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Die Stadthaus-Katalysatoren

Kreuzlingen – Es soll ein deutliches Zeichen für das Kreuzlinger Stimmvolk sein. Der Gemeinderat hat das neue Stadthaus auf dem Bärenplatz mit grosser Mehrheit zur Annahme empfohlen, nun erfolgt auch der Schulterschluss mit Kreuzlinger Entscheidungsträgern. Mit einem Ja-Komitee wollen sie für Vertrauen in der Bevölkerung gegenüber dem 47,5-Millionen-Franken-Projekt weibeln.

Sie wollen ein Stadthaus hinter sich stehen sehen: Christian Lohr (v.u.n.o.), Jürg Kocherhans, Marianne Raschle, Monica Müller und René Zweifel. (Bild: ek)

Sie wollen ein Stadthaus hinter sich stehen sehen: Christian Lohr (v.u.n.o.), Jürg Kocherhans, Marianne Raschle, Monica Müller und René Zweifel. (Bild: ek)

«Wir sehen uns als Verstärker der Stadthausbotschaft», sagt CVP-Nationalrat Christian Lohr. Als Präsident des neuen Komitees Pro-Neues-Stadthaus nimmt er nun zusammen mit vier weiteren Entscheidungsträgern die Arbeit auf, für eine positive Grundhaltung in der Bevölkerung  zu sorgen.

«Die drei Projekte bringt alle Bedürfnisse unter ein Dach», erklärt Monica Müller, Geschäftsführerin der Chocolat Stella Bernrain ihr Engagement für das Projekt. Als Privatperson sieht sie darin einen Schritt in die Zukunft für Kreuzlingen.

Auch Jürg Kocherhans möchte als Kreuzlinger kein Flickwerk an Verwaltungsgebäuden. Darum sei die Botschaft über welche die Stimmbürger am 27. November befinden, die langfristig beste Lösung. Gleichzeitig sieht er als Unternehmer und Präsident des Arbeitgeberverbandes jetzt den richtigen Zeitpunkt für den Bau. Das aktuelle Zinsumfeld sei günstig und die Braubranche kühle sich ab. «Nun braucht es Impulse seitens der Stadt», ruft Kocherhans die Bürger auf, mit ihrer Stimme ins neue Stadthaus zu investieren.

Dafür will sich auch CVP Kantonsrätin Marianne Raschle einsetzen. «Das Volk muss spüren, das alle für das Wohl von Kreuzlingen am gleichen Strick ziehen», erklärt sie ihr Engagement für den Wahlkampf.

«Der Schandfleck Bärenplatz Parkplatz muss endlich aus der Stadtmitte verschwinden», fordert Schulpräsident René Zweifel. Er sieht in den drei vorgelegten Projekten mit Verwaltungsgebäude, Tiefgarage und Festwiese einen echten Mehrwehrt für Kreuzlingen und freut sich, dass die Stadtverwaltung damit näher an die Schule rückt. «So können künftige Projekte noch effizienter realisiert werden.» Mit Flyern, Mund-zu-Mund Propaganda und Teilnahmen an Podiumsgesprächen wollen die fünf Meinungsträger nun Wahlkampf für das Stadthaus machen. «Es wird keine einfache Geschichte», ist Präsident Lohr sich bewusst, «das neue Stadthaus ist ein stolzes Unterfangen.» Doch gebe es genügend gute Argumente, den massiven Bedarf seitens der Stadt nun nachzuholen. Ein Nein-Komitee gegen die Botschaft zeichnet sich zurzeit noch nicht ab.

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One thought on “Die Stadthaus-Katalysatoren

  1. Bruno Neidhart

    „Sie wollen ein Stadthaus hinter sich stehen sehen“ (Bildunterschrift). Nun: hinter dem CVP-Mann und seinen „Mit-Entscheidungsträgern“ würde allerdings der Klosterkirchturm verschwinden. Politischer Bildhumor?
    Worum geht es: Im Kern simpel, wie man weiss, um die Frage, ob Kreuzlingen ein neues Stadthaus braucht. Wenn es tatsächlich mit dem Stadthaus in der Stadtmitte so „prekär“ sein sollte ist die Frage ja durchaus berechtig, wieweit die Verhältnisse im Bereich der Stadtadministration verbessert werden sollten (wobei zu sagen wäre, dass die intensive äussere Entwicklung der Stadt in den vergangenen 25 Jahren exakt durch diese „real existierenden Verhältnisse“ möglich wurde!).
    Mal angenommen es besteht Einigkeit darüber, dass diese „real existierenden Verhältnisse“ zu verbessern sind – davon kann vielleicht mehrheitlich ausgegangen werden – , wäre zuerst zu ermessen, wo denn die Schwachpunkte der jetzigen Verhältnisse liegen. Sind diese gefunden – „einige“ meinen einige gefunden zu haben -, stellt sich direkt die entscheidende Frage, ob die anzustrebenden Verbesserungen „nicht vor Ort“, also beim bestehenden Stadthaus als einfache Lösung – zum Beispiel durch eine geschickte Erweiterung – zu beheben wären.

    Kommt man letztlich jedoch zum Schluss, das Stadthaus müsste ganz neu konzipiert werden, um für die Zukunft besser gerüstet zu sein, kann ja der Gedanke nicht ganz fern liegen, sich zu überlegen, ob daher nicht ein kompletter Neubau in Erwägung gezogen werden müsste.

    Nehmen wir mal an, das Stadthaus sei vollständig neu zu planen und zu bauen, ist es vorerst eminent, wo denn dieses Haus zu stehen kommen soll, das ja – im guten Sinn – als integraler Bestandteil des öffentlichen Stadtlebens beispielgebend sein kann. Somit ist exakt die jetzige Örtlichkeit angesprochen. Hier, im Zentrum der Stadt, liegt die moderne Aufgabe, das Stadthaus als „gemeinschaftliche Einrichtung“ zu gestalten, eine Aufgabe, die heutzutage weit über ein „nur administratives Haus“ hinaus zu gehen hat. Vielmehr: Das Stadthaus als – fast – täglicher Treffpunkt für Einheimische und Besucher, ein offenes Haus in multifunktioneller Ausrichtung für viele Lebensbelange – von der Politik zur Kultur, zur Stadtbücherei, der Touristinformation bis hin zu einem Stadtcafé/-Restaurant, usw. Die Stadtadministration also inmitten von geschäftlichen und freizeitlichen Aktivitäten eines sich dringend weiter zu entwickelnden, veritablen, belebten Stadtzentrums als Kreuzlinger Chancen, an städtischem Profil zu gewinnen und so vermehrt – in starker Konkurrenz! – auf sich aufmerksam zu machen.

    Der „Verlust der Mitte“ ist derzeit in Kreuzlingen überaus markant. Die Gründe sind vielfältig. Mit einem „Verlust des Stadthauses“ im Zentrum würde dieser Zustand weiter belastet. Die Stadtmitte muss permanent gestärkt werden, die Stadt selbst dabei beispielgebend einwirken, sich also nicht „vom Acker machen“. Mit einem architektonisch kreativ konzipierten, markanten, vorzeigbaren, modernen Stadthauskomplex als multifunktioneller Bau wird das gelingen und Kreuzlingen einen Schub in die Zukunft verleihen, den die Stadt notwendig hat, um sein zentrales Stadtbild für Einheimische und Stadtbesucher durch viele bevölkerungswirksame Einrichtungen möglichst attraktiv gegenüber der „Konkurrenz“ zu gestalten. Eine grosse Aufgabe. Es bleibt viel zu tun!

    Man muss sich zuletzt schon fragen dürfen, wer denn überhaupt die abstruse Idee entwickelte, auf die letzten freie Innenstadtfläche, die als historisch integraler Bestandteil der Stadt gilt und vorgelagert das in der Entwicklung früheste zu begründende Kreuzlinger Wahrzeichen (Klosteranlage) in voller Sicht präsentieren kann, ausgerechnet ein Stadthaus als Gegenpart mit 100 Meter Länge und zusätzlich ellenlangem Laubengang in Konkurrenz zu setzen. Die Geschichte von Kreuzlingen basiert nun mal auf einer rund 1000-jährigen Örtlichkeit – angefangen bei den ersten Klosterbauten an der Grenze zu Konstanz, und letztlich „säkularisiert endend“ beim existierenden Kreuzlinger Klosterbau (ehemals Augustinisches Chorherrenstift). An dieses Erbe ist gerade in einer multipolaren Welt zu erinnern. Eine Stadt die ihre Geschichte in allen Belangen – auch stadtraumästhetischen! – breit schützt und pflegt, ist für die Zukunft gut gerüstet! Dies ist geradezu die Essenz eines modernen, sich wandelnden Gemeinwesens mit einer – wie besonders in Kreuzlingen – in allen Belangen überaus heterogenen Bevölkerungsstruktur.

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