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Planänderung besänftigt Kleingärtner

Kreuzlingen – Die Stadt verfolgt ihre «Maximalvariante», alle Kreuzlinger Fussballplätze im Döbeli-Areal zu vereinigen, nicht weiter. Das sorgte für Aufatmen bei Kreuzlinger und Konstanzer Kleingärtnern, hätten sie doch dann zügeln müssen. Ein moderater Ausbau des AS Calcio bleibt gewünscht und wird weiterverfolgt.

Bau-Stadtrat Ernst Zülle (Mitte, Lederjacke) kam zum Ortstermin und berichtete zahlreichen Kleingärtnern und Mitgliedern des AS Calcio. (Bild: sb)

Bau-Stadtrat Ernst Zülle (Mitte, Lederjacke) kam zum Ortstermin und berichtete zahlreichen Kleingärtnern und Mitgliedern des AS Calcio. (Bild: sb)

Der Widerstand gegen die Pläne der Stadt Kreuzlingen, im Döbeli Fussballplätze zu bauen, formierte sich im April 2015 – zunächst von privater Seite, dann auch von politischer. Betroffene Kleingärtner brachten den Konflikt in den Gemeinderat, dieser reagierte. Seitdem muss das Konstanzer Stadtparlament Änderungen betreffend der Kleingärten und der Nutzung im Areal Döbeli absegnen.

Auch beim Parlamentariertreffen im Juni machten die Volksvertreter der Nachbarstadt deutlich: Wenn Kreuzlingen die Pläne, im Döbeli ein aus fünf Plätzen bestehendes «Fussball-Mekka» (Stadtrat Zülle in unserer Zeitung in Ausgabe 50/2015) zu bauen, weiterverfolgt, dann wird es politisch ein wahnsinnig schwerer Weg. Und einer, den auch Kreuzlinger Gemeinderäte mit Steinen belegen.

So kam es, dass zum von der SPD Konstanz und der Kreuzlinger SP einberufenen Treffen vor Ort am vergangenen Mittwochabend Stadtrat Ernst Zülle und Ruedi Wolfender, Leiter des Departements Bau, erschienen und einen Schritt zurück krebsten. «Wir mussten über die Bücher», gab Stadtrat Zülle zu. Auf der Wunschliste stehe nach wie vor das Döbeli. Weitaus realistischer sei heute, die Trennung der Sportstätten – FCK auf Klein-Venedig oder im Seezelg, der AS Calcio im Döbeli – beizubehalten. Das sei schon immer zweite Priorität gewesen, wenn sich das Döbeli als nicht machbar herausstellen sollte, so Zülle. «Wir wollen keine Kleingärten vertreiben». Dafür gab es Applaus.

Stadtrat Zülle betonte, wie wichtig die Zusammenarbeit über die Grenze sei. «Wir müssen die Infrastruktur gemeinsam gestalten.» Offene Ohren habe man für die Wünsche der Stadt Konstanz nach einem Naherholungsgebiet mit neuen Grenzübergängen für den Langsamverkehr im Döbeli. Auf Klein-Venedig wollen beide Städte langfristig Wohn- und Grünanlagen, der Sport soll ins Seezelg ausweichen. Hier soll ein Tenniszentrum entstehen, wenn möglich ein Reka-Feriendorf, für drei Fussballplätze gäbe es Raum.

Um die kantonalen Hochwasserschutzvorgaben umzusetzten, müsse allerdings in naher Zukunft am Saubach gewerkelt werden. Es könne sein, dass sich dadurch kleine Änderungen bei einigen Gärten ergeben, kündigte Stadtrat Zülle an.  Zunächst stehe aber die Verlängerung des Pachtvertrags für das vom AS Calcio genutzte Gelände an. Dieser muss von Konstanz genehmigt werden.

Die Gartenfreunde Döbeli zeigten sich gemäss Schriftführerin Anna Kern «völlig dankbar». Die Umsiedelung hätte «nur» 36 Gärten betroffen, aber für die Besitzer bedeuteten diese «alles». Tina Benoni, Präsidentin des Vereins für Familiengärten Kreuzlingen und Umgebung, zeigt sich ebenfalls erfreut über die Informationen.

Präsident Daniele Scardino legte die Position des Kreuzlinger Vorzeigevereins AS Calcio dar. «Vier Naturrasenplätze oder stattdessen ein Kunstrasenplatz und zwei Naturrasenplätze» wären ein Ausbau, der dem stetig wachsenden Fussballverein, in dem über 200 Kinder und Jugendliche trainieren und rund ein Viertel der Mitglieder über die Grenze zum Kicken kommt, eine langfristige Perspektive eröffnen würde. «Durch unsere Ausbaupläne werden keine Schrebergärten vertrieben», versicherte Scardino. FCK-Präsident Daniel Geisselhardt liess sich entschuldigen und die wenig überraschende Nachricht überbringen, dass sein Fussballverein nicht von Klein-Venedig wegzügeln möchte. Diesen Standpunkt hatte der FCK-Häuptling schon seit Beginn der Diskussion stets vertreten. Mehr noch: Eine Gruppe von Vertretern Kreuzlinger Vereine könnte sich sogar ein «Aktiv-Zentrum», das eine umfangreiche Nutzung des Geländes für Freizeit, Bewegung und Kultur vorsieht, auf dem Areal Klein-Venedig vorstellen (s. Ausgabe 50/2015).

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One thought on “Planänderung besänftigt Kleingärtner

  1. Bruno Neidhart

    Noch vor meinem Wohnortwechsel habe ich im Frühjahr 2016 einen umfangreichen Essay (Text und Bild) über die nun diskutierte Frage bezüglich Kreuzlinger Sportanlagen unter besonderer Berücksichtigung der Belange des FC Kreuzlingen erstellt und die Arbeit der Stadt, sowie den FCK vorgelegt (im Internet abzurufen unter „Sport-und Freizeitpark Seezelg“ – Blog von „portenoskreuzlingen“). Dabei ging es u.a. auszuloten, ob im Osten der Stadt eine grössere Fussballsportanlage heute noch zu erstellen wäre, schrumpfen die freien Flächen in Kreuzlingen ganz allgemein derzeit doch sehr rapide (betrifft nicht nur den Sport!). Die Arbeit habe ich rein privat erstellt.

    Es ging mir nicht darum, am jetzigen Standort Klein Venedig keine Zukunft für Sportplätze zu sehen. Es ging mir vielmehr um eine prinzipielle Fragestellung, wie sich in den kommenden 30 und mehr Jahren die gesamte Raum- und Flächensituation entwickelt. Damit habe ich auch berücksichtigt – berücksichtigen müssen – , dass für Klein Venedig grundsätzlich eine andere Planung besteht als eine sportliche – hüben und drüben – , um das wertvolle stadtnahe Gebiet am See für beide Städte nutzbringend zu gestalten: als attraktives Naherholungsgebiet mit einer – auch baulichen – Infrastruktur, die besonders Kreuzlingen stärker zu einer veritablen „Stadt am See“ machen könnte. Diese Planung ist zwar noch nicht konkretisiert worden, aber schwebt latent über dem Gebiet. Hier läge meiner Ansicht nach entscheidendes Potential für die Stadt als Ganzes.

    In der Folge kam ich auf den Gedanken, dass im Osten der Stadt ein ganzer „Sport- und Freizeitpark Kreuzlingen“ entwickelt werden könnte. Auf einem räumlich kompakten Gebiet zwischen Bahnlinie und See sind bereits heute viele Sport- und Freizeitanlagen angesiedelt. Entsprechend würden sich hier Synergien ergeben, die für die Neu- und Weiterentwicklung von Anlagen genutzt werden könnten.

    Nochmals: Ich möchte die Idee „Sport auf Klein Venedig“ nicht grundsätzlich in Abrede stellen. Nur sehe ich aufgrund meiner breiten Recherchen letztlich ähnliche politische Hemmnisse aufkommen, wie auf dem Töbeli (oder Döbele). Das mindestens sollte vermieden werden. Sonst gehen wieder viele Jahre ins Land, bis etwas Konkretes angepackt werden könnte, das wirklich eine breite Zukunft hätte.

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