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Gute bis sehr gute Wasserqualität

Frauenfeld – In der jüngeren Vergangenheit wurde verschiedentlich über die Wasserqualität unserer Bäche und Flüsse berichtet. Besonders die Salmsacher Aach stand im letzten Jahr im Fokus. Unsere Untersuchungen aus dem Jahr 2015 im Einzugsgebiet des Bodensees zeigen, dass sich die Wasserqualität im gesamten Einzugsgebiet, verglichen mit der Kampagne im 2012, deutlich verbessert hat. Rund zwei Drittel der untersuchten Gewässer weisen eine gute bis sehr gute Wasserqualität auf.

Das Gewässermonitoring im Thurgau stellt eine flächige Basisüberwachung der rund 1‘930 Kilometer Fliessgewässer im gesamten Kantonsgebiet dar. Im Dreijahresturnus werden jeweils die Einzugsgebiete des Bodensees, der Murg sowie der Thur an je rund 40 Stellen während eines Jahres monatlich auf die klassischen Gewässerparameter untersucht. Neben den Nährstoffen (Phosphor / Stickstoff) werden die organische Belastung, der Sauerstoffgehalt sowie Parameter wie Chlorid, Natrium, Sulfat, Kalium (Hinweis auf anthropogene Einflüsse) untersucht. Bei total rund 120 Messstellen ergibt das pro 16 km Fliessgewässer eine Untersuchungsstelle. Kleinere Bäche werden jeweils im Mündungsbereich beprobt, grössere Fliessgewässer an mehreren Stellen (an der Thur befinden sich z.B. sechs Messstellen). Die vier Fliessgewässer Chemmenbach, Lauche, Murg und Salmsacher Aach werden zusätzlich im Rahmen der «Nationalen Beobachtung Oberflächengewässerqualität (NAWA)» immer monatlich untersucht.

Detailuntersuchung
Detailuntersuchungen sind in der Regel eine Folge des Fliessgewässermonitorings, oder kommen auf Grund einer Meldung Privater zu Stande. Die detaillierte Untersuchung eines Gewässers ist eine aufwändige Arbeit. Vor allem diffuse Belastungen (d.h. Belastungen, die sich nicht genau lokalisieren lassen) können nicht immer nachgewiesen werden. Bei Detailuntersuchungen läuft ein Gewässerökologe/-ökologin den gesamten betroffenen Bachabschnitt mehrmals von März bis Oktober ab, und prüft anhand von feldbiologischen Methoden die Veränderung der Wasserqualität entlang des Gewässers. Besonders im Fokus stehen Zuflüsse oder Einleitungen (Drainagen / Meteorwasserleitungen oder ähnliches).

Gewässerverschmutzung
Von einer Gewässerverschmutzung wird gesprochen, wenn z.B. eine Meldung eingeht, dass ein Bach trüb sei, das Wasser stinke oder wenn eine intensive Schaumbildung beobachtet wurde. In der Regel ist dies mit den Sinnesorganen (vor allem Nase und Auge) erkennbar. Eine Gewässerverschmutzung kann auch dann vorliegen, wenn die Gewässerbiologie nicht geschädigt wird. Wichtig ist, dass mit der Meldung einer entsprechenden Beobachtung nicht zugewartet, sondern die Polizei unverzüglich informiert wird. Je länger man wartet, desto schwieriger ist es, den Verursacher zu finden. Der Pikettdienst des AfU rückt aus, um den Sachverhalt zu prüfen und Massnahmen einzuleiten. Dies geschieht meist in enger Zusammenarbeit mit der Fischereiaufsicht.

Gewässerbiologin Margie Koster nimmt eine Wasserprobe aus der Murg. (Bild: zvg)

Gewässerbiologin Margie Koster nimmt eine Wasserprobe aus der Murg. (Bild: zvg)

Spezielle Kampagnen
Spezielle Messkampagnen kommen dann zum Einsatz, wenn nicht klar ist, ob ein Stoff oder eine Situation ein Problem für die Gewässer darstellt. Ein klassisches Beispiel sind die Pflanzenschutzmitteluntersuchungen des AfU in den Jahren 2006 bis 2011 oder auch die NAWA-Untersuchung der Salmsacher Aach. Als Folge solcher Untersuchungen (nicht nur im Kanton Thurgau) hat der Bund beschlossen, einen Aktionsplan Pflanzenschutzmittel zu initiieren, mit dem Ziel, den Eintrag von Pflanzenschutzmittel in die Gewässer signifikant zu reduzieren.

Untersuchungsmethoden
Die Qualität eines Gewässers wird von verschiedenen Faktoren bestimmt. Wir unterscheiden

  • chemische Parameter (Inhaltsstoffe),
  • physikalische Parameter (Temperatur, Hydrologie, Morphologie),
  • biologische Parameter, wie Präsenz und Zusammensetzung aquatischer Fauna und Flora (Wassertiere, Algen und höhere Pflanzen).

Zwecks einheitlicher Erfassung und Beurteilung des Zustandes der Schweizer Fliessgewässer wurde vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) das Modul-Stufen-Konzept erarbeitet. Es ist ein von verschiedenen Schweizer Gewässerfachstellen entwickelter, interdisziplinärer Ansatz zur Untersuchung und Bewertung des Gewässers und des Gewässerraums. Die gemessenen Parameter werden dabei fünf Qualitätsklassen zugeordnet.

Zur Überwachung der Thurgauer Fliessgewässer werden flächendeckend sowohl chemische Methoden und als auch biologische Methoden (Kieselalgenbestimmungen) eingesetzt. Beim gezielten Suchen nach möglichen Ursachen einer lokal schlechteren Wasserqualität verwenden wir zudem eine Vielfalt der im Modul-Stufen-Konzept vorgesehenen Methoden.

Aufspüren von Belastungsquellen
Chemische Inhaltstoffe analysiert das AfU in einem eigenen, zertifizierten Labor. Aufwändigere Verfahren, wie solche zur Bestimmung von Pflanzenschutzmitteln (PSM), Lösungsmitteln oder Schwermetallen, werden extern vergeben. Das Problem bei vermutetem PSM-Einsatz ist, dass die Analysekosten pro Probe sehr hoch sind und nur ein Teil der möglichen Substanzen auch analysiert werden kann. In solchen Fällen wird die Langzeitüberwachung eingesetzt. Dabei wird ein Toxizitätstest vor Ort eingebaut und jede Woche kontrolliert. Oft eingesetzt wird ein sehr einfacher Test mit Bach-eigenen Flohkrebsen (Gammarus sp.). Zudem ist ein vom AfU mitentwickelter Test mit Gammariden, den man in Schächten anwenden kann, im Einsatz. Wenn die Tiere Verhaltensstörungen zeigen oder sterben, können gezieltere Wasserproben für spezifische PSM-Analysen erhoben werden. Die Tests helfen das «wann und wo» der Belastung aufzuspüren.

Vor Ort hilft das Anschauen der Wasserlebewesen, um die Belastungsquelle bei Gewässerverschmutzungen zu finden. Bei akuten Fällen kann das Vorhandensein eines unbekannten giftigen Stoffes (oder Mischung) im Labor mit einem standardisierten Wasserflohtest (Toxizitätstest) nachgewiesen werden. Wasserflöhe (Daphnia) sind einheimische, sehr sensible Minikrebse, die in Weihern und Seen leben.

So wird die Suche nach Ursache und Verursacher einer Gewässerverschmutzung zu einer Arbeit, die vielen Hinweisen folgt, an der viele beteiligt sind – und leider trotzdem nicht immer von Erfolg gekrönt ist. Detektivarbeit eben.

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