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Der Mülibach wird wieder vereint

Langrickenbach – Langrickenbach macht seinem Namen bald alle Ehre. Nachdem die Stimmbürger im Mai zugestimmt haben, den einst eingedolten Mülibach wieder freizulegen, ist die Planung zur Offenlegung des 500 Meter langen Abschnitts nun in trockenen Tüchern.

So soll der Mülibach sich einst um Langrickenbach schlängeln. (Bild: zvg)

So soll der Mülibach sich einst um Langrickenbach schlängeln. (Bild: zvg)

Angestossen wurde das Projekt vor über zehn Jahren von Walter Häberlin. «In meiner Jugend beobachtete ich Schleiereulen, zog Kaulquappen auf und diskutierte stundenlang über die Natur», erinnert er sich an seine Jugendzeit in Langrickenbach zurück. Der Landbesitzer wollte auch der nächsten Generation ein solches Refugium hinterlassen und so entstand die Idee, den Mülibach wieder zu vervollständigen.

Vor 70 Jahren wurde der von Grüüt kommende Bach in eine Röhre gezwängt und fliesst heute unter einem Maisfeld durch. Mit dem Aufheben der Lücke zwischen dem Oberlauf und dem Stichbach bei Bottighofen, kann der Mülibach von der Quelle bis zum Bodensee wieder frei fliessen. «Ein Projekt, das in dieser Grösse einzigartig ist im Thurgau», sagt Markus Bürgisser, Geschäftsführer von Pro Natura.

Quelle für Artenvielfalt

Markus Bürgisser, Geschäftsführer von Pro Natura Thurgau und Philip Taxböck, Leiter des Projekts Mülibach. (Bild: ek)

Markus Bürgisser, Geschäftsführer von Pro Natura Thurgau und Philip Taxböck, Leiter des Projekts Mülibach. (Bild: ek)

Den halben Kilometer Bach aus seinem Gefängnis zu befreien, kostet rund 850000 Franken. Aus der Bevölkerung gab es deshalb Zweifel am Nutzen und der Finanzierbarkeit des Projekts. Zumal die Gemeinde als Bauherr auftreten muss, damit Subventionen vom Bund fliessen. «An der Gemeinde bleiben keine Kosten hängen», verspricht Projektleiter Philip Taxböck. 75 Prozent übernimmt der Bund, die restlichen Mittel organisiert die Pro Natura durch Stiftungen und Spenden. Seit drei Jahren führt er Gespräche, tauscht Land ab und plant den Bachverlauf. «Als die Bevölkerung sich mit einem klaren Ja hinter das Projekt stellte, war das schon ein emotionaler Moment für mich», freut sich Taxböck darüber, dass im Januar 2017 die Bagger anfahren dürfen. Drei Monate lang wird dann Erdmasse entfernt und eine Hochwasserdrainage verlegt.

Damit soll die künstliche Barriere in der Natur beseitigt und der natürliche Bachverlauf wieder hergestellt werden, damit Pflanzen und Makroinvertebraten (Insektenlarven) gedeihen. «Sie sind die Grundlage für eine reiche Artenvielfalt», erklärt Bürgisser. Vögel, Fische und Libellen sollen dann das ehemalige Maisfeld bevölkern und dafür Sorge tragen, dass sich die Jugend noch lange für die Natur begeistert.    Emil Keller

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