/// Rubrik: Stadtleben | Topaktuell

Tanzfestival begeisterte

Kreuzlingen – Die diesjährige Show der «Tanzform Elke Scheller» beleuchtete und bewegte das Thema «grenzenlos» aus den unterschiedlichsten Blickrichtungen. Insgesamt 14 Choreografen widmeten sich ihm mit 200 Tänzern und Tänzerinnen, aber auch Musikern und Musikerinnen künstlerisch, musikalisch und interkulturell. Die 23 Stücke wurden in einer abwechslungsreichen Gesamtaufführung im Kulturzentrum Dreispitz Kreuzlingen präsentiert.

Die Eröffnung in das Programm machte das Schlagzeugensemble der Musikschule Konstanz unter Leitung von Ralf Kleinehanding. Die vielen unterschiedlichen Percussion-Instrumente, abwechslungsreichen Rhythmen, Tempi und Lautstärken machten gleich zu Anfang deutlich, wie vielseitig der Abend zu werden versprach. Zentral und wie ein roter Faden durch die Show zog sich der Tanz als Ausdrucksmittel, sich Grenzen anzunähern, sie zu erforschen, mit ihnen zu spielen, diese zu überwinden und schlussendlich die Befreiung von Grenzen im Tanz zu feiern.

(Bilder: zvg)

(Bilder: zvg)

«Grenzenlos als Thema entstand unter der Gegebenheit, dass wir mit unserer Show eine Landesgrenze überschreiten und in unserer Nachbarstadt in Kreuzlingen auftreten», erklärte dazu Elke Scheller, Leiterin der Tanzform und Spiritus Rector. «Grenzen stets neu auszuloten und sie zu überschreiten ist auch immer Thema im Tanz, der sich ständig erneuert und immer wieder anders erfindet.» So versteht sich die Show auch als Ausdruck der Freundschaft zwischen den beiden Grenzstädten Konstanz-Kreuzlingen. Charmant und frisch nahm dabei Moderator Joachim Steiner das Publikum an die Hand. Anschliessend bewegten sich die TänzerInnen nahezu aller Altersgruppen frei zwischen den Generationen, in den vielfältigsten Tanzstilen, die auch immer wieder ungewöhnlich miteinander gemixt waren. Von Modern und Contemporary Dance über Hip Hop und Breakdance, bis hin zu Stepptanz und ethnischen Tanzrichtungen zeigten die TänzerInnen die unendlichen Möglichkeiten, sich zu entgrenzen und sich dabei neu zu finden.

SK2In ihrer Choreografie «Flamenco-Oriental» zeigte beispielsweise Myriam Orellana de Bechle, wie der orientalische Tanz mit Flamenco-Elementen verschmilzt und dadurch die markante Handgestik des Flamencos mit den weichen Hüftbewegungen des Orientalischen Tanzes sich zu einer ganz neuen eigenen Form harmonisch integriert. Eindrucksvoll veranschaulichten einige Hip Hop und Breakdance Choreografien einen Brückenschlag zwischen unterschiedlichen Elemente des Hip Hop wie beispielsweise das Herauslösen und Interpolieren von Breaks und Scratches, den starken wechselseitigen Bezug zum DJ und die urbane Kultur dieser Szene. In einem Gemeinschaftswerk von verschiedenen Choreografen begegnen sich Hip Hop und ägyptische Tanztheater-Elemente. Grosse Gruppen mit vielen Tänzern wurden spannungsvoll abgelöst von solistischen Inszenierungen.

SK8Die Ballett-Tänzerin Jessica Illing überwand mühelos die Gesetze der Schwerkraft durch den akrobatischen Einsatz eines «Silk» (Aerial Dance) und schien in der Luft zu tanzen. Zu den üblichen horizontalen Raumwegen kamen nun auch vertikale Raumwege hinzu. Einen sehr ungewöhnlichen und dadurch besonders spannenden Gegenpol bot ihr der break dancer Moritz Haberbosch und die Saxofonistin Lisa Rüppel. Dadurch entstand ein einzigartiger Dialog zwischen den Tänzern und der Musikerin, die selbst Teil der Choreografie wurde. Für einen starken Überraschungsmoment sorgte auch die Stuhlperformance von Ines La Scalia, deren Tänzerinnen plötzlich unter den Zuschauern aufstanden und auf dem Stuhl eine Choreografie tanzten. Dadurch wurde der Bühnenraum in seiner klassischen Grenze aufgelöst und um den Zuschauerraum erweitert. In besonderem Masse brachte auch die Solistin Lea Krauss in ihrem Stück «Augen auf» entfesselte Leidenschaft für den Tanz zum Ausdruck. Bei ihr wurde sichtbar, dass das Herzstück des Tanzes auch das Herz des Tänzers ist. Insgesamt waren beide Abende mit je zwei Stunden Showtime, live Musik und eigens komponierten Stücken nicht nur für die zahlreich erschienenen Familien und Freunde der TänzerInnen ein erweiterndes Fest der Sinne und ein grenzenloses Vergnügen. Auch für Tanzliebhaber und Kultur- Schaffende bot die Show mannigfaltige Inspiration durch die Vielfalt der Choreografien, der professionellen Organisation durch ein eingespieltes Backstage Team und der Umsetzung der Themen durch Laientänzer auf sehr hohem Niveau. Die beiden Aufführungen waren das Ergebnis von herausragendem persönlichem Engagement, nahezu «grenzenlos» auch in der Liebe und Leidenschaft aller Beteiligten für den Tanz.

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