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Sprühender Barock

Münsterlingen – Jan Dismas Zelenka: nie gehört? Der Tablater Konzertchor St.Gallen präsentiert zwei späte Meisterwerke des unkonventionellen Bach-Zeitgenossen: am 25. September in der Klosterkirche Münsterlingen sowie in St.Gallen.

Der Tablater Konzertchor St.Gallen beschäftigt sich nach diversen Bach-Programmen (u.a. h-moll-Messe und Matthäus-Passion) in seinem neuen Projekt mit einem Komponisten, der zu Unrecht im Schatten des Thomaskantors steht: Jan Dismas Zelenka. Aus Böhmen gebürtig und in Dresden tätig, Zeitgenosse Bachs und von diesem geschätzt, hat Zelenka die barocke Spiel- und Formfreude bis an die Grenzen ausgetestet. Zur Aufführung gelangen zwei späte Meisterwerke Zelenkas: das tiefschürfende Miserere und die übersprudelnde Missa votiva.

Jan Dismas Zelenka (1679 – 1745) kam als Kontrabassist und Komponist an den Dresdner Hof. Er schuf ein reichhaltiges Werk, fand jedoch die gebührende Anerkennung nicht; die erhoffte Stelle des Hof-Kapellmeisters erhielt Konkurrent Hasse. Frei von liturgischen Verpflichtungen entstand sein meisterliches Spätwerk, unter anderem mit der Missa votiva und dem Miserere, den beiden Werken, die im Konzert erklingen.

Die europaweit gefeierte Sopranistin Nuria Rial. (Bild: zvg)

Die europaweit gefeierte Sopranistin Nuria Rial. (Bild: zvg)

Zelenkas Werk zeichnet sich durch harmonische Kühnheiten, sprühenden Einfallsreichtum und die Lust an Überraschungen aus. Es erfuhr Ende des 20. Jahrhunderts eine gewisse Renaissance, gilt aber weiterhin als Geheimtip, trotz teils enthusiastischer Urteile wie etwa in der deutschen «Zeit», die ihn als «Genie dramatischer Räumlichkeit» lobt und als «Typ an der Wahnsinnsgrenze, von solcher Individualität und Fusionskraft, so witzig und so inbrünstig, so innovativ und unverwechselbar, dass ihn seine Arbeitgeber auf Händen hätten tragen müssen».

Die «Tablater» freuen sich für diese Expedition in Zelenkas frappierende Klangwelt über herausragende musikalische Partnerschaften: Als Solisten wirken die europaweit gefeierte Sopranistin Nuria Rial, Jan Börner (Altus) und Samuel Zünd (Bariton) mit sowie der junge, in Ausserrhoden aufgewachsene Tenor Benjamin Berweger. Es spielt das Barockorchester Capriccio Basel, die Leitung hat Ambros Ott.

www.tablater.ch

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