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Stadttheater: Aktuell und politisch

Konstanz – Das Stadttheater Konstanz gibt der neuen Spielzeit erneut keinen Namen. Man bleibt dennoch aktuell und politisch, will die eigene Situation im Kontext der Stücke erschaffen.

Tür auf zur Spielzeit 2016/17: Intendant Nix (u.) und sein Team. (Bild: sb)

Tür auf zur Spielzeit 2016/17: Intendant Nix (u.) und sein Team. (Bild: sb)

Mit 21 Produktionen kommt die neue Spielzeit 2016/17 im Stadttheater Konstanz etwas abgespeckt daher: sechs Angebote weniger als im Vorjahr stehen im Programm. Ein Motto gaben sich die Theatermacher nicht. «Nicht weil uns nichts einfiel», erklärte Oberspielleiterin Johanna Wehner anlässlich der Vorstellung in der Konzertmuschel des Stadtgartens. «Sondern weil sich die Themen sowieso herauskristallisieren. Wir stellen etwa die Frage nach dem ‹wir›. Wer bestimmt, wer dazu gehört?» Auch am idyllischen Bodensee will das Theater schauen, was unter der Oberfläche schlummert.

Gegen die Obrigkeit
Als Zuschauermagnet dürfte sich die Inszenierung von «Wilhelm Tell» auf dem Münsterplatz erweisen. «Damit die Schweizer nicht nur zum Einkaufen nach Konstanz kommen», erklärte Intendant Christoph Nix. Und schob, wohl mit Blick auf den ständigen Clinch, in dem er mit der Konstanzer Stadtspitze liegt, hinterher: «Das Selbstbestimmungsrecht des Volkes ist hochaktuelles Thema.» Zuletzt hatte der streitbare Hesse im Zuge der jüngsten Bürgerproteste gegen die Schliessung des Scala-Kinos Zähne gezeigt.

Auf der Bühne soll sich die Auseinandersetzung mit aktuellen Geschehnissen weiterziehen. Wahlergebnisse, Auswirkungen der Flüchtlingsbewegungen, Rechtspopulismus, die bürgerliche Wohlstandsgesellschaft und unsere Ängste und Vorteile werden unter anderem thematisiert.
Im Stadttheater gibt «Onkel Wanja» den Auftakt am 7. Oktober. Weitere Premieren dort sind Brechts «Der gute Mensch von Sezuan» (24. März 2017), «I Am Glad I Found You» nach Navid Kermanis Roman «Das Buch der von Neil Young Getöteten» (28. Oktober), «Die Rassen» von Ferdinand Bruckner, «Alla Fine Del Mare» nach Motiven von Federico Fellini (19. Mai 2017) oder «Terror» des bekannten deutschen Krimi-Autors Ferdinand von Schirach. Intendant Christoph Nix nimmt dazu am 6. Mai 2017 das Zepter selbst in die Hand.

Verfolgter Autor
Aber auch mit dem Stoff, aus dem Helden sind, beschäftigt sich die kommende Spielzeit. Pop-Kultur kommt nicht zu kurz: Bei «Superhero», Premiere am 10. Dezember, sorgt die Indie-Pop Band «Redensart» für die Musik. Zum Mafia-Knüller «Gomorrha» ist der unter Polizeischutz lebende Autor Roberto Saviano nach Konstanz eingeladen.

«Ich hinterfrage mich immer wieder, ob wir wirkungsvolles Theater machen», bekennt Intendant Nix. Mit einem Zitat von Helmut Qualtinger dem österreichischen Schauspieler und Schriftsteller, gibt er sich selbst eine Antwort: «Na ja, vielleicht helf’ ich den Leuten ein bisschen aus ihrer Angst heraus.» Für Qualtinger ist dies das Wesentliche des Theaters, seine Existenzberechtigung.

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