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Auf der Suche nach dem perfekten Rot

Ermatingen – In langen Prozessen sucht Klaus Rothe nach den richtigen Farbtönen und Mustern für seine Keramikgefässe und Skulpturen.

Der Künstler und Poet Klaus Rothe in seiner Werkstatt. (Bild: vf)

Der Künstler und Poet Klaus Rothe in seiner Werkstatt. (Bild: vf)

Manchmal fragt man sich, wie schön das Leben sein kann. Ein paar Hühner gackern, ein roter Kater döst in der Sonne, dicht daneben eine Kröte unter einem Petersilienstrauch, in einem Glaskasten verpuppen sich Seidenschwanzraupen. Die Sonne fällt träge durch die grossen Blätter eines Feigenbaumes und wärmt die Seeluft, die herüberweht. Hier lebt und arbeitet Klaus Rothe in seiner Keramikwerkstatt. Man betritt diese durch die niedrige Eingangstür, bei der man den Kopf einziehen muss. Erhebt man den Blick, so ist man umgeben von Gefässen, Skulpturen, Glassuren, Farben und Formen.

Fische, Pferde und der Mond

Rothe mischt mit alchemistischer Manier Erdminerale und Metalloxyde, bis die perfekte Glasur entsteht. Mangan, Alkali, Kupfer. Das Muster entsteht im Ofen: kleine punktartige Kristalle, die sich ausbreiten zu pflanzenartigen Ornamenten oder sich zu einem Pfauenauge formieren. Die Farben verändern sich mit jedem Milligramm an Zutaten. Manchmal dauert es Wochen, bis ein perfekter Ton gefunden ist: kobaltblau, ochsenblutrot, gold, grün wie die Hügel im Thurgau oder wie Mädchenaugen.

Für die Ewigkeit

Die Werke eines Künstlers überdauern seine eigene Existenz. Einige Stücke von Rothe stehen im Keramikmuseum in Berlin. Die Gedanken sind festgehalten in zwei Büchern: Über die Farben schreibt Rothe lyrische Texte, auch über das Leben – «Gelesen nicht in 5 Minuten». Die Zusammensetzungen der Glasuren sind akribisch in einem Rezeptbuch notiert. Wohin nur mit all diesen Geheimnissen, wenn er einmal nicht mehr ist, fragt sich der Künstler. Doch die Rezepte haben bislang keinen würdigen Nachfolger gefunden. Wer den Keramikmeister besuchen möchte, ist in der Schiffgasse 22 in Ermatingen willkommen: «Im kleinen Haus am grossen See». So auch der Titel des prämierten Films von Hansueli Holzer, der online zu sehen ist:

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