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«Wir verkaufen uns viel zu bescheiden»

Tägerwilen – Cornelia Zecchinel vertritt den Bezirk Kreuzlingen seit dem 25. Mai im Grossen Rat. Im Interview streicht die Kantonsrätin die Stärken unserer Region heraus und zeigt auf, weshalb auch die Wirtschaft Kultur braucht.

Cornelia Zecchinel über den Dächern von Tägerwilen.(Bild: ek)

Cornelia Zecchinel über den Dächern von Tägerwilen. (Bild: ek)

Im Nachhinein könnte man die Übernahme des Späti Areals und den Ausbau zum Zecchinel Zentrums als visionär bezeichnen. Haben Sie und Ihr Mann damals  gedacht, dass Tägerwilen so rasant wachsen wird?
Nein, das kam eher aus der Not heraus, dass wir aus dem Kreuzlinger Zentrum aussiedeln mussten. Aber vielleicht haben wir mit unseren flexiblen Büros und Gewerbeflächen unseren Teil dazu beigetragen.

Wieso glauben Sie ist Tägerwilen so beliebt bei Arbeitgebern?
In der Region findet man durch die Fachhochschulen und die Universität Konstanz gutes Fachpersonal. Zudem ist die Verkehrsanbindung mit dem Autobahn- und Zuganschluss optimal. Und die Gemeinde arbeitet Hand in Hand mit dem Gewerbe.

Sie arbeiten auch als freischaffende PR Fachfrau. Verkauft sich unsere Region gut?
Nein, viel zu bescheiden. Wir wohnen  mit frischer Luft und Seeanschluss in einem grandiosen Lebensraum. Eine wahnsinns Gegend, in der man frisches Gemüse aus dem Tägermoos einkaufen kann. Da dürften wir uns ruhig selbstbewusster nach aussen zeigen.

Zu viel Selbstbewusssein kann auch gefährlich sein. Haben wir keine Schwächen?
Die Schwäche sieht man jeden Freitag und Samstag durch den Stau am Zollübergang.

Wie werden Sie die regionale Wirtschaft als Kantonsrätin im Grossen Rat vertreten?
Ich werde mich dafür einsetzn, dass das Unternehmertum vor lauter Gesetzen und Regulierungen nicht irgendwann stillsteht.

Und wenn der Abbau die eigene Region trifft? Mit dem Leistungsüberprüfungspaket wurde das Strassenverkehrsamt im Zecchinel Zentrum und auch das zehnte Schuljahr in Kreuzlingen gestrichen.
Ich setzte mich für einen schlanken Staat ein.  Das darf aber nicht zu Lasten der Bildung gehen. Das Leben darf nicht vom Staat gestaltet werden, sondern von den Menschen, die darin leben. Dazu braucht es eine selbstbestimmte und eigenverantwortliche Bevölkerung. Und diese erhält man nur durch eine gute Bildung.

Auch die Kultur liegt Ihnen am Herzen. Doch wären die Angestellten nicht viel fiter am Morgen wenn sie nicht spätnachts noch auf Konzerte gehen oder sich von Kunstausstellungen ablenken lassen?
Ich glaube nicht, dass die Menschen in einer solchen Region produktiver wären oder gerne arbeiten gehen würden. Kultur regt an und verbindet.

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