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Mehr Felchen dank Hochwasser

Landschlacht – Die stetigen Regenfälle im Frühjahr 2016 mit dem Höhepunkt der Überflutung des Rheinbeckens Mitte Juni und einem Rekordpegelstand von 5,20 Meter, dem höchsten Wasserstand des Bodensees seit dem Jahrhunderthochwasser von Pfingsten 1999, verhilft der Fischerei am und im Bodensee zu einer kleinen Entlastung der angespannten Situation. (Internationale Berufsfischer vom Bodensee)

Für Fischer am Bodensee wir die Arbeit immer schwieriger. (Bild: zvg)

Für Fischer am Bodensee wir die Arbeit immer schwieriger. (Bild: zvg)

Mussten die Fischer in den ersten fünf Monaten des Jahres weitere starke Fang Rückgänge gegenüber dem Jahr 2015 (das schlechteste Jahr seit 1917!) verzeichnen, so brachte der Monat Juni eine völlig unerwartete Steigerung der Felchen Fänge. Somit können im Augenblick die Berufsfischer den Bedarf der so beliebten Felchen für den Tourismus und den Einzelhandel einigermassen abdecken.

Durch die grossen Mengen Wasser gelangten auf natürliche Weise endlich wieder vermehrt Nährstoffe und das zur richtigen Jahreszeit, in den Bodensee. In dieser Folge entwickelte sich in relativ kurzer Zeit in biologischen Prozessen das für die Felchen so lebensnotwendige tierische Plankton, seit ver Wochen finden die Felchen genügend Nahrung im Freiwasser des Bodensees. Die Fische sammeln sich an den Nahrungsplätzen und haben in dieser relativ kurzen Zeit bereits ca. 30 bis 50 Gramm an Körpergewicht hinzugewonnen und sind so zum Teil in die derzeit erlaubten Maschenweiten hineingewachsen und können gefangen werden.

Die Natur zeigt aktuell, wie schnell der See auf freiverfügbare Nährstoffe im Wasser reagiert und die gesamten Wachstumsprozesse in Gang gesetzt werden können. Etwas mehr Eintrag von Phosphat, z.B. durch Einleitung in die oberen, also wärmeren Wasserschichten, oder durch eine eventuelle Reduktion der chemischen Fällmittel in den Klärwerken, könnte dann sehr schnell der Nahrungskette im Bodensee zur Verfügung stehen. Dies muss sicherlich mit dem richtigen Augenmass geschehen, denn dann können die Nährstoffe sofort in den Nahrungskreislauf aufgenommen werden und schlussendlich in das hervorragende Lebensmittel «das Bodenseefelchen» umgesetzt werden.

Die letztjährigen Kieselalgenblüte, grün schimmerndes Bodenseewasser über mehrere Wochen im Juli/August ist sicher vielen noch in Erinnerung. Diese verhinderte die Bildung des so wichtigen Tierischen Planktons (Zooplankton, Nahrungsgrundlage der Felchen), was zu einem Ausfall, bzw. einer Verknappung des Nahrungsangebotes der Felchen führte. Mit Sorge blicken die Fischer daher der aktuell anstehenden Kieselalgenblüte und deren Auswirkung für das weitere Fang Jahr 2016 entgegen.

Die aktuelle Situation zeigt aber deutlich: Ohne Änderungen der Nährstoffverhältnisse im Bodensee wird es unter normalen Wetterbedingungen in den kommenden Jahren weiter keine Verbesserung der Gesamtsituation der Berufsfischerei geben. Das Jahr 2016 wird eine Ausnahme bleiben.

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