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Männer in Feinstrumpfhosen

Kreuzlingen – Im Spiegelzelt präsentiert das See-Burgtheater diesjährig ein buntes Treiben: «Ein Käfig voller Narren» feiert am Donnerstag, 14. Juli, Premiere.

Schillernd und bunt tanzen die Narren im See-Burgtheater.(Bild: vf)

Schillernd und bunt tanzen die Narren im See-Burgtheater. (Bild: vf)

Mit Gloria Gaynors Hit «I am what I am» im Ohr wird man das See-Burgtheater verlassen. Der Text wurde umgeschrieben, passend zum Stück «Ein Käfig voller Narren» geht es nun um Geschlechterrollen, um Sexualität, um Genderthematiken – doch die Botschaft bleibt: Ich bin, was ich bin und was ich bin, braucht keine Rechtfertigung. Bereits 1973 wurde das Stück geschrieben und wenig später filmerisch inszeniert, seither bietet der Narrenkäfig Glitzerstoff für Tunten-stücke.

Französische Leichtigkeit und Poesie
Das Stück handelt von einem homosexuellen Paar, George und Albin, die Betreiber des Nachtclubs «La Cage aux Folles», mit Sohn Jean-Michel, der seine Verlobte Anne heiraten möchte. Sie ist die Tochter eines konservativen Politikers. Als die Eltern sich kennenlernen sollen, spielt das schwule Paar eine traditionelle Ehe, was mehr oder weniger gut gelingt.
Als «platte Trivialkomödie, deren Lacher fast ausschliesslich auf Kosten der vorgeführten Klischee-Aussenseiter gehen» wird die ursprüngliche Aufmachung im Filmlexikon kritisiert. Dieser Herausforderung stellt sich das Ensemble rund um Regisseur und Intendant Leopold Huber. Er sieht die Operette als anspruchsvolle Theaterform, die ebenso eine Berechtigung hat wie Hamlet und Woyzeck. «Es ist eine handwerkliche Herausforderung, vor der ich anfänglich zurückgeschreckt bin. Ich musste zu mir selbst sagen, dass ich nicht so kleinlich sein darf», sagt er.

Komik und Traurigkeit ganz nah beisammen
Auch Schauspieler Helmut Mooshammer stand der Thematik anfänglich mit Skepsis gegenüber. «Wen interessiert der ganze Tuntenquatsch in einer Zeit, in der wir schwule Bürgermeister in der ganzen Welt haben?», dachte er sich. Doch dann wurde ihm klar, dass das Stück von mehr handelt, als von Coming-Outs und phallischen Witzen: «Es geht um Partnerschaft, Liebe und den Konflikt von Generationen.»

Glitzer, Glimmer und Herz
Kostüm- und Bühnenbildner Klaus Hellenstein mag breitgetretene Klischees nicht. Er nützt das wunderschöne Spiegelzelt, das dreihundert Sitzplätze bereithält und ursprünglich Schauplatz von Travestie war, als Spielort für die musikalische Komödie. Mit dem Bühnenbild bricht er den plüschigen Charakter des Zeltes, indem er mit klaren, blauen Linien arbeitet, sowie mit Lichteffekten. «Ansonsten würden die Darsteller verschwinden», sagt er, «durch die graphische Umsetzung aber wird das Bild strukturiert. Kostümtechnisch will ich es dann krachen lassen.» Hier gibt es Glitzer, Glimmer, Federboas, Strumpfhosen in allen Farben des Regenbogens, dazu passend bunte Perücken, Korsagen, falsche Brüste, echte Beine in Highheels, die sich in die Lüfte schwingen, als wäre es eine Selbstverständlichkeit.

Eine Selbstverständlichkeit soll es auch sein: Männer die tanzen, die Kleider tragen, geschminkt sind und sich küssen. «Wenn zwei Männer sich küssen, ist das schön», sagt der Regisseur, «das soll hier deutlich werden. Jeder, der das noch nicht begriffen hat, kann sich in diesem Stück davon überzeugen.»

Was also gezeigt werden soll, ist die Message im Carpe-Diem-Stil: «Werde, wer du bist, du lebst nur einmal. Werde glücklich, unabhängig von allen Orientierungen und Konventionen.» Es ist eine Vision, bei der die Authentizität des Einzelnen im Vordergrund steht und dies wird zur politischen Botschaft: Es geht darum, die moralische Anstandsschwelle nicht noch weiter sinken zulassen.

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