/// Rubrik: Artikel | Stadtleben | Topaktuell

Strahlenmast sorgt für Aufruhr

Kreuzlingen – Wird ein Strahlenmast auf einem Wohnhaus errichtet, ist das nicht gerne gesehen. 40 Parteien haben gegen die geplante Antenne im Grünen Hof 3 Rekurs erhoben.

Die Halterung für die Mobilfunkantenne wurde bereits auf dem Dach des Hauses befestigt. (Bild: vf)

Die Halterung für die Mobilfunkantenne wurde bereits auf dem Dach des Hauses befestigt. (Bild: vf)

Ein schlechtes Mobilfunknetz mit ständigen Unterbrechungen und Störungen nervt. Doch für einen flächendeckenden Empfang müssen entsprechend viele Sendemasten platziert werden. Eine Antenne auf dem eigenen Dach – da hält sich die Begeisterung dann aber in Grenzen. So auch im aktuellen Fall: Im Grünen Hof 3 soll eine Mobilfunkantenne auf dem Dach eines Hauses errichtet werden. Im März diesen Jahres wurde der Bau, trotz einer Einsprache von über 500 Gegnern, bewilligt. Daraufhin wurde der Rekurs eingeleitet, nach Auskunft von Marco Sacchetti, Generalsekretär im Departement für Bau und Umwelt in Frauenfeld, seien 40 Parteien am Rekurs beteiligt. Laut des Vereins «Strahlungsfreies Kreuzlingen» gäbe es durchaus Alternativen. Beispielsweise könnte man solche Mobilfunkantennen ausserhalb von Wohnsiedlungen aufstellen oder durch Kleinfunkanlagen mit geringer Strahlenfrequenz eine punktuelle und bedarfsorientierte Versorgung gewährleisten. Die Argumente der Gegner werden nun vom Kanton geprüft. Dazu fand ein Augenschein am Dienstag, 16. August, statt. Anwesend waren Simon Kälin, Praktikant des Departements Bau und Umwelt, Rechtsanwälte der Firma Salt, die für die Errichtung der Antenne verantwortlich ist, Jürg Vetterli, der Rechtsanwalt der Stadt Kreuzlingen, Stefan Zbornik, vom Verein «Strahlungsfreies Kreuzlingen», sowie einige Anwohner und Interessierte.

Unsicherheit und Angst
Auf Seiten der Anwohner war eine grosse Unsicherheit spürbar. Niemand wollte auf ein Foto, keiner war bereit, sich kritisch zu äussern. Eine Anwohnerin mit Fragen wurde barsch abgewiesen. Als Kälin andere Interessierte sowie Vertreter der Medien des Platzes verwies, gingen die Storen der Wohnungen nach unten, Fenster wurden geschlossen. «Wahrscheinlich haben die Anwohner Angst, dass sie ihre Wohnungen verlieren, wenn sie sich kritisch äussern», mutmasst Siegfried Annaheim, Gegner der Antenne. Zbornik erklärt, dass die Hausbesitzer von den Firmen Geldbeträge erhalten, als Miete für den Stellplatz der Antennen. Die Summe belaufe sich auf zirka 7000 Franken im Jahr. Prompt erscheint eine Hausbesitzerin von Gegenüber, mit einem entsprechenden Angebot, das sie ausgeschlagen hat. Man werde von den Firmen regelrecht überredet: «Wenn Sie es nicht machen, schlägt ihr Nachbar zu, der hat schon fast unterschrieben. Und die Strahlung ist nicht so stark, wenn man unmittelbar darunter ist», so seien die Argumente laut Zbornik. Der finanzielle Anreiz ist für Eigentümer eines Luxuswohnhauses eher zu vernachlässigen. Somit trifft es die sozial Schwachen, die unter der Strahlung zu leiden haben. Weiter erklärt Zbornik, dass in wissenschaftlichen Studien nachgewiesen wäre, dass die Strahlung Tumore und Krebs verursacht, sowie empfindliche Menschen vehement stört. «In einer besseren Wohngegend würde das Aufstellen einer solchen Antenne zur Folge haben, dass die Anwohner sich neue Wohnungen suchen und ausziehen würden. Für die Menschen hier ist es schwierig, etwas Vergleichbares zu finden, sie werden bleiben», so der promovierte Wirtschaftsinformatiker.

Hohes Risiko für Mensch und Umwelt
Weiter erklärt Zbornik, dass die Firma Amcor, die in unmittelbarer Nachbarschaft liegt, von den Auswirkungen der Strahlen betroffen ist. Deren technische Gerätschaften könnten mitunter Fehlfunktionen haben, im schlimmsten Falle mit Kurzschlüssen oder Bränden als  Konsequenzen. Daher müsste ein Gutachten vorgelegt werden, das dieses Risiko ausschliesst. Nach Auskunft des Vereins «Strahlungsfreies Kreuzlingen» sei dieses Gutachten nicht erstellt worden. Raphael Fiedler, Geschäftsführer von Amcor, sieht hingegen keine Bedenken. Sein Unternehmen steht der Angelegenheit neurtral gegenüber. Von offizieller Seite wird zu diesen Vorwürfen weder von Seite der Stadt noch des Kantons Stellung genommen. Bis der Rekurs abgeschlossen ist, bleiben alle Dokumente unter Verschluss.

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.