/// Rubrik: Kultur

Die Frohnatur

Münsterlingen – Sein Bruder hat im Familienunternehmen Rausch gerade die Stelle als CEO angetreten, Tom Baumann feiert derweil mit «Bliss» Erfolge auf der Bühne. Dabei ist er mehr aus Zufall in die Unterhaltungsbranche gerutscht, obwohl es ihm schon früh prophezeit wurde.

«Früher liessen wir auch mal eine Probe ausfallen um Jassen zu gehen, das geht heute nicht mehr», sagt «Bliss»-Bariton Tom Baumann. (Bild: zvg)

«Früher liessen wir auch mal eine Probe ausfallen um Jassen zu gehen, das geht heute nicht mehr», sagt «Bliss»-Bariton Tom Baumann. (Bild: zvg)

Schnell wird klar, warum Tom Baumann die Ansagen und Gags bei den Vorstellungen macht. Der in Bottighofen aufgewachsene Sänger ist umgänglich, erzählt im Gespräch Pointen aus seiner Kindheit, um dann zurück zum Ernst seines Lebens zu kommen: der Musik. Der 34-Jährige singt in der fünfköpfigen a cappella Band «Bliss», die fast alle grossen und kleinen Bühnen der Schweiz besungen haben und nun auch Echo aus Deutschland und Österreich erhalten. Seit knapp zehn Jahren bestreitet er durch Musik seinen Lebensunterhalt. «Dabei bin ich eher aus Zufall in die Band gerutscht», erzählt der studierte Germanistiker. Nach einem Auftritt seines Lehrerkollegen Claudio habe er im Spass seine Stimme angeboten. Aus Spass wurde schnell ernst, als bei «Bliss» Ersatz für einen Sänger gesucht wurde. Die beiden ehemaligen Lehrer arbeiten nun immer noch zusammen, nur würde ihr Publikum mittlerweile das Klassenzimmer sprengen.

Taiwan-Tour und Biersponsor
Ein bisheriger Höhepunkt ihrer Karriere war die zweiwöchige Tour durch Taiwan anfang des Jahres. Die fünf Lebemänner studierten dafür eigens ein Stück auf Chinesisch ein. «Ich weiss nicht ob das Publikum das gleiche verstanden hat wie wir, gelacht wurde auf jeden Fall», erinnert sich der Bariton zurück.

Diese Professionalisierung, welche nun zum Erfolg geführt hat, sei schleichend gekommen. «Anfangs wurde schon mehr Bier getrunken und gejasst», erzählt Baumann, welcher abgesehen vom Kantichor keine gesangliche Ausbildung genossen hat. Mittlerweile hat die Gruppe ihren eigenen Biersponsor, dafür sind die Proben strenger geworden. Für ihr neues Programm «Mannschaft» waren alle fünf Sänger über zwei Monate mit Arrangieren, Üben und Pointenschreiben ausgelastet. Nun folgt die Tour mit fast täglichen Auftritten. «Das kann schon stressig sein», so Baummann, der zurzeit ein Zweitstudium in Journalismus an der ZHAW in Winterthur abschliesst. Der Lohn für die ganze Arbeit sei der Feierabend. «Wenn die Zuschauer Tränen lachen und applaudieren, ist das nicht mit Geld aufzuwiegen», sagt Baumann. Dabei hätte er auch dem grossen Geld nachjagen können, das Kreuzlinger Familienunternehmen Rausch AG floriert. Unlängst hat sein Vater Marco Baumann die Leitung an Bruder Lucas übergeben. Doch wurden Toms Weichen früh gestellt. Schon in der Schule sei er als Klassenclown aufgefallen. Seinen Eltern hätte seine ehemalige Primarlehrerin einst attestiert: «Vergessen Sie’s der wird nie Kaufmann, da landet er vorher auf der Bühne.» Diesen Traum habe er zwar nie wirklich verfolgt, ist jetzt aber glücklich mit seinem Beruf.

Vergangenen November hatte die Gruppe einen Auftritt im Dreispitz in Kreuzlingen, einen Tag nach dem Pariser Attentat im Bataclan. Dabei sei es nicht einfach gewesen, den Clown für die Zuschauer zu spielen und sich sorglos zu geben. Für einige Stunden die Leute zum Lachen zu bringen und abzulenken sei jedoch die Überwindung wert gewesen. «Wenn wirs lustig haben, haben wirs wenigstens nicht traurig», beschreibt Baumann seine Lebensphilosophie.

Die Vorpremiere für ihr neues Programm «Mannschaft» feiert BLISS am Samstag, 1. Oktober, in der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen. Tickets gibt es unter www.starticket.ch.

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