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Glanzresultate für beide Botschaften

Kreuzlingen – Der Gemeinderat stellt sich einstimmig hinter die Erhöhung der Subventionen für Seemuseum, Museum Rosenegg und Planetarium-Sternwarte. Für den Neubau des Stadthauses gab es ein ganz dickes Ja. Lediglich die FDP/EVP-Fraktion zeigte sich gespalten. Jeweils drei Mitglieder enthielten sich oder versagten die Zustimmung.

Schlanker Bau: Das geplante Stadthaus auf der Festwiese. (Bild: IDK)

Schlanker Bau: Das geplante Stadthaus auf der Festwiese. (Bild: IDK)

Am 27. November stimmen die Kreuzlinger Stimmbürger über zwei Grossbotschaften ab. Zum einen geht es um die Genehmigung eines jährlich wiederkehrenden Beitrages von 380’000 Franken an den Betrieb der drei Institutionen Seemuseum, Museum Rosenegg und Planetarium Sternwarte. Das sind 265’000 Franken mehr als bisher. Sie sollen unter anderem ermöglichen, bezahlte Fachleute für die Leitung einzustellen (wir berichteten). Für den Neubau des Stadthauses beantragt der Stadtrat einen Kredit von 47,5 Millionen Franken. Die Botschaft wurde bereits zum zweiten Mal behandelt. Nach der Rückweisung im März gelang es dem Stadtrat, sie innert eines halben Jahres erneut vorzulegen, mit etlichen Verbesserungen, welche die Fraktionen anbrachten (wir berichteten).

Die Argumentation der Museen-Botschaft leuchtete dem Stadtparlament ein. Alle Fraktionen stellten sich hinter sie und lobten die bisherige Arbeit der Ehrenamtlichen, welche diese kulturellen Leuchttürme aufgebaut haben. Namentlich die «Roseneggerin» Heidi Hofstetter erhielt mehrfach dankende Erwähnung und einen grossen Applaus. Es wurde aber auch die Bereitschaft der Stiftungen gelobt, sich zukünftig über Leistungsvereinbarungen messen lassen zu wollen. Der Tenor der Gemeinderäte war: Selbst mit der grosszügigen Unterstützung werde es kein Zuckerschlecken, die bisherige Qualität zu halten, gar zu verbessern. Die SVP brachte dazu das wohl kritischste Votum: «Wunschdenken» sei es, die Besucherzahlen um bis zu 40 Prozent zu steigern, aber «der Betrag wird an der Leistungsvereinbarung gemessen», so Judith Ricklin (SVP). «Rechtzeitig Konsequenzen ziehen ist möglich.»

«Mehr Geld, mehr Möglichkeiten»
Die anderen Fraktionen äusserten sich zuversichtlicher. «Mehr Geld, mehr Möglichkeiten», brachte es Eva Häberlin (FL) auf den Punkt. Dennoch, und das wird gerade durch den von der Kommission Gesellschaft, Kultur und Sport vorgeschlagenen Passus für die Volksbotschaft deutlich: So viel Geld gibt’s nicht ohne Gegenleistung. Stadträtin Dorena Raggenbass nahm diesen auf. In der Vorlage für die Abstimmung wird die Kontrollfunktion des Stadtrates plus Rapport an die GKS festgeschrieben.

Die Botschaft wurde letztendlich mit drei Ergänzungsanträgen der vorberatenden Kommission einstimmig angenommen. Diese verankern die Zusagen, «mittelfristig ausgeglichene Jahresrechnungen zu erreichen».

Der Gemeinderat tagte übrigens mit einem riesigen Bild des neuen Verwaltungsgebäudes an der Wand, eine Motivationsspritze des Präsidenten, der ja bekanntlich für seine Amtsdauer bestimmt, was hängt.

Bis auf die FDP/EVP-Fraktion stellten sich denn auch alle Fraktionen einstimmig hinter die Stadthaus-Botschaft. Keine Einwände gab es von FL/Rägäbogä, CVP und SVP. Die SP zeigte sich sehr zufrieden mit der neuen Botschaft und hatte gleich weitere Anregungen auf Lager. Für die Überarbeitung der Fassade des Stadthauses könnte man eine Kommission bilden.

FDP als grosse Skeptikerin
In den Reihen der FDP/EVP allerdings bleibt die Mehrheit weiter skeptisch. Einzelne bemängeln die Länge des Baukörpers, die zu vielen Reserveflächen oder den falschen Standort, beschrieb André Troll das Stimmungsbild seiner Kollegen. Alexander Salzmann (FDP) relativierte den Substanzgehalt der an Ergänzungen reichen Botschaft: «Das sind lediglich Textanpassungen.» Er fand kein Gehör: Bei drei Enthaltungen genehmigte das Parlament mit 30 Ja- zu drei Nein-Stimmen das Kreditbegehren für das Gesamtprojekt.

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2 thoughts on “Glanzresultate für beide Botschaften

  1. Alexander Salzmann, FDP Gemeinderat

    Da ich als einziger der Skeptiker gestern im Gemeinderat meine Stimme erhob teile ich Ihnen hiermit mit, dass ich mich gestern der Stimme enthielt. Ich bin also nicht dem Nein-Lager zuzuordnen.

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  2. Bruno Neidhart

    Das Stadthaus auf der letzen grossen Freifläche der Stadt zu platzieren, zumal vor dem historisch wichtigsten Wahrzeichen von Kreuzlingen, der Klosteranlage, käme einem „Jahrhundertfehler“ gleich. Da nützt dann auch die tollste Visualisierung wenig, die den Baukörper als ein Nichts dazustellen versucht. Dieser 100-Meter-Bau – plus Laubengang! – zertrümmert den noch heute glücklicherweise hier offenen Stadtraum und schafft zudem gegenüber dem Bildungscampus einen abschottenden Riegel. Die FDP/EVP ist die einzige Fraktion, welche hier Flagge zeigt. Danke! U.a. wird auf den „falschen Standort“ hingewiesen: In der Tat gehört ein Stadthaus dorthin, wo sich die einzige Möglichkeit ergibt, eine veritable, aktive, z.B. auch gegenüber der Nachbarstadt selbständig sich präsentierende Stadtmitte zu entwickeln. Eine lebendige Mitte lebt auch von einem lebendigen Stadthaus, das sich der Einwohnerschaft und den Besuchern da offen zeigt, wo sich „Stadtleben“ konzentriert – konzentrieren soll. Nicht zuletzt ist bereits heute das Stadthaus an der geschäftigen Hauptachse der Stadt präsent und zieht auch den Löwen- und Schützenstrassenraum mit ein, also das „magische Dreieck der inneren Stadt, wie es sich in den kommenden Jahren weiter zu entwickeln hat. Durch einen prägnanten, kreativen Aus- oder Neubau an dieser Stelle beflügelt ein modernes Stadthaus aktiv das Stadtzentrum. Ohne lebendiges Zentrum gerät eine Stadt auf Dauer ins Abseits der Aufmerksamkeit. Da nützen dann auch die schönen Parks am See wenig. Diese können sich neben einem lebendigen Geschäftszentrum dann vermehrt als Stadtbezug ins Szene setzen, wenn die Parks sozusagen oben in der Stadt beginnen, in dem man bereits dort „viel Grün“ zitiert, was sich unten am See im grösseren Massstab so vortrefflich präsentiert. Somit ist die letzte grosse Freifläche in der Stadt nicht mit Beton zu belegen, sondern als Referenz einer „Parkstadt“ als zentraler Stadtpark im Zusammenhang mit der bestehenden Dreispitz-Parkanlage zu gestalten. Kreuzlingen hat hier zudem die letzte Chance, für einen grünen Ausgleich zur immer dichter werdenden Stadtbebauung zu planen. Dies hat zweifelsohne auch stadtklimatisch grosse Vorzüge.

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