/// Rubrik: Kultur

Gänsehaut – leider nicht bei Sommersonnenschein

Konstanz – «It Takes One To Know Me» – das Johnny Cash Open Air, ein Erfolgsstück des Theaters Konstanz, muss man einfach erleben! Leider muss die eigentlich für die Freiluftbühne vor dem Münster geplante Auffühung heute Abend wetterbedingt ins Theater verschoben werden.

Wegen Gewitterwarnung für heute Abend muss die heutige Vorstellung «It Takes One To Know Me – Ein Abend mit Songs von Johnny Cash» vom Münsterplatz ins Stadttheater verlegt werden. Die Karten behalten ihre Gültigkeit, im Stadttheater ist dann freie Platzwahl. Eingang über den Haupteingang an der Konzilstraße 11.

Die Hommage an Johnny Cash begeistert schon seit zwei Spielzeiten. Die Rolle der June Carter übernimmt Laura Lippmann. Cash, der Zeit seines Lebens zwiegespalten war, wird von Ingo Biermann und André Rohde verkörpert. Regie führt Wulf Twiehaus, die musikalische Leitung obliegt Stefan Gansewig.

Ein grossartiges Stück! (Foto: Björn Jansen)

Ein grossartiges Stück! (Foto: Björn Jansen)

Wer Johnny Cash verstehen will, muss schon ganz ähnlich gestrickt sein. Und auch dann wird es schwierig. Er hat sich ja kaum selbst verstanden. «Sometimes I am two people. Johnny ist the nice one. Cash causes all the trouble. They fight.» Regisseur Wulf Twiehaus lässt die Protagonisten des Johnny-Cash-Abends nicht einfach Cashs Leben nacherzählen. Das Stück ist ein Versuch, sich der Person Cash zu nähern. Der Zerrissenheit und Getriebenheit, der Ambivalenz des Menschen Johnny Cash. Wie könnte das besser dargestellt werden, als mit zwei Schauspielern, die jeweils auf ihre Art, Johnny Cash ein Gesicht, eine Gestalt, eine Stimme geben?

Und dann ist und bleibt «It Takes One To Know Me» einfach ein aussergewöhnliches Konzerterlebnis!

Hochs und Tiefs
»The last great American« heisst eine Dokumentation über Johnny Cash: Der Star der Countrymusik verkörpert wie kaum ein anderer die schillernden und zugleich abgründigen Seiten des amerikanischen Traums. In seiner bewegten Karriere hat Johnny Cash über 500 Songs geschrieben und mehr als 53 Millionen Tonträger verkauft. Er wurde zur Legende und zur Ikone der Amerikaner. Das Label Sun Records, das Elvis Presley entdeckte, nimmt 1955 den jungen Sänger unter Vertrag, der sich und seine junge Familie mit Vertreterjobs über Wasser hält. Sein Sound, der an das schnelle Stampfen eines vorbeifahrenden Zuges erinnert, macht Johnny Cash berühmt. Der »Man in Black« vergisst nie die ärmlichen Verhältnisse seiner Kindheit. Er singt für die Underdogs der Gesellschaft und tritt in Gefängnissen auf. Doch der grosse Erfolg birgt seine Schattenseiten: Alkohol und Drogenexzesse prägen den Alltag. Scheidung und tiefer Absturz sind die bittere Konsequenz. Durch die Unterstützung und Liebe der Sängerin June Carter steht Johnny Cash den schwierigen Entzug durch. Sein Comeback wird zu einem der legendärsten Konzerte der Musikgeschichte: Folsom Prison 1968. Hunderte Sträflinge stampfen und klatschen. Die Wärter werden unruhig. Die Männer jubeln einem Mann in Schwarz zu. »Hello! I’m Johnny Cash.« An seiner Seite: June Carter.

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