/// Rubrik: Kultur | Topaktuell

Ausstellung und Konzert

Kreuzlingen – Der Kunstraum Kreuzlingen präsentiert Nadja Kirschgarten im Haus zum Hammer. Am Freitag setzt Irene Russo die Werke musikalisch in Szene. (Barbara Marie Hofmann)

Was ist das, was überdauert? Nadja Kirschgartens Malerei zeigt eine Bewegung, die sich der Zielgerichtetheit des 21. Jahrhunderts entgegen stellt: Es ist die Sehnsucht nach der verlorenen Verbundenheit des Menschen mit seiner Umgebung. Ihre Inspiration findet die Künstlerin in der virtuellen Welt der Computerspiele. Diese Welt, in der alles möglich ist, führt uns erstaunlich oft zurück in die Urszenarien der Menschheitsgeschichte: wilde Menschen, wilde Tiere, wilde Gefühle. Während es als Ziel unseres Alltags erscheint Emotionen so grundsätzlich wie möglich auszuweichen, bekennen sich die virtuellen Charaktere der Gamingwelt bewusst zu ihrer Sehnsucht nach dem, was war statt nach dem, was sein wird. Ihr Wunsch ist es, die Realität als eine zu erleben, die berührt. Und dafür: Sich aufs Äusserste auszuliefern und von vergessenen Urkräften bestimmt zu werden, die grösser sind als man selbst.

Waldrand, Öl auf Leinwand, 140 x 130 cm. (Bild: nadjakirschgarten.squarespace.com)

Waldrand, Öl auf Leinwand, 140 x 130 cm. (Bild: nadjakirschgarten.squarespace.com)

Nadja Kirschgartens Bilder greifen diesen Sehnsuchtsgedanken auf: Sie gleichen einem sich Eindenken. Einem Rückspüren. Einem Tieferfühlen in etwas Verborgenes, das den Dingen zu Grunde liegt. Ihre Welt zeigt Szenerien eines symbiotischen Kosmos zwischen Mensch, Tier und Natur. Pittoreske Gefühlsgewalt trifft dort auf brachiale Körperwesen. In weichen organischen Farben von Rosa, Pink und Rot wird eine Umgebung skizziert, in der abstrakte Wesen ein Zuhause finden: Schwarze Hunde, die mit geifernden Zähnen die Begleiter in dieser Wildnis sind. Pinke »Rössli«, die mit schwarzen Köpfen auf hell erleuchteten Weiden grasen und mit unbelebten Augen auf den Betrachter blicken.

Nadja Kirschgartens Werke bilden nicht ab, sondern sie erschaffen eine Welt des Traumes, die sich aus den Sehnsuchtsbereichen des Menschen nährt. Ihre Bilder schreien uns dieses inhärente Sehnsuchtsverlangen geradezu entgegen: «What are you longing for?», zu deutsch: «Nach was sehnst du dich?». Nadja Kirschgartens utopische Welten der Gefühlsgewalt scheinen dies zu fragen. Eine Antwort auf diese Frage? Nun, «vielleicht ist es besser, sich zu einem Rudel schwarzer Hunde zu legen». Um zu finden, was wir alle suchen.

Die Ausstellung ist noch bis 12. Juni im Haus zum Hammer, Sonnenstrasse 4, in Kreuzlingen zu sehen. Besichtigungen während den Öffnungszeiten des Kunstraums möglich.

Konzert am Freitag, 10. Juni, um 18.30 Uhr mit Irene Russo, Piano und Saxophon
Modern Music meets Modern Art. Das Haus zum Hammer wird erneut zum Raum einer künstlerischen Öffnung: Die Musikerin Irene Russo setzt die aktuell gezeigten Werke von Nadja Kirschgarten musikalisch in Szene: Kirschgartens wilde Hunde treffen auf Klänge von Piano und Saxofon. Anschliessend Apéro.

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