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Hilfe für eine Mutter von 134 Kindern

Kreuzlingen – Ein Kreuzlinger Mediziner sammelt Spenden für ein aussergewöhnliches Hilfsprojekt in Kirgistan.

Eismann

Dr. med. Christoph Eismann, der «Facharzt fürs Abenteuer» und seine Frau, die Pianistin Yana Eismann.

Sommerzeit-Reisezeit. Die Europäer zieht es in die unterschiedlichsten Himmelsrichtungen. Dr. med. Christoph Eismann aus dem Herz-Neuro-Zentrum reist seit mittlerweile 15 Jahren jeden Sommer nach Kirgistan, in eine ehemalige Sowjetrepublik in Zentralasien, die auf Grund ihrer demokratischen Struktur gern auch als die Schweiz Mittelasiens bezeichnet wird. Auch vom Relief gibt es viele Ähnlichkeiten mit der Schweiz, da grosse Teile des Landes mit Bergen bedeckt sind. Man kann dort auf wunderschöne Gipfel bis über 7400 Meter steigen.

Genau das fasziniert den Mediziner Eismann seit Jahren. Nach einer Fahrradreise durch Zentralasien entschied er sich für ein Auslandsstudium in der Hauptstadt Bischkek und bekam die Gelegenheit, als erster Jahresstipendiat über den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) im ehemaligen Zentrum der sowjetischen höhenmedizinischen Forschung zu studieren und Daten für seine spätere Dissertationsarbeit über die Früherkennung der Höhenkrankheit zu sammeln. Da er fliessend Russisch spricht, gab es nie sprachliche Probleme.

Hier in Kirgistan fand er gute Freunde und kompetente Unterstützung für sein Wissenschaftsprojekt. Er organisierte als begeisterter Bergsteiger jahrelang Bergexpeditionen, z.B. auf den Pik Lenin (7134 Meter), um die Teilnehmer während der Akklimatisation in den Hochlagern medizinisch zu untersuchen.

Der Freundeskreis wächst stetig. Im vergangenen Jahr lernte er auf einer Konferenz Gulnara Degenbaeva kennen, eine emsige Frau, die in den 90er Jahren des chaotischen Umbruches in den ehemaligen Sowjetrepubliken ihr Business aufgab und begann, Waisenkinder auf ihren eigenen Namen zu adoptieren, die sie z.T. auf der Strasse auflas. Bis heute sind es 134 Kinder. Alle Kinder wurden versorgt und bekamen eine solide Ausbildung. Mittlerweile hat Gulnara schon 21 Enkelkinder.

Das Tor zum Kinderheim. (Bilder. zvg)

Das Tor zum Kinderheim. (Bilder. zvg)

Das Besondere an diesem Kinderheim ist, dass die Kinder nicht mit einem oft in solchen Einrichtungen rauhen Umgangston erzogen werden, sondern in einer wirklich liebevollen, familiären Atmosphäre, die den Besucher sofort bei Betreten des Hauses ansteckt.
Das Kinderheim, ein ehemaliges russisch-orthodoxes Kloster aus dem 19. Jahrhundert, liegt am berühmten Issyk-Kul-See und ist in sehr schlechtem baulichem Zustand, da es, wie alle kirchlichen Einrichtungen, zu Sowjetzeiten verwahrloste. Der soliden Bausubstanz ist es zu verdanken, dass das Gebäude noch nutzbar ist. Es wurde vor einigen Jahren bereits teilsaniert, jedoch wird ein zweiter Sanitärtrakt benötigt, sowie weitere Schlafräume im bisher unsanierten Gebäudeteil. Leider gibt es keine staatliche Unterstützung für diese Einrichtung, sodass es trotz Selbstversorgung mit Fleisch und Gemüse auf dem grossen Grundstück immer wieder zu finanziellen Engpässen kommt.

Die Gebäude sind teils in einem sehr schlechten Zustand.

Die Gebäude sind teils in einem sehr schlechten Zustand.

Dr. Eismann gründete über die Schweizer Online-Plattform www.icareforyou.ch ein Hilfsprojekt, um dringend benötigte Baumaterialien für die Sanierung des Gebäudes zu kaufen. Anfang August wird er wieder in Kirgistan sein, um direkt vor Ort selbst die Materialien zu kaufen.
Er möchte möglichst viele Menschen einladen, am Projekt teilzunehmen und einen kleinen Beitrag für diese wunderbare Einrichtung zu spenden. Interessierte sind herzlich eingeladen, sich das Kinderheim selbst vor Ort anzusehen und bei einer kleinen Rundreise Land und Leute kennenzulernen.

www.doktor-eismann.ch

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