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Orientierungslosigkeit im biotechnischen Zeitalter

Kreuzlingen – Im Kunstraum Kreuzlingen ist heute, 9. September, ab 19.30 Uhr Vernissage einer spannenden Ausstellung.

Aurelio Kopainig zeigt Skizzen zum Thema Landwirtschaft. (Bild: vf)

Aurelio Kopainig zeigt Skizzen zum Thema Landwirtschaft. (Bild: vf)

Kunst muss Fragen stellen. Fragen nach den Gegebenheiten des Seins, nach Widersprüchen, Unklarheiten und Undurchsichtigkeiten. Im Kunstraum Kreuzlingen geschieht dies auf zwei unterschiedliche Arten. Zum einen beschäftigt sich der Konzeptkünstler Aurelio Kopainig mit physischen Objekten: der Agrarwirtschaft. Er zeigt Missstände in Monokulturen, den Einsatz von Pestiziden und Herbiziden und deren Einfluss auf die Gesundheit auf. Sein Werk gleicht einer Doktorarbeit, die nicht geschrieben ist, sondern direkt aus den Gedanken des jungen Mannes auf das Papier kam. In Bildern, Notizen, Aufzeichnungen und Zitaten.

Die Gedanken routieren

Die Arbeiten werfen Fragen auf, die schwer zu beantworten sind: Was kann man essen, trinken und anziehen? Wie viele Giftstoffe befinden sich in unserer Umwelt und wie können wir diesen entgehen? Gibt es einen Ausweg? Es geht um Assoziationsketten: Bild – Begriff – Text – Bild. Alles hängt zusammen, dreht sich im Kreis.

julia-bodamer

Julia Bodamer vor der Videoinstallation. (Bild: vf)

Dieses Gefühl wiederum greift die Videoinstallation von Julia Bodamer im Untergeschoss des Kunstraumes auf. Hier wird der Kellerraum durch Projektionen an den Wänden erweitert, die Aufnahmen von Räumen zeigen, in denen nichts ist, ausser die Drehung der Kamera. Dadurch entsteht der Eindruck eines virtuellen Labyrinths. Ein Spiel mit Licht und Schatten, untermalt mit Musik der Avantgarde oder Stille, erzeugt eine syrreale Logik. Schwebende Leere. Die Frage «Wo stehe ich?» drängt sich auf und will nicht wieder verschwinden. In beiden Räumen geht es um die Orientierung in unserer Welt. Einmal pragmatisch, rational, an konkreten Themen geleitet, einmal metaphysisch, intuitiv. Doch was stellt man an mit all diesen Fragen, die unsere heutige Zeit begleiten? Bodamers Arbeit , inspiriert vom Theater, lässt eine mögliche Assoziation zu: durch die Bühnenhaftigkeit der Installation gekoppelt mit der Musik aus historischen Tanzfilmen, liegt eine mögliche Antwort auf der Hand: Tanze! Man muss in Bewegung sein, sich drehen, in alle Richtungen, um die Dimensionen zu erfassen. Kommt der Stillstand erst in den Gedanken an, so ist das Ende erreicht.
Die Ausstellung ist bis zum 23. Oktober zu sehen. Informationen gibt es auf

www.kunstraum-kreuzlingen.ch 

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