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Das Tägermoos – «Untertan zweier Herren»

Konstanz – 500 Jahre Geschichte eines Gebietes, das in der Schweiz liegt aber Konstanz gehört: Die bis 30. Dezember dauernde Sonderausstellung im Konstanzer Rosgartenmuseum widmet sich dem Tägermoos und damit einem «letzten Stück mittelalterlichem Feudalrecht».

«Der kürzliche Pappelstreit von 2015 ist nur ein Kapitel einer Geschichte, die inzwischen 500 Jahre zurück reicht und ein Sammelsurium von Kuriositäten und Besonderheiten aufweist», erklärte Tobias Engelsing, Direktor der städtischen Museen Konstanz, anlässlich der Präsentation der aktuellen Sonderausstellung «Tägermoos – ein deutsches Stück Schweiz». Gleichzeitig sprach er aber auch von wachsendem Druck auf das 150 Hektar grosse Gebiet, auf dem nur noch fünf Gemüsebauern aktiv sind. «Kreuzlingen und Tägerwilen wachsen auf das Tägermoos zu», meinte er und doch könne Konstanz am «letzten Rest mittelalterlichem Feudalrecht festhalten».

Tobias Engelsing über Lage, Status und Geschichte des Tägermoos. (Bilder: zvg)

Tobias Engelsing über Lage, Status und Geschichte des Tägermoos. (Bilder: zvg)

Schweizer waren moderat
Trotz zahlreicher Gelegenheiten habe die Schweiz keine volle staatliche Souveränität über das Tägermoos erlangen können, vielleicht auch nicht wollen, erklärte Tobias Engelsing am Samstagmorgen vor den Medien. Und er wand den Nachbarn ein Kränzchen: «Die Schweizer sind mit Konstanz immer moderat umgegangen, haben auch die Krisenzeiten nicht ausgenutzt, um den Status des Tägermoos zu ihren Gunsten zu ändern». Seit 1831 besteht ein Vertrag zwischen dem damaligen Grossherzogtum Baden und dem Kanton Thurgau, welche die Rechten und Pflichten auf dem Tägermoos regelt. Die Krux: «Es gibt im Vertrag keine Kündigungsklausel, eine einseitige Aufhebung ist deshalb unmöglich», erklärte Engelsing. Die deutschen Gemüsebauern zahlen keine Einkommenssteuer in der Schweiz, Gemüse darf zollfrei nach Konstanz eingeführt werden, die Gerätschaften wechseln die Seiten ebenso unkompliziert. «Und so ist es schwierig, einen neuen Vertrag aufzusetzen, über den seit 2002 eine Arbeitsgruppe brütet». Zudem befindet sich Konstanz in einer guten Position, denn Änderungen des Staatsvertrages müssten heute zwischen Bern und Berlin ausgehandelt werden, für beide Regierungen kein vordringliches Problem.

Ein deutsches Stück Schweiz
Zur Ausstellung erscheint das reich bebilderte Buch «Das Tägermoos» von Tobias Engelsing. Auf 190 Seiten wird die lebhafte und nicht immer einfache Geschichte des «Zweiherrenlandes» nachgezeichnet, es geht um aber auch um die Menschen die im und vom Tägermoos lebten und leben. Das Buch ist im Museumsshop erhältlich.

Die Familie Hörenberg 1902 während der Mittagspause auf dem Tägermoos

Die Familie Hörenberg 1902 während der Mittagspause auf dem Tägermoos

«Makabre Stätte»
Die Ausstellung im Rosgartenmuseum stellt ein wundersames Stück deutsch-schweizerischer Nachbarschaft vor, geht den Ursprüngen dieser einmaligen Grenzverhältnisse nach. Diese liegen im so genannten «Schwabenkrieg» vor etwas mehr als 500 Jahren. Damals verlor Konstanz sein Hinterland, die Eidgenossen rückten bis an die Stadtmauern vor. Konstanz behielt jedoch das Eigentum und die einfachen Hoheitsrechte. Das Tägermoos wurde «Untertan zweier Herren und damit Quelle jahrhundertelanger Konflikte». So liessen es sich die Konstanzer nicht nehmen, verurteilte Delinquenten aus dem Volk am Galgen im Tägermoos hinzurichten. Da nützten auch die Proteste aus der Schweiz nichts: Das letzte Todesurteil an diesem Ort wurde 1774 an der Thurgauerin Anna Maria Häberlin vollstreckt. Verurteilt wegen Diebstahls wurde sie enthauptet. Der Galgen wurde 1833 abgebrochen, «einen kleinen Hügel sieht man noch, das Fundament ist vergraben, doch der Namen Galgenweg erinnert an die makabre Stätte».

Bekannt durch Gemüse
Natürlich ist das Tägermoos heute durch den Gemüsebau bekannt. Die Bauern aus dem Konstanzer Stadtteil Paradies verkauften schon im 18. Jahrhundert ihre Ernten auf den Märkten der Umgebung. Ein grosser Teil von Schwaben und der Schweiz erhielt regelmässig einen grossen Teil «aller möglichen Arten von Feldgewächsen». Mit dem Bau der Eisenbahn fanden Kohlköpfe, Zwiebeln und anderes Gemüse den Weg bis nach Rorschach und Bregenz, «nun kam auch ein gewisser Wohlstand zu den Konstanzer Gemüsebauern», sagte Engelsing. Dass das Rahmenprogramm zur Ausstellung fast vollständig in der Schweiz stattfindet zeigt für den Direktor der städtischen Museen auch, dass «das Tägermoos eine Landschaft zweier Staaten ist, aber in der nur ein Herz schlägt».

Spaziergänge und Exkursionen
«Galgen und Gemüse» heisst ein Flurbegehung zu den Schauplätzen des Tägermoos mit anschliessendem Fischknusperli-Essen in der Tägerwiler Badi. Sie findet am 29. Juli statt. Die Grenzexkursion «Vom Seerhein zum Döbele» unter der Leitung von Arnulf Moser ist eine Radtour am 26. Juli. Durch Gottlieben geht es am 22. Juli und 2. September unter dem Titel «Klein, aber selbständig». Ein unterhaltsamer Spaziergang durch 1000 Jahre Tägerwiler Dorfgeschichte kann am 15. September unternommen werden. Am 26. September gibt es unter dem Titel «Geschichten aus dem Grenzland» einen unterhaltsamen literarisch-musikalischen Abend im Gottlieber Bodman-Haus. Das Rahmenprogramm findet am 9. November mit dem Vortrag «Das Tägermoos als internationaler Konfliktstoff 1945 bis 1955» von Arnulf Moser im Rosgartenmuseum seinen Abschluss. Weitere Informationen unter www.konstanz.de/rosgartenmuseum

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