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Mal aufs Velo umsteigen?

Kreuzlingen – 1999 wurde der Döbelikreisel gebaut. Im September will ihn der Kanton sanieren. Von 5. bis 21. September ist er darum vollständig gesperrt. Geschäftsleute und Gastronomen in der Konstanzerstrasse befürchten erhebliche Nachteile. Es ist aber gemäss Bauherr die beste Lösung.

Zigarrenhändler Marc Portmann. (Bilder: sb)

Zigarrenhändler Marc Portmann hat sowieso schon viel Verkehr vor der Geschäftstür. (Bilder: sb)

In der Konstanzerstrasse sehen Geschäftsleute und Gastronomen den Kalenderwochen 36, 37 und 38 besorgt entgegen. Dann saniert der Kanton den Betonbelag des Kreisels Döbeli und den Asphalt der Unterführung Bärloch. «Wirtschaftlich eine Katastrophe für uns», sagt FDP-Gemeinderat Marc Portmann. Er befürchtet Umsatzeinbussen, weil die Zufahrt zu seinem Geschäft erschwert ist. Zu ihm käme man dann nur noch via Umleitung über Haupt- und Brückenstrasse. Der Zigarrenhändler rechnet mit massiven Staus. Dabei fahren durchschnittlich ohnehin schon über 10’000 Autos pro Tag über die untere Konstanzerstrasse. Auch findet er, dass es durchaus andere Optionen als eine Vollsperrung gebe: «Temporäre Öffnung und Umleitung über den Hauptzoll etwa, 24-Stunden-Betrieb oder eine Sanierung während Verkehr», zählt er auf.

Lieber viel Verkehr als keinen?
Portmann bekam von den Plänen des Kantons eher zufällig Wind und ist deswegen, wie andere aus der Strasse, verärgert. Für zweieinhalb Wochen führe bei einer Vollsperrung kein Auto am «City Imbiss» von Michel Dreier vorbei. «Das wird in der Kasse bemerkbar sein», sagt dieser. Auch Uhrmacher Leo Scheiwiler stimmt mit ein in den Kanon der Kritiker, hat aber dank Info von Portmann vorgesorgt: «Ich habe meinen Jahresurlaub in den September gelegt.» Hubert Schmid vom «Don John» ist den vielen Verkehr schon gewohnt, die «Roxy Bar» macht gleich für zwei Wochen zu. «Zufall, dass wir immer dann Urlaub machen», sagt Inhaberin Gordana Vlajic. «Informiert wurden wir ja nicht.»

Durchhalten
Die untere Konstanzerstrasse bis zum Emmishofer Zoll ist ein kleines Kreuzlinger Sorgenkind. Seit dem Wegzug der Migros und später dann auch des Denners müssen sich Geschäftsleute und Gastronomen hier hart durchbeissen – verstärkt durch den Frankenkurs. Viel wurde schon geschrieben über ihren Durchhaltewillen. Denn obwohl sich in den Schaufenstern hauptsächlich die Karossen der im Stau steckenden Einkaufstouristen spiegeln, machen immer wieder neue Geschäfte auf. Und die alten machen weiter, irgendwie.

Treffen hinter den Kulissen
Von sich aus baten die Geschäftsleute der Konstanzerstrasse den Projektleiter zum Gespräch. Patrick Haltner ist sich der Brisanz einer Vollsperrung bewusst – es ändere aber nichts an der Notwendigkeit. Er erklärte die Vorteile: «Statt zweieinhalb würden die Arbeiten ansonsten acht Wochen dauern. Mit einer Ampelanlage wäre am Döbelikreisel, wo jeden Tag rund  20’000 Autos vorbeifahren, ein Verkehrskollaps garantiert. Das Projekt wird zwar nicht günstiger, aber qualitativ besser, weil der Beton vor der Verkehrsfreigabe einige Tage länger aushärten kann.  Zudem kann so gleichzeitig die Unterführung saniert werden.»

Rund 20'000 Autos fahren pro Tag um den Döbelikreisel. Eine teilweise Sperrung führe zum totalen Verkehrskollaps, sagt die Projektleitung.

Rund 20’000 Autos fahren pro Tag um den Döbelikreisel. Eine teilweise Sperrung führe zum totalen Verkehrskollaps, sagt die Projektleitung.

Gemäss Projektleiter Haltner werden alle Anwohner in der nächsten Woche per Post informiert. «Wir haben im Vorfeld mit den grossen Firmen am Kreisel, den direkt Betroffenen, gesprochen. Hätten diese ihr OK nicht gegeben, wäre eine Vollsperrung nicht möglich gewesen.» Zusätzlich arbeite das beauftragte Unternehmen mit einem Bonus-Malus-System. Wenn die Arbeiten am Kreisel schneller fertig sind, gibt’s eine Belohnung. Dauert es länger, muss das Unternehmen zahlen.

Er ist sich sicher: «Es gibt keine Lösung, die für die Gesamtheit besser wäre. Klar kommt es auch so zu Rückstau, bis alle die Umfahrung kennen. Aber man darf nicht immer nur auf sich selbst und seinen eigenen Vorteil schauen.»

Marc Portmann stolpert jedenfalls über den Fakt, dass die Stadt 43 Prozent der Kosten trage und scheint im inoffiziellen Meeting nicht überzeugt worden zu sein. In der Gemeinderatssitzung vergangene Woche machte er seinem Ärger Luft. «Bauherr ist der Kanton», wies Bau-Stadtrat Ernst Zülle Kritik am Stadtrat zurück. Und gab uns auf Anfrage Auskunft: «Diese Lösung ist die effizienteste.» Ein 24-Stunden-Betrieb, der nur in Ausnahmefällen, etwa auf Autobahnen, möglich sei, verletze den Landesmantelvertrag des Bauhauptgewerbes (LMV) und das Nachtfahrverbot für LKWs. Auch der Arbeitssicherheit und dem Gesundheitsschutz der Bauleute müsse Rechnung getragen werden. Ganz abgesehen von der Nachtruhestörung der Bevölkerung.

Und mit der Sanierung zu warten, sei ebenfalls keine Alternative. «Ich habe Verständnis für die Kritiker», gibt Stadtrat Zülle zu. «Aber alle Strassen müssen irgendwann saniert werden, und das führt zu Einschränkungen. Wenn es bei den Geschäften und Restaurants zu Umsatzeinbussen kommt, ist das bedauerlich. Aber anders geht es nicht.» Er rät: «Wer kann, soll während der Zeit auf Fahrten verzichten und ÖV oder Velo nutzen.»

Ein Tipp, den Portmann nicht gelten lässt. «Viele sind heute wegen der Arbeit aufs Auto angewiesen – vor allem die, die auf dem Land wohnen.»

Derweil gibt es einen in der Konstanzerstrasse, der der ganzen Geschichte ziemlich gelassen entgegen sieht: der Inhaber vom Bikes-Outlet. «Die Leute kommen zu uns wegen den günstigen Preisen, nicht wegen dem lässigen Anfahrtsweg», sagt Oliver Ösch. Und ausserdem: «Ein besseres Argument für den Kauf eines Velos als mit dem Auto im Stau zu stehen können meine Kunden kaum bekommen.»

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2 thoughts on “Mal aufs Velo umsteigen?

  1. Daniel

    Rüchstaus werden eine Katastrophe werden da ich als Kreuzlinger die Verkehrslage gut erkenne und mich auch für den Verkehr interessiere da ich als 5 Jähriger Knabe schon am Arbeitsplatz und Emmishoferplatz stand um das geschehen zu Beobachten eines will ich euch allen mal mitteilen der Helvetiaplatz ist heute noch sehr Stark von 3 Seiten Befahren wer sich auskennt wird nicht aber den grossen Umweg Tägerwilen Fahren der Fährt Helvetiatunnel úber die Haupt Brúckenstrasse in unsere Nachbarstadt oder direkt vom Blauhausplatz úber den Schönen Boulevard direkt runter schon der Umwelt zuliebe meine Alternative. Wer aus KN kommt und úber Emmishoferzoll Fährt das selbe. Nicht Jammern der Kanton hat leider zuviel Geld in der Kasse schon im Jahr 1999 wusste man das ein Kreisel besonders der Töbelikreisel Betonplatten braucht da es eine Transit und Schwervehrsachse ist und der Emmishoferkreisel wird demnächst auch einer der Nächsten sein dann wieder ein Chaos. LG Daniel Greuter

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    1. Ruedi Anderegg

      Ja Herr Greuter! Wir in der Brückenstrasse freuen uns ja Soooo auf die vielen 100 Pendler die dann täglich 2 x bei uns vorbeifahren und auf die tausenden von Einkaufstouristen am Abend und am Wochenende ! Das ergibt dann in der ganzen Stadt Dauerstau. Die Brückenstrasse bewältigt im Maximum 250 Autos pro Stunde und Fahrtrichtung. Das ist denen im Stadthaus und in Frauenfeld offenbar Wurscht und wir haben dann das Chaos.! Danke

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