/// Rubrik: Artikel | Marktinfos

Sicherheit im Strassenverkehr – Worauf muss ich als Velofahrer achten?

Kreuzlingen - Die Zahlen sind nach wie vor besorgniserregend. 253 Personen liessen im Jahr 2015 auf Schweizer Strassen ihr Leben. Ganze 4004 Verkehrsunfälle, in die Velofahrer verwickelt waren, registrierte die ASTRA (Bundesamt für Strassen) für das gleiche Jahr. Da tröstet der Umstand wenig, dass die Anzahl der Unfallopfer insgesamt im Jahrzehnte-Vergleich rückläufig ist, was einer besseren technischen Ausrüstung und Einführung höherer Sicherheitsstandards geschuldet ist.

Nach Pkw und Motorrad ist das Velo die drittgrösste Gefahrenquelle. Welche Vorkehrungen kann der Fahrer für sich persönlich treffen, um die Vision einer «Null-Statistik» an tödlichen Verletzungen durch Velo-Unfälle Wirklichkeit werden zu lassen? Da auch in der näheren Region immer wieder vermeidbare Unfälle mit dem Velo passieren, finden Sie in folgendem Beitrag nützliche Informationen und Tipps rund um den Velo-Gebrauch im Strassenverkehr.

Bestehen in der Schweiz gesetzliche Vorschriften hinsichtlich des Tragens eines Velohelmes?

Im Gegensatz zu Fahrern von Krafträdern gibt es keine Verpflichtung für Velofahrer, während der Teilnahme am Strassenverkehr einen Schutzhelm zu tragen. Ausnahme: Seit 1. Juli 2012 besteht eine Helmpflicht für schnelle E-Bikes. Im Jahr 2013 stand zwar die Einführung einer generellen Helmpflicht im Nationalrat zur Debatte. Diese führte zu keiner konkreten Massnahme, weil befürchtet wurde, dass Velofahren damit unattraktiv werden könnte.

Die Meinungen über eine generelle Helmpflicht sind europaweit sehr verschieden.

Während beispielsweise Finnland, Malta und Spanien eine generelle Helmpflicht haben, sehen einige Länder nur eine Helmpflicht unterschiedlicher Altersgrenzen für Kinder und Jugendliche vor. Der überwiegende Rest hat sich klar gegen solche Vorgaben ausgesprochen. So besteht in Deutschland laut Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) vom Juni 2014 keine Helmpflicht.

grafik-1

Noch kann man in der Schweiz den Wind in den Haaren spüren. (Bild: sportscheck.ch)

Welche Kleidung ist während des Velofahrens zum Schutz der eigenen Sicherheit empfehlenswert?
Dem Umstand geschuldet, dass die Unfallgefahr statistisch gesehen bei eingeschränkter Sicht um ein Vielfaches erhöht ist, sollten Reflektoren an der Kleidung obligatorisch sein. Hinsichtlich der Bekleidung gibt es keine rechtlich verpflichtenden Vorgaben, jedoch kann das Tragen von reflektierenden Armbinden, fluoreszierenden Westen und Kleidern mit hellen Farben das Unfallrisiko deutlich reduzieren.

Schuhe mit Absätzen oder glatten Sohlen stellen ein vermeidbares Sicherheitsrisiko dar, während Sportschuhe mit rutschfester Sohle besseren Grip bieten und für mehr Halt auf den Pedalen sorgen. Robuste, griffige Handschuhe verringern die Gefahr abzurutschen und schützen zudem auch vor Kälte.

Das Tragen einer Fahrradbrille bietet dem Auge Protektion. Gerade in Zeiten höchsten Insektenfluges in Frühjahr und Sommer kann ein spezieller Augen-Schutz ein Mehr an Sicherheit bedeuten. Besonders bei schneller Fahrt ist es wichtig, dass die Brille zur Seite abgeschirmt ist. So fasst ein Velo-Blog ihre Vorteile spezieller Fahrrad Schutzbrillen unter der Überschrift «Auf dem Velo trägt der kluge Radler Brille» zusammen: «Unterwegs, auf dem Arbeitsweg nach Luzern oder auf einer Tour, ist aber eine Sportbrille ein Muss: Weil ihre Gläser grösser sind, also sozusagen ums Auge rum reichen, schützt sie als Sonnenbrille auch vor (Fahrt-)Wind, Regen und Schnee, vor Staub, Insekten und was da sonst noch alles so in der Luft rumfliegt.»

Gelten Fahrrad-Regeln für alle Velofahrer und wie sehen die wichtigsten Vorschriften aus?

Es gibt eine ganze Reihe an Fahrrad-Regeln, die nicht nur dem eigenen, sondern auch dem Schutz anderer Verkehrsteilnehmer dienen und an die sich alle halten sollten. Hinsichtlich Ausrüstung und Ausstattung lassen sich folgende Sicherheitsmassnahmen zusammenfassen:

 

 

 

  • ausreichende Beleuchtung mit weissem Licht vorne und rotem hinten; Rückstrahler oder Katzenaugen vorne weiss und hinten rot;
  • Funktionstüchtigkeit der Bremsen für Vorder- und Hinterrad;
  • ausreichendes Reifenprofil: Velos, die im Strassenverkehr zum Einsatz kommen, müssen über ein Profil verfügen Profillose Slicks sind demnach nicht erlaubt, während im Sportbereich glatte Reifen mit wenig Profil gängig sind. Ein grob profilierter Reifen bietet ausreichenden Halt und fährt sich bei entsprechendem Druck auch auf der Strasse einigermassen leicht.
  • Ausstattung der Pedale mit gelben Rückstrahlern auf Vorder- und Rückseite;
  • Vorhandensein von Klingel und entsprechenden Schutzblechen.

Darf in der Schweiz grundsätzlich jeder mit seinem Velo am Strassenverkehr teilnehmen und wer haftet beim Unfall?

Nein, Kinder im Vorschulalter dürfen grundsätzlich mit einem Velo nicht auf die Strasse. Gleiches gilt für Kinder und Jugendliche, die die Pedale sitzend noch nicht durchtreten können. Das Mindestalter für alle E-Bikes liegt bei 14 Jahren. Jugendliche bis 16 Jahre brauchen einen Führerausweis der Kategorie M (Motorfahrräder). Ab 16 Jahren ist dies nicht mehr erforderlich. E-Bikes mit einer Tretunterstützung über 25km/h dürfen nur mit einer Motorfahrrad-Zulassung mit einer jährlich zu erneuernden Velovignette auf die Fahrbahn. (Quelle: ch.ch)
Bis Ende 2011 waren Vignetten für Velos Pflicht, seit 2012 sind Schäden durch Abschluss einer Privathaftpflichtversicherung optional abzusichern.

Wodurch entstehen die meisten Velo-Unfälle?
Laut Pro Velo Schweiz, dem Dachverband der Verbände für die Interessen der Velofahrenden, passieren die meisten Unfälle beim Abbiegen, wenn nicht kurz zurückgeblickt, kein Handzeichen gegeben oder der Gegenverkehr nicht beachtet wird. Beim Abbiegevorgang ist auch wichtig, einen Bogen zu beschreiben, ohne dabei die Kurve zu schneiden. Darüber hinaus führt oftmals das Ignorieren von Vorfahrtsregeln zu Verkehrszwischenfällen.

Zu den häufigsten Fehlern zählen das Befahren von Gehwegen, unzureichende oder fehlende Beleuchtung, das Fahren gegen die Fahrtrichtung sowie das Benutzen der falschen Fahrbahn.

Ist Alkohol am Lenker erlaubt?
Wer mit mehr als 0,5 Promille Blutalkohol-Konzentration im Strassenverkehr auffällt, riskiert eine Busse, deren Höhe eine Einzelfallentscheidung darstellt und die von Stadt zu Stadt unterschiedlich gehandhabt wird. Die Fahrerlaubnis steht ab einem Wert von 2,5 Promille auf dem Spiel. Der Gesetzgeber geht bei dieser Höhe von regelmässigem Alkoholmissbrauch und einer generellen Fahruntüchtigkeit auf Grund eventueller Alkoholabhängigkeit aus.

Auch wenn im Normalfall bei Werten zwischen 0,5 und 2,5 Promille kein Ausweisentzug droht: Velofahren in angetrunkenem Zustand ist grundsätzlich verboten. Aus Gründen der eigenen Sicherheit sollte Alkohol am Velo-Lenker grundsätzlich tabu sein, denn statistisch gesehen besteht im Rausch ein dreimal höheres Risiko, in einen tödlichen Unfall verwickelt zu sein. In rund 80 Prozent aller schweren Velo-Unfälle, die auf keine Fremdeinwirkung zurückzuführen sind, ist Alkohol mit im Spiel gewesen.

Was sind die wichtigsten Velo-Regeln?
Auch für Velofahrer gelten gemeinhin die Verkehrsregeln, wie sie auch für Auto- und Motorradfahrer verbindlich sind. Hinzukommen noch folgende weitere velospezifische
Verhaltensvorschriften:

  • Benutzung der rechten Fahrspur;
  • Beachten der allgemeinen Vorfahrtsregeln;
  • Kein Überfahren der Ampel bei Rot;
  • Deutliches Armzeichen bei Abbiegewunsch;
  • Kein Nebeneinanderfahren von Velos auf befahrenen Strassen – Ausnahme: Fahrradwege oder besonders gekennzeichnete Radwanderwege auf Nebenstrassen;
  • Kein Ausweichen aufs Trottoir.

Ist der neue Fahrrad-Airbag eine echte Alternative zum Helm?
In Form eines Schals um den Hals getragen, bläst sich der Airbag bei einem Unfall wie eine Art Kapuze auf und umspannt den Nacken- und Kopfbereich. Es gibt einen On/Off-Schalter am Reissverschluss. Der Airbag ist für Standardfahrräder sowie für Miniräder und Falträder konzipiert und für Fahrten mit normalen Fahrrädern in der Stadt und auf Strassen entwickelt worden. Die Elektronik, die den Airbag bei einem Sturz auslöst, benötigt Strom, der von einem regelmässig aufzuladenden Akku geliefert wird.

In einem Velo-Airbag-Experiment auf srf.ch ziehen die Autoren ein positives Fazit. Zu den Vorteilen werden gezählt:

  • Zuverlässiges Aufspringen, wenn es zum Aufprall kommt
  • Extrem schnelles Aufspringen (etwa eine Zehntelsekunde) schafft bereits Schutz um Kopf- und Halspartie – und dies noch ausreichend lange, bevor es zur Kollision kommt.
  • Bequemes Tragen der Halskrause um den Hals mittels Reissverschluss in Nicht-Gefahrensituationen
  • Sichere Funktionskontrolle mit Hilfe eines Off/On-Schalters

Darf man beim Velofahren mit dem Handy telefonieren?

Was in Deutschland bereits seit 2001 und in Österreich seit 2013 vom Gesetzgeber verboten wurde, ist auch hierzulande untersagt und wird bei Missachtung mit einer Busse belegt. Allein das Führen eines Mobiltelefons in einer Hand während des Velofahrens stellt eine Ordnungswidrigkeit dar. Denn grundsätzlich gilt: Alles, was die Aufmerksamkeit eines Verkehrsteilnehmers merklich beeinträchtigt, ist gesetzlich untersagt. Laut Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen, haben die Unfälle auf Grund von Ablenkung durch ein Handy in den letzten Jahren zugenommen.

Praktischer Begleiter für alle Velofahrer in Kreuzlingen
Weitere nützliche Informationen und Tipps rund um den Velo-Gebrauch sowie empfehlenswerte Routen finden sich im VeloCity-Guide für Kreuzlingen und Konstanz, der seit Mitte August im Tourismusbüro der Stadt Kreuzlingen, bei der Stadt- und Bauverwaltung, in der Mobilitätszentrale am Bahnhof Konstanz und im dortigen Technischen Rathaus, bei Pro Velo Thurgau, dem ADFC und ausgesuchten Geschäften und Vereinen umsonst erhältlich ist.

Share Button

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.