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Schöne Aussicht in Bellevue

Kreuzlingen – Die Baukörper in der Gartenstrasse wurde von der Stiftung Natur und Wirtschaft als erstes «naturnahes Wohnareal» in der Ostschweiz mit einem Zertifikat ausgezeichnet.

Stadtrat Ernst Zülle, Eigentümer Patrick Bücheler und Reto Locher von der Stiftung Natur und Wirtschaft (von links nach rechts) bei Übergabe des Zertifikats. (Bild: vf)

Stadtrat Ernst Zülle, Eigentümer Patrick Bücheler und Reto Locher von der Stiftung Natur und Wirtschaft (von links nach rechts) bei Übergabe des Zertifikats. (Bild: vf)

Wohnen mitten in der Natur, mit Blick auf bunte Wiesen, alte Bäume, ungebändigte Wildnis – ein Traum, der sich bislang nur auf das Landleben beschränkt hat. Nun ist dies aber auch mitten in der Stadt zu realisieren. Im ehemaligen Sitz der Nerven-Heilanstalt Bellevue in der Gartenstrasse sind drei Wohnblocks entstanden, die 160 Wohneinheiten sowie 238 Tiefgaragenplätze beinhalten. Zudem werden Flächen gewerblich genützt: Einmal von einer Bank und einmal vom Kinderhort Calimero – ein weiterer Pluspunkt für junge Familien, sich hier anzusiedeln.
Die Wohneinheiten zeichnen sich durch eine hohe Lebensqualität aus. Nach innen richten sich Höfe mit hochwertigen Gartenkulturen, aussen ist man von unberührter Natur umgeben. Ein angrenzendes Waldstück bietet Platz für ungewöhnliche Nachbarn in der Stadt: Füchse, Dachse, Marder, Insekten und heimische Vögel wie der Buntspecht sind hier zuhause. Ein Pool der Artenvielfalt also. Des Weiteren dient der Wald als Abgrenzung zum nahe liegenden Bahnhof.

Es gibt Pflanzen, die man nur noch auf Alpwiesen findet

Im Wohnareal reihen sich Schafgarbe, Spitzwegerich und Sauerampfer neben wilden Klee und Margeriten, die zwei Mal im Jahr gemäht werden. Reto Locher von der Stiftung für Natur und Wirtschaft erklärt, dass in den meisten Gärten ein Pflanzenwuchs von über 90 Prozent aus fremden Kulturen herrsche: «Es ist, als würden die heimischen Vögel und Schmetterlinge nur noch Chinarestaurants und Dönerbuden vorfinden – das wird zum Problem.»
Für die über sechshundert Wildbienenarten in der Schweiz gleicht diese Gartenkultur einer Wüste. Das Biosystem wird nachhaltig geschädigt. Um dem entgegenzuwirken, prämiert die Stiftung Flächen, die heimischen Pflanzen und Tieren Platz bieten und sichern den Qualitätsstandard dieser über die Jahre. Stadtrat Ernst Zülle nennt das Areal ein Musterbeispiel für die Gartenstadt Kreuzlingen. «Es hat schnell den Anschein, dass die Fläche nicht gepflegt wird», räumt er ein, «doch es ist eben kein englischer Garten. Dafür können Kinder hier die echte Natur erleben.»

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