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Den Obstgarten erhalten

Kreuzlingen – Die Stadt hat es sich zum Ziel gemacht, Kreuzlingens historischen Charakter städtebaulich beizubehalten. Mit einem Studienauftrag zur Gestaltung des Dorfkerns Kurzickenbach wurde ein weiterer Baustein dafür gelegt. Der Wettbewerb war kein einfaches Unterfangen, laufen doch parallel dazu Projekte wie die Sanierung der Romanshornerstrasse oder des Chogenbaches ab. Ein Projekt stach beim Wettbewerb besonders heraus.

Eine Zukunftsvison des Dorfkerns Kurzrickenbach. (Bild: zvg)

Eine Zukunftsvison des Dorfkerns Kurzrickenbach. (Bild: zvg)

Im Zonenplan ist der Kern der ehemaligen Gemeinde Kurzrickenbach mit einer Gestaltungsplanpflicht versehen. Damit dort gebaut werden kann, muss also zunächst ein Gestaltungsplan erarbeitet werden. Die strukturelle Grundlage dafür wurde nun mit einem Studienauftrag geliefert. «Bei dem Studienauftrag war uns erstmals die Gesamtschau wichtig. Danach können wir entscheiden, wie viele Gestaltungspläne es schlussendlich gibt», erklärt Ernst Zülle, Stadtrat Departement Bau.

Für den Wettbewerb, bei dem vier Architekturbüros teilnahmen, gab es einige Kriterien zu berücksichtigen: Entstehen sollte eine Bebauungs-, Erschliessungs und Freiraumstudie, welche die gewachsenen Strukturen des Dorfkerns mit eingliedert und dessen Identität bewahrt. Hinzu kommt die geplante Umgestaltung der Romanshornerstrasse samt 30er Zone, über welche das Kreuzlinger Stimmvolk noch abzustimmen hat. Und der ausgedohlte Chogenbach samt Hochwasserschutz sollte auch noch integriert werden.

Breite Abstützung

Kurzrickenbach im Überblick: Ernst Zülle (v.l.), Stadtrat Departement Bau, Ueli Laederach, Vorsitzender des Beurteilungsgremiums und Katja Bissegger, Sachbearbeiterin Stadtplanung. (Bild: ek)

Kurzrickenbach im Überblick: Ernst Zülle (v.l.), Stadtrat Departement Bau, Ueli Laederach, Vorsitzender des Beurteilungsgremiums und Katja Bissegger, Sachbearbeiterin Stadtplanung. (Bild: ek)

Den besten Überblick bewies das Architekturbüro Ryf Scherrer Ruckstuhl aus Kreuzlingen. Einstimmig wurde es vom Beurteilungsgremium, bestehend aus Vertretern der Stadtbildkommission, Architekten, vielen Grundeigentümern und der Denkmalpflege, angenommen. «Ein gutes Zeichen», sagt Ueli Laederach, Vorsitzender des Beurteilungsgremiums.

Dazu beigetragen hat auch die detaillierte Vorarbeit seitens der Stadt. Die Bedürfnisse aller Grundeigentümer wurden erfasst, denkmalpflegerische Vorgaben sowie technische Details zum Chogenbach mit einbezogen. «Das ist nicht immer der Fall», weiss der Architekt und ehemalige Stadtplaner von Bern. Durch die vielen Kriterien war einerseits der Planungsspielraum und die Ideenvielfalt der Architekten eingeschränkt, andererseits wurde das Projekt dadurch auf Realisierbarkeit getrimmt.

Das Siegerprojekt überzeugte vor allem durch die feinfühlige Integration von Neubauten im bestehenden Dorfkern. «Das Thema des Obstgartens mit viel Bäumen in den Häuserzwischenräumen wird darin weitergeführt», so Laederach. Besonders überzeugt hat die Idee des Generationenhauses mitten am Dorfplatz. «Ein Neubau mit solch flexibler Nutzung ist schlicht genial», zeigt sich der Architekt begeistert.

Wo Neues entsteht, muss Altes weichen. Für das Generationenhaus müsste das Gebäude an der Bleichestrasse 4 abgerissen werden. «Wir waren erstaunt, wie viel Wohlwollen die Anwohner unseren Plänen entgegenbrachten», zeigt sich Zülle erfreut, welcher selbst im Quartier wohnt. «Das ist nicht immer der Fall, wenn am eigenen Eigentum gekratzt wird», ist auch Laederach über die Begeisterung der Grundstückbesitzer überrascht. Seiner Ansicht nach können die Gestaltungspläne nun auf gutem Boden realisiert werden. «Alle sind zufrieden», rekapituliert er.

Langer Weg bis zur Baureife
Nun geht es daran, die Studie noch punktuell zu überarbeiten. So ist der angedachte Verlauf des offenen Chogenbachs an der Post entlang nicht praktikabel. Und die Denkmalpflege muss für das geplante Generationenhaus mit ins Boot geholt werden.

2017 soll dann der Gestaltungsplan stehen und 2018 dem Stadtrat und Volk vorgelegt werden. Die ersten Baugesuche könnten dann 2019 bearbeitet werden. «Falls alles optimal läuft, kann die Baureife auch schon ein Jahr früher erreicht werden», ist Zülle zuversichtlich.

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2 thoughts on “Den Obstgarten erhalten

  1. Ernst Zülle, SR

    Kleine Korrektur am Schluss… Gestaltungspläne kommen nur bei einem allfälligen Reverendum vors Volk. Diese werden vom Stadtrat erlassen und vom Kanton DBU genehmigt.

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