/// Rubrik: Kultur | Topaktuell

Topografie einer verborgenen Wirklichkeit

Kreuzlingen – Die neue Ausstellung im Kunstraum Kreuzlingen zeigt grossformatige Bilder unter dem Titel «Wasserarbeiten» des Künstlers Patrick Rohner. Das Tiefparterre wird vom Künstlerduo frölicher/bietenhader visuell und auditiv inszeniert. (Text: Barbara Marie Hofmann/klz)

Prozess und Endprodukt sind in Patrick Rohners Werken fliessend. (Bild: zvg)

Prozess und Endprodukt sind in Patrick Rohners Werken fliessend. (Bild: zvg)

Welche Möglichkeiten der Interaktion zwischen Künstler und Material gibt es unabhängig von der konkreten einseitigen Bearbeitung? Patrick Rohners Malerei ist eine, die nicht vom Ende her denkt, sondern die den Prozess der Entstehung in seiner Zeitlichkeit fokussiert. In seinen grossformatigen «Wasserfarben» initiiert er natürliche physikalische Vorgänge am Bild. Der Bildträger, das Papier, wird dabei radikalen Formen der Bearbeitung ausgesetzt. «Das Papier, an den Rändern zu einem Behälter gefaltet, wird zum Labortisch meiner Untersuchungen. Die bestimmte Aquarellfarbe wird mit Wasser vermischt und in die «Papierbehälter» gefüllt. Das Farbwasser reagiert mit dem Papier, es dehnt sich aus, bildet Verwerfungen und zieht sich beim Trocknen der Flüssigkeit wieder zusammen», erklärt Patrick Rohner.

Die Bildwerdung ist ein Zusammenspiel aus eigenständigen Prozessen und subtilen Eingriffen des Künstlers. Dessen Rolle: Gleichermassen stiller Beobachter wie agierende Kraft. Es ist so ein tiefgreifendes Verständnis von Natur und Leben als ständiger Prozess einer Metamorphose, das Patrick Rohners Kunstarbeiten ausmacht.

Was dabei entsteht, ist die Topographie einer verborgenen Wirklichkeit, die der Künstler für den Betrachter dokumentiert und offenlegt. Es ist ein leiser und reflektierter Prozess der Begleitung und Dokumentation einer ständig bewegten Wirklichkeit der Natur und ihrer Elemente.

Illusion und Manipulation
Für das Tiefparterre hat das Künstlerduo frölicher | bietenhader eine ortsspezifische mediale Installation entwickelt. Bewusste Ansammlung und der Einbezug von vielseitigen, modernen wie antiquarischen Film-Materialien sowie langjährige Entwicklung von Techniken zeichnen ihre Arbeiten aus. Die im Raum navigierende Illusion und Manipulation des Besuchers sind Resultat einer seriösen und bewussten Auseinandersetzung mit dem Ort.

Fundierte Vernissage
Die beiden Ausstellungen sind bis 10. Juli zu sehen. Nadine Wietlisbach, Direktorin des Photoforums PasquArt in Biel sowie Katharina Ammann, vom Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft, eröffnen die Ausstellungen.

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