/// Rubrik: Leserbriefe

Keine Bausünde

Leserbrief – Zum Artikel «Kaum Neues über Stadtplanung» in der Printausgabe vom 29. April. (Hermann Merz, Kreuzlingen)

(Bild: pixelio)

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Nach Durchlesen des Artikels «Kaum Neues über Stadtplanung» hat sich bei mir eine Unzufriedenheit breit gemacht. Insbesondere resultiert meine Unzufriedenheit aus den Äusserungen des an dem Informationsabend teilgenommenen Leiters der Bauverwaltung Herr Heinz Theus und des Bau-Stadtrates Herr Ernst Zülle. Es wird relativ klar, wenn nicht sogar selbstherrlich dargestellt (Rezitat: «Wir wollen…»), was den beiden Herren beliebt. Sicherlich, diese Aussage berief sich auf zukünftige Hochbauprojekte. Aber, es darf doch wohl nicht sein, dass allein diese beiden Herren entscheiden dürfen, was zumindest dem «Kreuzlinger» gefällt oder nicht.

In diesem Zusammenhang bezeichnen sie das Hochhaus «Freiegg-Doldenhof» sogar als eine Bausünde! Dieses Bauvorhaben wurde in den 70-er Jahren durch das Architekturbüro Georg Felber geplant und auch ausgeführt. Eine Baute, die damals als zukunftsweisend und modern von der Allgemeinheit getragen wurde und sogar als Pioniertat galt. Geplant waren sogar Zwillingstürme, wobei der zweite Turm einige Stockwerke tiefer hätte sein sollen. Die damals jedoch auf diesem Baugrundstück aufgefundenen Überreste der Antike verhinderten die Erstellung des kleineren Hochhauses. Aber, als ehemaliger Mitarbeiter dieses Architekturbüros und somit auch Beteiligter an den Planungsarbeiten empfinde ich das Wort «Bausünde» sozusagen als eine Beleidigung. Denn ich bin stolz auf dieses Wahrzeichen in Kreuzlingen.

Wie wäre denn, nur um ein Beispiel zu nennen, der Betonplatz im Hafenareal zu bezeichnen? Ein Ort, der nicht nur von den Kreuzlingern sondern auch von vielen anderen Gästen aus dem In- und Ausland besucht wird. Oder betrachtet man die beiden Hochhäuser am Ufer des Bodensees in Bottighofen (auch aus dem Hause Felber) etwa auch als Bausünde? Ich bin jedenfalls froh, dass mein ehemaliger Lehrmeister, Georg Felber, diesen Artikel nicht mehr erleben musste.

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5 thoughts on “Keine Bausünde

  1. Bruno Neidhart

    Das Kreuzlinger „Wahrzeichen“ ist einzig die Klosterbasilika, die elementar mit der tiefen Kreuzlinger Geschichte verbunden ist! Es soll so bleiben – ohne vorgesetztes Stadthaus! Hier könnte eines Tages tatsächlich von „Bausünde“ gesprochen werden.

    Felbers dunkler „Freiegg-Doldenhof-Wohnturm“ auf der Gletschermoräne ist hingegen, da er nun mal vorhanden ist, ungewollt zu einem profanen Kreuzlinger „Landzeichen“ geworden. Um diesen Bau aufzuwerten, ihn nicht als vermeintliche „Bausünde“ bezeichnen zu müssen, und Kreuzlingen endlich ein echtes „Highlight“ – neuschwizeritütsch! – im Bodenseeraum zu verpassen, wäre ein aufgesetztes, gläsernes Turmrestaurant mit Aussichtsplattform Spitze, die Aussicht in den umgebenden Seeraum entsprechend fantastisch: zum Obersee, zum Untersee, in die Berge, über die Neustadt Kreuzlingen, über die Altstadt Konstanz, in die umgebende Landschaft. Zugang: durch einen gläsernen Aufzug, erschlossen von von der Freiestrasse her. Ach wäre es schade, hätte man keine Visionen!

    „Betonplatz im Hafenareal“: Kann man tatsächlich als diskussionswürdig empfinden. Grundsätzlich ist die grosszügige Freiheit kein abweisender Gedanke, das darauf ausufernde Restaurantmobiliar, das diesen Gedanken geradezu konterkariert, schon eher! Und zum Wasser hin ist die Wollschweininsel durch die Einengung der See-Blickachse ungewollt zum Gegenstück zur Betonplatz-Grosszügigkeit geworden, auch wenn grundsätzlich an der „biotopischen Sinnhaftigkeit“ solcher „Zurück-zur-Natur-Bestrebungen“ nicht viel auszusetzen ist. Es sollte nur die beste Örtlichkeit gewählt werden.

    Kreuzlingen besitzt in diesem, dem Stadtzentrum am nächsten liegenden Seeufer kein Seerestaurant. Das Hafenrestaurant „Alti Badi“ bringt es nicht, ist an dieser Stelle nur eine Kopie des abgebrochenen ersten, verunglückten Versuchs. Der optimale Platz für Kreuzlinges urbane Seeuferträume ist definitiv Klein Venedig mit der formidablen Uferkante zur Kreuzlinger-Konstanzer Seebucht hin. Hier könnten geschickte Planer eine kleine attraktive Wasserstadt entwickeln, die sich gegenüber Konstanz endlich auch als „Stadt am See“ auszeichnen könnte – nur viel moderner, architektonisch (international!) überraschend. Es bräuchte Mut. Aber dies ist eben nicht unbedingt ein Kreuzlinger Attribut der letzten Zeit!

    Bottighofen: Die beiden Wohntürme wurden gebaut, als die erste Hochhauseuphorie landauf-landab ausbrach. Ob sie heute noch so nah am Wasser als simple Wohngebäude in dieser anspruchslosen Form noch bewilligt würden, entzieht sich meiner Kenntnis.

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    1. schiesser

      „Betonplatz-Grosszügigkeit“, die nicht durch Restaurant-Mobiliart zugestellt werden soll? Ehrlich: das ist kein Platz, das ist nur eine Lücke. Auf einem Platz trifft man sich, man redet. man sitzt herum – was auch immer. Das ist auf diesem grauen Beton-Ding fast ausgeschlossen. Im Sommer, wenn’s heiss ist, kann man sich darauf nicht aufhalten, weil der Boden derart viel Hitze abstrahlt und nirgends eine Beschattung zu haben ist, die es einem ermöglichen würde, auf dem Platz zu bleiben. Im Winter…. Das ist keine „Grosszügigkeit“, das ist Leere. Dann doch lieber die Leutenegger’sche Wollschweininsel. Deren Lage „passt“ auch, denn sie ist ja keine Fortsetzung des Betonplatzes sondern des Seeburgparks.

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      1. Bruno Neidhart

        Sie müssen sich nicht auf dem Betonplatz aufhalten. Links und rechts davon gibt es genügend Grünraum zum „Sitzen und Reden – was auch immer“. Der Planer schuf bewusst eine grosszügige, ruhige Fläche zwischen „Rechts und Links“ und öffnete den Raum zwischen Wasser und Stadtraum.
        Die vorgesetzte Insel engt die Sichtsache übers Wasser ein. Daran kommt man nicht vorbei. Mit dem Seeburgpark hat das nichts zu tun.

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        1. schiesser

          Natürlich „muss“ ich mich nicht auf dem Betonplatz aufhalten – aber wozu gibt es Plätze, wenn man sich darauf nicht aufhalten soll oder kann? Ist es städtebaulich sinnvoll und erstrebenswert, grössere Areale so unwirtlich zu gestalten, dass sich niemand darauf aufhalten kann – oder noch schlimmer: dass sich niemand darauf aufhalten soll? Also städtische Gebiete zu schaffen, die erst dann ihren architektonischen Zweck erreichen, wenn sich keine Menschen mehr dort aufhalten? Sorry, aber Städte, Stadtquartiere etc. zu menschenleeren Gebieten zu machen, scheint mir doch widersinnig. Warum wohl sind die Konstanzer Uferanlagen so beliebt? Weil sie menschenleer sind? Eher nicht, oder? Der Blick über den See gelingt dort trotz der Belebtheit. Und wenn man in Kreuzlingen vom Betonplatz aus übers Wasser schauen will, ohne die Wollschweininsel zu sehen, dann muss man nur die eigene Blickrichtung übers Wasser ändern. Funktioniert einwandfrei.

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  2. Marianne Eichenberger

    Endlich ein Mensch, der den Exerzierplatz (gemeint betonierter Hafenplatz) als Bausünde empfindet und nicht das Hochhaus !!!

    Dieser Platz wäre der schönste und idealste Platz für Restaurant und Treffpunktaustausch und Musiktreffen unter schattigen Bäumen.

    Leider kann man diesen tollen Platz, für gar nichts nutzen, als so schnell wie möglich zu fliehen, um keinen Sonnenstich zu bekommen, anstatt nach je 4 Platten eine Plantage zu pflanzen und dazwischen Sitzplätze (das wäre ein kleines Paradies !!!)

    Bei

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