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Was tun mit den alten Bunkern?

Konstanz/Kreuzlingen – Architekturstudierende haben sich die Artilleriebunker des Festungsgürtels in Kreuzlingen zum Projekt gemacht.

Die Bunker könnten künftig als Unterkunft für Touristen dienen, wie im Entwurf von Julia Schall, Sabrina Huber und Iris Dewit. (Bild: zvg)

Die Bunker könnten künftig als Unterkunft für Touristen dienen, wie im Entwurf von Julia Schall, Sabrina Huber und Iris Dewit. (Bild: zvg)

Wenn man mit dem Fahrrad von Kreuzlingen nach Gottlieben unterwegs ist, kann man sie am Waldrand entdecken: Die Artilleriebunker des Festungsgürtels Kreuzlingen. Sie liegen in der Landschaft, befremdlich, unbekannt, fast mystisch, wie Monumente aus einer anderen Zeit und das sind sie ja schliesslich auch. Heute werden sie nicht mehr gebraucht, es gibt keine wirkliche Verwendung mehr für die Rückzugsmöglichkeiten aus meterdickem Beton. Eine Herausforderung für junge Studierende der Hochschule Konstanz und der niederländischen Kunstakademie in Arnhem, die im Rahmen der diesjährigen Summer School unter der Leitung von Prof. Dr. Andreas Schwarting und Prof. Leonhard Schenk die Aufgabe bekommen haben, mit den Bunkern Projekte zu entwickeln – rein fiktiv.
Die Studierenden haben die Bunker im Rahmen einer Führung des Vereins Festungsgürtel in Kreuzlingen unter der Leitung von Urs Ehrbar besichtigt und sich danach an die Planung ihrer Projekte gemacht. Dabei sind unterschiedliche Ausführungen zustande gekommen.

Im Zentrum stehen Kontraste
Es geht darum, die Thematik dualistisch zu erarbeiten. Auf der einen Seite bestehen die Festungen in Militärarchitektur. Sie sind rein funktional konzipiert und dienten ab den 1930er Jahren bis nach Ende des Kalten Krieges zur Verteidigung des Schweizer Territoriums, die durch die linksrheinische Lage von Konstanz erschwert war.  80 Bunker liegen auf einer Strecke von zwölf Kilometern, sie sind nicht wieder zu demontieren.« Man kann nicht einfach so eine Mauer einreissen oder eine Oberfläche entfernen, das stellt die Studierenden vor  Herausforderungen», sagt Prof. Schenk. «Teilweise führt dies zu architektonischen Phantasien, die in der Realität nicht umsetzbar wären.» Auf der anderen Seite stehen die Ideen, Pläne und Visionen der Studierenden, mit einem neuen Blick auf die Geschichte.

Volumen, Raum, Begehbarkeit
Die Frage, die allen Projekten zugrunde liegt, ist: Wie interveniert man in die gegebene Struktur? Lässt man den Bunker bestehen, wie er ist, oder verändert man die bauliche Substanz? Hierauf wurden von den Studierenden unterschiedliche Antworten gegeben. So würde eine Projektgruppe Wohnraum und Werkstatt für einen Künstler errichten, mit Glasobjekten auf dem Dach, in welchen Ausstellungsraum und Atelier eingerichtet wären. Der harte, dunkle Bau würde mit den transparenten Körpern komplementiert. Dies ist unterstrichen von der Bahnlinie, die über den Bunker führt.

Symbole für den Frieden
Eine andere Idee ist es, den Raum von seiner Bedeutung als Kriegsrelikt zu befreien. Hierzu würden die innenliegenden Raumelemente eingerissen und in ihrer Form als schwebende Leuchtkörper über dem Wald erscheinen. Als Sinnbild für den Frieden, für Freiheit, für die nicht greifbare Utopie des weltweiten Endes von Krieg und Terror. Ebenfalls den Frieden thematisiert ein anderes Projekt, das den Bunker zum Ort der Begegnung macht. Dort, wo einst zur Tötung gerüstet wurde, könnte eine grosse Feuerstelle entstehen, die einlädt, zum Verweilen, zum Beisammensein und dennoch als Mahnmal fungiert an eine Zeit, die nicht vergessen werden darf. Drei Studentinnen nähern sich dem Bunker ganz im Rahmen des lokalen Tourismus. Sie errichten ein fiktives Bed’n’Bunkers (siehe Bild) für Urlaub im gemütlich ausgebauten Betonkubus. Dazu gäbe es einen Fahrradverleih, eine Wellnessoase und Platz für die Lagerung und den Verkauf von heimischen landwirtschaftlichen Produkten – kühl genug ist es ja in so einem Keller. Und auch architektonisch ungewöhnliche Methoden kommen zum Einsatz: Eine Projektgruppe lässt den Bunker Bunker sein und fokussiert sich ganz auf die umgebende Landschaft, die umgestaltetet werden könnte. Auf einstigen Schusslinien würden Alleen gepflanzt, wo Stacheldraht war wüchsen Brombeerhecken, über einem Moor entstünde ein Catwalk. Das Todesareal würde zum englischen Garten, die historischen Zusammenhänge wären naturalistisch visualisiert. Ob die Projekte auch ausserhalb der Hochschule Anwendung finden könnten, ist ungewiss. Schön wäre aber, wenn die grauen Riesen wieder Leben und eine neue Bedeutung erhalten würden.

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