/// Rubrik: Kultur

Das Rot der Rose

Konstanz – Vor dem Münster zeigt das Theater Konstanz in einer Freilichtaufführung zurzeit «Der Name der Rose». Die historische Kriminalgeschichte von Umberto Eco wird dabei mit viel Farbe und Feuer inszeniert.

Spätestens als die Inquisition auf dem Münsterplatz aufmarschiert, wird klar, weshalb Angst ein gängiges Regierungsmittel ist.(Bild: Ilja Mess)

Spätestens als die Inquisition auf dem Münsterplatz aufmarschiert, wird klar, weshalb Angst ein gängiges Regierungsmittel ist. (Bild: Ilja Mess)

«Die Rose von einst steht nur noch als Name, uns bleiben nur nackte Namen». So beendet der einstige Gehilfe Adson von Melk seine Erinnerungen an die grauenvollen Geschehnisse, welche sich während sieben Tagen in einer italienischen Benediktinerabtei abspielen. Zusammen mit seinem Meister William von Baskerville sind die beiden Hauptdarsteller für eine theologischen Aussprache angereist. Bis alle Gäste angekommen sind, soll der in Ungnade gefallene Inquisitor Baskerville eine Reihe von Todesfällen im Kloster aufklären.

Namen fallen in der Freilichtaufführung von «Der Name der Rose», inszeniert von Regisseur Herbert Olschok, wahrlich viele. Kein Wunder, bei der Adaption des fast 700 Seiten Romans des erst kürzlich verstorbenen italienischen Autors Umberto Eco. Bei sieben Todesfällen, philosophischen Disputen und einer Herrschar an Statisten auf der Pflastersteinbühne, besteht so die Gefahr, den Überblick zu verlieren. Hinzu kommt noch die Kulisse vor dem Münsterplatz, welche mit offenen und versteckten Eingängen das Labyrinth des Klosters suggeriert.

Historische Detektivarbeit

William von Baskerville (Odo Jergitsch, l.) und Adson von Melk (André Rohde, r.) versuchen eine mysteriöse Reihe von Todesfällen aufzuklären. (Bild: Ilja Mess)

William von Baskerville (Odo Jergitsch, l.) und Adson von Melk (André Rohde, r.) versuchen eine mysteriöse Reihe von Todesfällen aufzuklären. (Bild: Ilja Mess)

Die Franziskanermönche Baskerville und von Melk geben jedoch ihr Bestes, Licht in das dunkle Mittelalter zu bringen. Mit Detektivarbeit, Logik und Zwiesprachen halten die beiden die historische Kriminalgeschichte am Laufen. Viel von den Geschehnissen muss sich beim Zuschauer in der Phantasie abspielen, das ständige Nachfragen des Assistenten hilft aber, bei den verworrenen Geschehnissen den Faden nicht zu verlieren.

Ab und zu wird die Immersion des italienischen Mittelalters von 1327 gestört, etwa wenn der sonst von altgriechischen Philosophen schwärmende Gelehrte Baskerville seiner Überraschung mit «oh shit» Ausdruck verleiht. Auch der naive Assistent Adson von Melk kommt manchmal ein wenig zu tölpelhaft und idiotisch über die Bühne und muss sich durch Klamauk für ein paar Lacher hergeben. Für die meisten Betrachter aber wahrscheinlich eine willkommene Auflockerung der sonst ernsten Materie, in der gerade ein verschollenes Humor-Buch von Aristoteles für so viel Unfrieden im Benediktinerkloster sorgt.

Logik und Glauben
«Benutze nicht dein Herz sondern deinen Kopf», diesen Rat des Logikers William von Baskerville muss man sich über weite Teile des Stücks zu Herzen nehmen.
Gefühle kommen dennoch auf, etwa wenn sich der Mönch von Melk der Liebe eines Mädchens aus dem Dorf hingibt oder die lang erwartete Inquisition auf dem Münsterplatz aufmarschiert. Selbst für die Zuschauer wird es da schwer, sich dem beklemmenden Griff des Untersuchungsrichters zu entziehen. Diesen bekommt auch der Krüppel Salvatore in der blutigen Folter zu spüren. Eindrücklich die Leistung des Schauspielers Julian Härtner, der den Ketzer in der «Gestalt einer Bestie und mit der Sprache von Babel» spielt. Zwar fehlen nach seiner Verurteilung die Scheiterhaufen, an Rauch und Feuer mangelt es bei der fast dreistündigen Aufführung aber nicht. Anfangs brennt die italienische Abendsonne auf den Platz, später weht der Wind durch die Gemäuer und Tonsuren der Mönche, fremdartige Düfte spiegeln das exotische Wissen der Abteibibliothek wieder und eine Feuerschale in der Mitte der Bühne wird wie Beläufig die ganze Inszenierung über geschürt. Die Abtei erwacht zum Leben und mit ihr auch die Geheimnisse der Romanvorlage.

So bleiben beim Zuschauer zum Schluss zwar keine Namen hängen. Das Rot des Inquisitors, des Theaterblutes  und das in Flammen stehende Kloster brennt sich jedoch ins Gedächtnis ein.

Konzilfestspiele
Im Rahmen der Konzilfestspiele Konstanz zeigt das Stadttheater bis zum 24. Juli fast täglich «Der Name der Rose». Ab dem 30. Juli wird die Produktion «Konstanz am Meer – Ein Himmelstheater» wiederaufgenommen.

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