/// Rubrik: Stadtleben

Rosiges Ehrenamt

Kreuzlingen – Im September berät der Gemeinderat darüber, den städtischen Museen mehr Mittel zuzusprechen und damit das kulturelle Angebot zu professionalisieren. Doch selbst mit dem neuen Museumskonzept braucht es freiwillige Helfer. So auch im Museum Rosenegg. Ohne den ehrenamtlichen Einsatz wäre das Museum Rosenegg, das Haus mit kulturellen Aktivitäten, in seiner derzeitigen Form undenkbar.

Marianne Vögeli (l.) und Heidy Bachmann halten das Haus mit kulturellen Aktivitäten am Laufen.  (Bild: ek)

Marianne Vögeli (l.) und Heidy Bachmann halten das Haus mit kulturellen Aktivitäten am Laufen. (Bild: ek)

Die Apérogläser für die sonntägliche Matinée sind bereits aufgedeckt, an der Kasse wird der Besucher von zwei freundlichen Damen angelächelt. «Willkommen im Museum Rosenegg», begrüsst Heidy Bachmann Neuankömmlinge. Seit neun Jahren hilft sie ehrenamtlich im Museum an der Bärenstrasse 6 mit, den Besuchern Wissenswertes über die Region und hiesigen Kunstschaffenden zu vermitteln. «Ich war davor bei der Stadtverwaltung tätig und hatte durch meine Arbeit immer wieder mal mit dem Museum zu tun», so Bachmann. «Da musste ich nicht lange nachdenken, als ich um Hilfe gebeten wurde.»

Auch Marianne Vögeli wurde persönlich angefragt, im Rosenegg mitzuwirken. Für die Kreuzlingerin kein unbekanntes Terrain, arbeitete sie doch davor im Napoleonmuseum in Salenstein. «Damals jedoch noch nicht unentgeltlich», lacht Vögeli, welche nun seit einem Jahr freiwillig in Kreuzlingen mitwirkt. Mit 65 wurde sie in den Ruhestand geschickt. «Ich fühlte mich jedoch noch fit und wollte weiterarbeiten», so die Emmishoferin. Das Pensum ist mit drei bis vier Einsätzen im Monat nun zwar kleiner, dennoch sei es schön, eine Aufgabe zu haben, und Kontakt mit anderen Leuten zu pflegen. Zur guten Laune im Team trage auch die Arbeitseinteilung bei: Es wird immer in Zweierpaaren gearbeitet, so kommt keine Langeweile auf und im Notfall ist jemand zur Stelle. «Immerhin wird uns die Verantwortung über das ganze Haus Rosenegg übertragen», sagt Bachmann nicht ohne Respekt vor dem ehemaligen Stammsitz der Familie Bächler.

Kein verstaubtes Museum

Das Museum Rosenegg. (Bild: archiv)

Das Museum Rosenegg. (Bild: archiv)

Zwischendurch läutet das Telefon, Bachmann gibt fundiert Auskunft, nicht ohne gleich noch Werbung für das Klavierkonzert am Sonntag zu machen. «Bei uns braucht es Allrounder», beschreibt sie die Voraussetzungen, um im Museum mithelfen zu können. Die Aufgaben reichen von Schlüsseldienst, Alarm ausschalten, Kassendienst über Brote streichen bis hin zur Kaufberatung der verschiedenen Kunst- und Geschichtsbücher. «Dazwischen muss man aber auch mal die Exponate abstauben», schmunzelt die Kreuzlingerin. Die grösste Herausforderung sei für sie der Umgang mit den Computern gewesen, erinnert sich die Rosenegg-Veteranin zurück. Zuverlässigkeit und Freude am Kontakt mit Mitmenschen sei jedoch das Wichtigste bei ihrer Arbeit. Über die Jahre sind dabei immer wieder Aufgaben hinzugekommen. Neben Dauer- und Sonderausstellungen und Kaffee-Ecke gibt es auch Konzerte oder private Anlässe zu betreuen. Marianne Vögeli hat sogar selbst schon Besucher durch eine Ausstellung geführt. «Die Ausstellung behandelte das Quartier Emmishofen, da konnten die Besucher von meinen Erinnerungen profitieren », sagt Vögeli, deren Familie bereits über 100 Jahre in Emmishofen zu Hause ist.

Auch Profis brauchen freiwillige Hilfe
Zwölf Helferinnen sind zurzeit im Aufgebot, um den nachmittäglichen Museumsdienst zu übernehmen. Bisher konnte noch jeder Dienst besetzt werden. Ein bis zwei Freiwillige mehr könnten auch in Zukunft für diesen Umstand sorgen. Gerade in den Sommerferien sei es eng geworden mit Helferinnen, da mussten Vögeli und Bachmann öfter als sonst antraben. Die beiden wünschen sich vor allem eine männliche Unterstützung im ausschliesslich aus Frauen bestehenden Team. Besonders beim Umbau von Ausstellungen würden oft kräftige und handwerklich begabte Hände fehlen. Einen akuten Mangel an freiwilligen Helfern hatte das Museum zum Glück nie, seitdem die Museumsleiterin Heidi Hofstetter im Amt ist. «Meistens können wir Abgänge im Team gleich wieder aus dem Bekanntenkreis kompensieren», so Hofstetter, welche selber seit 1998 ehrenamtlich im Museum tätig ist. Doch neigt sich ihre Zeit dem Ende zu. Die Stadt plant, die Führung des Museums zu professionalisieren, die Bürger stimmen am 27. November über einen jährlich wiederkehrenden Beitrag von 380000 Franken an die drei städtischen Museen ab. An der Freiwilligenarbeit wird dies nicht viel ändern. Neu wird die ehrenamtliche Tätigkeit einfach von einer bezahlten Leitung betreut werden. «Selbst die grössten Kulturhäuser sind auf Freiwilligenarbeit angewiesen», weiss Hofstetter. Sorgen macht ihr die nahe Zukunft des Roseneggs auf jeden Fall nicht. «Meine Helferinnen sind super, ich habe noch nie einen Korb bekommen und sie kommen immer mit Freude arbeiten», lobt Hofstetter ihr Team. Die beiden lebenslustigen Frauen Vögeli und Bachmann denken auf jeden Fall noch lange nicht ans Aufhören. «Dafür ist es einfach zu schön, in dem alten Haus Rosenegg zu arbeiten», verabschieden sie sich.

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