis zum 11. August sind 20 weitere Aufführungen zu sehen. Interessierte können ab sofort unter info@see-burgtheater.ch Karten bestellen.

www.see-burgtheater.ch

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