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Kunst im Zivilschutzbunker

Salenstein – Die international renommierten Kunstschaffenden Martin Walde, Björn Schülke, Boris Petrovsky und Martina Lauinger präsentieren ihre Werke noch bis zum 30. September in den Räumlichkeiten von THE VIEW Contemporary Art Space.

Björn Schülke – Defender (Bild: The View)

Björn Schülke – Defender (Bild: The View)

Ein umgenutztes Wasserreservoir, ein Zivilschutzbunker und ein militärischer Unterstand aus dem Kalten Krieg dienen den Künstlern und der Künstlerin als Kulisse für ihre Arbeiten. Die drei dezentralen Räumlichkeiten in Salenstein und Berlingen machen das Konzept von THE VIEW aus und werden von Kunstliebhabern und -interessierten gleichermassen als Kunst- und Erlebnisraum erfahren und wahrgenommen.

Martin Waldes künstlerische Unternehmungen sind geprägt von der Natur, seiner Neugierde und vom Geheimnisvollen – ein Finder und Erfinder von Formen. Mit einem geradezu alchemistischen Interesse seziert er definierte Prozessabläufe von Komponenten, um Elemente darin zu verändern, auszutauschen und um Neues entstehen zu lassen. Im Wasserreservoir zeigt Martin Walde die Serie seiner faszinierenden «Hallucigenias» – eine ausgestorbene Tiergattung aus dem Präkambrium, die vor zirka 550 Mio. Jahren den Boden der Ozeane bewohnte. Haben Sie sich von seinen leuchtenden fragilen skulpturalen Glasgefässen bereits verzaubern lassen? Die Glasskulpturen verdanken ihr inneres Leuchten einer Edelgasmischung – durch die Ionisierung von Edelgasatomen entsteht Plasma-Licht.

Inspiriert von unter anderem Forschung und Wissenschaft, Maschinen- und Flugzeugbau, Raumfahrt und Architektur entwickelt Björn Schülke mit spielerischer Leichtigkeit kinetische, interaktive Objekte. Dem Wunsch des Künstlers im Zivilschutzbunker seine Werke auszustellen, wurde seitens THE VIEW gerne entsprochen. «Die Räumlichkeiten korrespondieren sehr gut mit meinen Skulpturen. Meine Arbeiten erkunden, beobachten und überwachen. Die nackte und klare Betonarchitektur verstärkt die künstlerische Auseinandersetzung noch zusätzlich», so Schülke. Die Arbeit «Defender» wurde eigens für den Zivilschutzbunker hergestellt. Rotierende Spiegel reflektieren das harte, auf die Arbeit treffende Licht zurück in den Raum. Ein Blasebalg saugt Luft und bläst sie anschliessend durch eine Orgelpfeife, laut tönend, wieder aus.

Boris Petrovsky präsentiert mystisch- sowie wohlklingende Werke wie z. B. «Spa» und «iSmell» im militärischen Unterstand oder «Ouroboros» im Wasserreservoir. Mit dem Werk «iSmell» wurde ein ausgedienter Parfümerie-Schriftzug neu in Szene gesetzt, denn, «Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters» (Petrovsky). Mit «Ouroboros» zeigt der Künstler einen Zug ohne Anfang und Ende – eine mediale Neuinterpretation des altägyptischen Symbols einer Schlange, die sich in den eigenen Schwanz beisst und so mit ihrem Körper einen geschlossenen Kreis bildet. Die Lokomotive jagt dem Zugende nach – der Zukunft entgegen, die Wagons hinter der Lokomotive entsprechen der Vergangenheit und werden nachgezogen. Und wer lebt die Gegenwart?

Die Künstlerin Martina Lauinger zeigt in der Schreinerei 14 Skulpturen aus Stahlrohren in Form von «Knoten», «Chromosomen», «Paare» sowie «Gruppen» und verarbeitet in ihren Stahlplastiken Lebensthemen wie Geschlechterfragen, soziale Beziehungen, Gentechnik sowie die Dualität von Norm und Abweichung. Die «Knoten» symbolisieren menschliche Blockaden und Fesseln, die nach Auflösung und Befreiung rufen. Martina Lauingers «Paare» und «Gruppen» fragen in der Spirale der Klassifizierungen und Bewertungskriterien sowie der Konditionierungen und Kontrolle wo der Mensch im Prozess bleibt. Die Werke stehen als Sinnbild von Partnerschaft, Gemeinschaft, Zugehörigkeit und Liebe zwischen Mann und Frau, aber auch zwischen den Menschen und sozialen Gefügen.

Die Ausstellung ist jeweils freitags und samstags von 11 bis 19 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Führungen sind auch ausserhalb der Öffnungszeiten auf Voranmeldung unter Telefon 071 669 19 93 oder info@the-view-ch.com möglich. Die Ausstellung ist aufgrund der dezentral gelegenen Räumlichkeiten und der bewusst gewählten persönlichen Gästebetreuung nur geführt zu besichtigen.

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