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Wie konnte es dazu kommen?

Konstanz – Die Katamaren Schnellfähre «Constanze» rammte vor Hagnau eine Yacht. Ein traumatisches Erlebnis für die Segler an Bord: Ihr geliebtes Boot versank, sie litten Todesangst. Mittlerweile ist klar: Es gibt keinen Hinweis auf technisches Versagen.

Die Segelyacht war ihr Augapfel. In die «Faurby 330» hatten die Eheleute viel Geld und noch viel mehr Zeit investiert. Selbstverständlich verbrachten die 64-Jährige und ihr 69 Jahre alter Mann nach der Pension so viele glückliche Stunden auf dem See wie möglich. Bis zu dem verhängnisvollen Nachmittag im August. Schwer vorstellbar, dass ihnen die Freude am Segeln nach so einem Unglück erhalten bleibt.

Eine Yacht des dänischen Herstellers Faurby ist ein imposantes Boot. (Bild: Faurby.dk)

Eine Yacht des dänischen Herstellers Faurby ist ein imposantes Boot. (Bild: Faurby.dk)

Am 12. August herrscht Flaute. Als die Segler das Schnellboot auf sich zufahren sehen, geben sie Zeichen, schreien, machen auf sich aufmerksam. Keine Chance. Der Katamaran rammt sie, das Paar wird über Bord geschleudert, die Trümmerteile versinken im 240 Meter tiefen See. Die Frau wird dabei leicht verletzt. Nicht auszudenken, was geschehen wäre, wenn sie sich in der Kajüte aufgehalten hätten. Der Schaden beläuft sich auf geschätzte 163’000 Franken.
«Wir sind froh, dass die beiden mit nur leichten Verletzungen davongekommen sind», drückt Norbert Schültke, Geschäftsführer der Katamaran-Reederei Bodensee, sein Bedauern über das Unglück aus. Man stehe in Kontakt mit den Opfern, so eine Medienmitteilung vom Anfang der Woche.

Obwohl technisches Versagen mittlerweile ausgeschlossen wird, verwahrt sich die Reederei gegen «pauschale Verurteilungen», so Kompagnon Christoph Witte. «Alle Katamaran-Schiffsführer sind Profis, die bereits seit vielen Jahren auf den BSB-Schiffen oder den Fähren gefahren sind und die Verhältnisse auf dem Bodensee gut kennen.»

Am folgenschweren Freitag schoben zwei Kapitäne Dienst auf dem Schnellboot. Gemäss Südkurier geht die Polizei davon aus, dass der Verantwortliche, der am Steuer stand, das Segelboot übersehen hat. Er arbeite derzeit nicht mehr, teilt die Reederei auf Anfrage mit. Man kann sich vorstellen, wie das Geschehen auch an ihm nagen muss. Der zweite Schiffsführer sei weiterhin im Einsatz. Insgesamt gibt es zirka 40 Schiffsführer auf den Katamaranen. In der Regel sind die Schnellboote auf der Höhe des Unfallortes mit 32 Stundenkilometern unterwegs. Vorfahrt haben sie nur im Hafenbereich und in der Langsamfahrzone. Wie es weitergeht und welche Konsequenzen der Vorfall hat, wird sich erst nach dem Abschluss der Ermittlungen der Konstanzer Staatsanwaltschaft zeigen.

Sicherheitsrisiko Katamaran?
Der Bodensee-Segler-Verband (BSVb) jedenfalls zeigt sich «tief besorgt» und forderte bereits, dass «per einstweiliger Verfügung der ursprüngliche Sicherheitsstandard mit einem zweiten Mann mit entsprechender nautischer Qualifikation auf der Brücke wieder hergestellt wird». Ein entsprechendes Schreiben ging an das Landratsamt in Konstanz. Schon früher hatte sich der Verband mit der Reederei angelegt, weil die Organisation das Fährschiff für ein Sicherheitsrisiko hielt. «Es ist das passiert, wovor Wassersportler und Fischer immer gewarnt haben», so Theo Naef, Präsident des BSVb.

Dem BSVb gehört auch der Yacht-Club-Kreuzlingen an. «Der Katamaran generiert kein grösseres Risiko als die anderen Kursschiffe auch», zeigen sich die Segler vor Ort weniger alarmiert als ihr Verbandsoberster. Man gehe davon aus, dass die unglückliche Wirkungskette, die zum Unfall führte, analysiert und aufgedeckte Mängel eliminiert oder verbessert werden. «Erweiterte Vorschriften oder Einschränkungen» seien aus Sicht des Yacht Clubs nicht notwendig.

Ermittlungen dauern an
«Wir werden alles tun, um das Geschehen umfassend aufzuklären», versichert der Leiter der Konstanzer Staatsanwaltschaft, Dr. Johannes-Georg Roth, auf Anfrage. «Wir müssen prüfen, ob und wenn, in welchem Ausmass, hier Fehler begangen wurden und wie schwer diese wiegen.» Die Staatsanwaltschaft habe sich dazu entschieden, eine gutachterliche Rekonstruktion in Auftrag zu geben. Roth rechnet mit Ergebnissen in spätestens drei Monaten. Ausgewertet werden alle vorliegenden Daten sowie die Aussagen der Beteiligten. «Die Yachtbesitzer haben mittlerweile eine Darstellung des Geschehens aus ihrer Sicht abgegeben», so Roth. Das Ehepaar habe dazu einen Anwalt eingeschalten.

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