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Einmal den Traumpartner, bitte!

Kreuzlingen – Humorvoll, gross, gutaussehend, finanziell abgesichert, reisefreudig, unternehmungslustig und tierlieb sollte er sein, der Traumpartner. Kein Problem, sagt Maria Klein. Sie hat in ihrer Partnervermittlungsagentur in der Villa Bellevue einen entsprechenden Karteikasten, ganz klassisch. Mit uns traf sich die Liebesexpertin und Buchautorin zum Gespräch.

Partnervermittlerin und Buchautorin Maria Klein. (Bild: zvg)

Partnervermittlerin und Buchautorin Maria Klein. (Bild: zvg)

Kreuzlinger Zeitung: Frau Klein, Sie sind seit über 30 Jahren Partnervermittlerin. Wie vielen Menschen haben Sie schon die Suche der grossen Liebe abgenommen?
Maria Klein: Im Laufe der Jahre habe ich mit über 25 000 Menschen Gespräche geführt und diese einander vorgestellt. Der Grossteil meiner Klienten findet im ersten halben Jahr einen Partner durch meine Hilfe. Manchmal erhalte ich Einladungen zu Hochzeiten oder Postkarten aus dem Urlaub oder ein Strauss Blumen von Menschen, die seit 20 Jahren zusammen sind. Das freut mich dann immer sehr!

Wie läuft es ab, wenn sich jemand neu in Ihrer Agentur meldet?
Zunächst gibt es ein Telefongespräch mit den wichtigsten Informationen. Dann wird ein Fragebogen ausgefüllt, der mit einem passenden Foto der Person bei mir hinterlegt bleibt. Dann führe ich mit jedem Klienten persönliche Gespräche, nur so kann ich einen umfassenden Eindruck des Menschen erhalten. Und dann gehe ich auf die Suche. Teilweise in meiner Kundenkartei, teilweise gebe ich Anzeigen auf, deren Texte ich formuliere und die Antworten sichte. Dann kommt es zu dem ersten Vorschlag. Hier werden die Fragebögen anonym ausgetauscht. Wenn beide interessiert sind, gibt es ein Telefonat und dann ein erstes Treffen. Bis dahin erteile ich strenges Whatsappverbot! Wenn man einen Menschen noch nie gesehen hat, führt das nur zu Missverständnissen.

Und nach dem ersten Treffen?
Wenn sich beide sympathisch sind und einen Versuch wagen, werden sie aus meiner Kartei gelöscht. Wenn nicht, gibt es neue Vorschläge. Meistens klappt es nach zwei bis drei Versuchen, manchmal dauert es auch ein wenig länger. Mit jedem Mal lerne ich die Person besser kennen und weiss worauf es ankommt. Somit steigen die Erfolgsaussichten.

Kommt es auch manchmal vor, dass einer sich zurückmeldet und der andere verliebt ist?
Nein, eigentlich nicht. Es wird sehr ehrlich miteinander umgegangen. Durch mein System gibt es keine Möglichkeit für ein doppeltes Spiel und keine Notwendigkeit für Unaufrichtigkeiten, wie es zum Beispiel beim Onlinedating der Fall ist. Wenn es meinen Klienten nicht passt, können sie das direkt sagen. Manchmal ergeben sich auch tolle Freundschaften aus den Kontakten.

Wieviel kostet eine Vermittlung?
Nun, das ist pauschal nicht zu beantworten, aber mit 5000 Franken sollte man rechnen.

Haben Sie direkte Konkurrenz durch das Onlinedating und Apps wie Tinder oder Lovoo? Davon gab es ja die vergangenen Jahre massenweise.
Diese Datingplattformen funktionieren anders. Dort gibt es viele unechte Profile. Personen, die eigentlich in Beziehungen sind, testen beispielsweise ihren Marktwert. Oder es gibt Menschen, die sich gänzlich anders beschreiben und fotografieren, als sie in Wirklichkeit sind. Somit ist die Suche online sehr mühsam, zeitaufwändig und führt oftmals zu einem Datingfrust. Bei mir melden sich nur Personen, die ernsthafte Interessen und Absichten haben. Durch das persönliche Gespräch erhalte ich einen objektiven Eindruck des Menschen. Aber es gibt natürlich auch Personen, die gut mit dem Onlinedating zurechtkommen und Spass daran haben!

Wovon hängt es dann ab, ob Menschen erfolgreich daten oder viele Frusterlebnisse haben?
In erster Linie liegt das an der Ausstrahlung einer Person. Jemand, der sehr verbissen auf der Suche und bei Kleinigkeiten enttäuscht ist, hat andere Erlebnisse als eine Person, die locker und ausgeglichen ist. Und oftmals wird auch zu viel vorab geschrieben, obwohl man sich noch nie getroffen hat. Dadurch entsteht eine virtuelle Verliebtheit, die an der Realität scheitert. Daher sage ich immer: Gleich treffen! Dann hört man die Stimme, sieht die Mimik und hat weniger Raum für Interpretationen.

Hat sich die Liebe durch das Internet im Laufe der letzten Jahrzehnte sehr verändert?
Die Geschwindigkeit hat sich verändert. Heute wartet man nicht mehr ab. Durch die Vielzahl der Möglichkeiten entsteht der Eindruck, dass man jeden oder jede haben könnte. Man trifft sich auf einen Kaffee und entscheidet dann. Ein wirkliches Kennenlernen findet kaum mehr statt. Dabei sieht man auf den zweiten Blick oft mehr.

Und die Emanzipation? Was bringt diese mit sich?
Die Erwartungen haben sich sehr verändert, vor allem von Seiten der Frauen. Heute muss ein Mann vielseitiger sein als vor zwanzig Jahren. Er muss stark sein und beschützen, aber auch gleichzeitig zuhören und im Haushalt mithelfen. Viele Männer sind dadurch verunsichert. Sie wissen nicht mehr, ob es charmant ist, einer Frau die Tür aufzuhalten, ober ob es ihre Selbstständigkeit in Frage stellt. Männer sprechen Frauen seltener an, weil sie sich unsicher sind. Die Frau muss dem Mann signalisieren, dass sie Interesse hat.
Gibt es auch homosexuelle Klienten?
Ja, dafür habe ich eine extra Agentur: Gay-Serious. Das sind ganz tolle Männer, Ärzte, Anwälte, Unternehmer, etc.

Was geben Sie Ihren Klienten als Tipp für das erste Date?
Bloss nicht Essen gehen! Das führt meist zu einer sehr verkrampften Situation. Da ist der Kellner und die Gäste am Nebentisch, man ist beobachtet und kann nicht aus der Situation heraus, wenn es nicht passt. Besser ist, wenn man etwas zusammen unternimmt, in Bewegung ist. Ein Spaziergang, Skifahren, eine Radtour oder so etwas. Dann ist man auch normal gekleidet und viel natürlicher. In Kreuzlingen empfehle ich einen Spaziergang im Seeburgpark!

Wir verlosen 2×2 Bücher von Maria Klein:

«Die Liebe findet jeden» und «Weiblich, 40, plötzlich Single»

Email an: verlosung@kreuzlinger-zeitung.ch

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