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Das Sprachrohr von und für China

Kreuzlingen – Es ist der bevölkerungsreichste Staat der Erde, dennoch wissen wir in unseren Breitengraden praktisch nichts über China. Dafür dass uns das Reich der Mitte wenigstens ein bisschen näher kommt, ist Pascal Nufer als SRF-Chinakorrespondent verantwortlich. Vergangene Woche brachte er die Volksrepublik sogar bis in die Kantonsschule.

Pascal Nufer, SRF-China Korrespondent, erklärt wie China mit einer neuen «Seidenstrasse» näher an Europa heranrücken möchte. (Bild: ek)

Pascal Nufer, SRF-China Korrespondent, erklärt wie China mit einer neuen «Seidenstrasse» näher an Europa heranrücken möchte. (Bild: ek)

«Je mehr ich über China weiss, desto weniger verstehe ich das Land», erklärt Pascal Nufer fasziniert. Seit drei Jahren ist er für das Schweizer Fernsehen in Shanghai stationiert und versucht uns die fremde Kultur mit Einschätzungen und Beiträgen verständlicher zu gestalten. Die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt macht ihm die Arbeit dabei nicht einfach. «Unsere Büros sind verwanzt, unsere Mails werden mitgelesen und alle vier Monate muss ich mit der Staatssicherheit Tee trinken gehen», erzählt Nufer. Das erschwere es zwar  eine seriöse Berichterstattung zu betreiben, dennoch seien die ausländischen Journalisten das einzige kritische Sprachrohr in der kommunistischen Diktatur. «Meine inländischen Kollegen sind der Zensur unterworfen und riskieren mit ehrlichen Berichten Karriere und Gesundheit», so der 41-Jährige.

Wachstum und Überwachung
Trotz dieser prekären Menschenrechtslage findet er auch viele lobende Worte. Hat doch der Vielvölkerstaat, welcher von der Mongolischen Tundra bis ins Südchinesische Meer reicht, Probleme in weit grösseren Dimensionen als bei uns zu lösen. «Die Zeit des Billiglohnlandes China ist vorbei», ist Nufer überzeugt. Noch könne sich die Regierung auf ihren Lorbeeren ausruhen. In den vergangenen 20 Jahren hat sie 500 Millionen Menschen aus der Armut geführt. Doch nun hat sie mit der Einkindpolitik und traumhaftem Wirtschaftswachstum eine fordernde Mittelschicht herangezüchtet. Unlängst wurde im «Scheinparlament» der neue Fünfjahresplan vorgelegt, mit dem die Zukunft des viertgrössten Landes der Erde konzipiert wird. China soll von der Werkbank der Welt zur Dienstleistungsfirma werden. Und wenn sich Europa langsam von China als Produktionsland abwendet, dann kommt China einfach näher zu uns. Mit dem Infrastrukturprojekt «One Belt – One Road» schafft China zurzeit Zug- und Schiffswege über den ganzen Globus. Die Investitionen übertreffen dabei sogar die des «Marshall Plans» mit dem das zerstörte Europa nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut wurde.
Gleichzeitig wird kräftig ins Militär und den Nationalstolz investiert. Mit Tibet, Pakistan, Taiwan und den Inselkonflikten führt China zurzeit einige Territorialstreitigkeiten. Gleichzeitig werden auch die glorreichen alten Zeiten wieder heraufbeschworen. Um Chinas Staatspräsident Xi Jinping wird zurzeit ein Personenkult betrieben, wie dazumals mit Mao Zedong.

Platzt der chinesische Traum?
Doch alle Propaganda kann nicht die Folgen von Chinas explosionsartigem und ungezügeltem Wachstum verbergen. Smog, der die Aussicht auf die Skyline der Megastädte vernebelt, verschmutze Flüsse und umgesiedelte Dörfer führen immer wieder zu Protesten, die  niedergeknüppelt werden. «Chinas Regierung fürchtet nichts mehr als Massenproteste», so der Asienexperte Nufer. Es wird sich zeigen, ob der eingeschlagene Wirtschaftsweg schnell genug Wirkung zeigt, um alle Parteien Chinas zufrieden zu stellen. «Ich weiss nicht ob China diese Mammutaufgaben bewältigen kann, aber falls es jemand schafft dann der chinesische Drache», ist Nufer überzeugt.

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