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Ein Tag bei der Unterwasserpolizei

Kreuzlingen – Ein Auto rollt in den See. Die Handbremse war nicht angezogen. Was passiert nun? Ein Einsatz der Polizeitaucher der Kantonspolizei Thurgau.

Zwei Taucher bergen ein Auto aus dem Grund des Hafens. (Bild: Kapo TG)

Zwei Taucher bergen ein Auto aus dem Grund des Hafens. (Bild: Kapo TG)

Ruhig ist es im Schiffshafen am Morgen. Ein paar Möwen kreisen über dem Wasser, eine Entenfamilie schwimmt am Ufer, über den See kann man im Dunst das Konstanzer Münster erkennen. Eine perfekte Urlaubsidylle. Der siebenjährige Lorenz Köhle ist mit seinen Eltern im Urlaub hier. Sie übernachten auf dem Boot im Hafen. Dabei wird die Familie Zeuge eines ungewöhnlichen Spektakels. Ein Auto steht an der Schiffsrampe, der Fahrer hat offensichtlich vergessen, die Handbremse anzuziehen, denn plötzlich kommt der Wagen ins Rollen und landet im See. Dass es sich hier um keinen Unfall handelt, ist schnell klar. Am Ufer und auf einem Schiff befinden sich Polizisten der Kantonspolizei Thurgau und schon bald gesellen sich zahlreiche Journalisten zum Schauplatz hinzu. Auch Lorenz holt schnell seine Kamera, um nicht zu verpassen, was nun geschieht. Er und alle anderen dürfen nämlich mit dabei sein,  wenn das Auto von Polizeitauchern geborgen wird.Das Auto befindet sich drei Meter unter der Wasseroberfläche. Auf dem Grund wächst hohes Seegras  auf Schlick – beides Faktoren, die den Einsatz erschweren, da beinahe keine Sicht vorhanden ist.

Unter Wasser arbeitet man nahezu blind – wie sich im Video der Kapo TG erkennen lässt:

Die Handgriffe der Polizeitaucher müssen also sitzen. Sie befestigen Hebeschläuche an den Radachsen und befüllen diese anschliessend mit 500 Litern Luft. Somit entspricht dies dem Gewicht des Kleinwagens, womit dieser sich an die Oberfläche erhebt. Das geht innerhalb von Minuten. «Wir müssen so schnell sein, wie es nur geht, ansonsten wird das Wasser verschmutzt», sagt einer der beiden Taucher, Bruno Schyder. Er ist seit 30 Jahren Polizeitaucher und begleitet im Team die jährlich 20 bis 30 Einsätze. Es gibt zwölf Taucher und eine Taucherin, die diese Aufgabe als Zusatzqualifikation mitsichbringen. «Man braucht ein gutes Team, dem man blind vertrauen kann», so Schnyder. Das bestätigt auch Dienstzweigchef Marcel Kuhn: «Als Polizeitaucher arbeiten wir sehr nahe zusammen. Jeder vertraut dem anderen sein Leben an.»

Lorenz Köhler filmt das Geschehen. (Bild: vf)

Lorenz Köhler filmt das Geschehen. (Bild: vf)

Wenn keine Spezialeinsätze unter Wasser sind, arbeiten sie bei der Seepolizei und führen beispielsweise Schifffahrtskontrollen durch. Sie haben eine Ausbildung zum Polizeitaucher gemacht und trainieren regelmässig bei Übungseinsätzen. Von kleineren Gegenständen wie Schlüsseln, Diebesgut oder Tatwaffen, die entsorgt wurden, über Autos, Schiffe, Helikopter und Flugzeuge haben sie auch schon mehrfach Personen aus dem Wasser geborgen. Auch in der Freizeit sind die Polizisten dem Tauchen nahe. Allen ist eine grosse Verbundenheit zum Bodensee und eine Leidenschaft für das Dasein auf dem Wasser anzumerken. «Es ist ein abwechslungsreicher Beruf. Die Zeit vergeht schnell und kein Tag ist wie der andere. Natürlich gibt es auch weniger schöne Momente, wenn man Personen birgt zum Beispiel. Aber das gehört zur Polizeiarbeit dazu», sagt Kuhn. Für den kleinen Lorenz war es jedenfalls ein spannender Morgen und der Einsatz der Polizeitaucher wird ihm mit Sicherheit als tolles Ferienerlebnis in Erinnerung bleiben.

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